Karneval 2026: Was Neulinge wissen müssen
1,5 Millionen Besucher allein in Köln, Milliardenumsätze und geschlossene Schulen: Die Karnevalssaison ist in vollem Gang. Doch was bedeutet das für arabische Familien in Deutschland? Ein Überblick mit Zahlen, Hintergründen und praktischen Tipps.
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Rund 1,5 Millionen Menschen auf den Straßen Kölns. Über 600 Millionen Euro Umsatz in nur sechs Tagen. Das sind keine Übertreibungen — das sind die Zahlen der deutschen Karnevalssaison, die in dieser Woche zwischen dem 12. und 18. Februar 2026 ihren Höhepunkt erreicht.
Für viele arabische Familien in Deutschland (besonders diejenigen, die erst seit wenigen Jahren hier leben) wirkt das Ganze schlicht verwirrend. Kostüme auf der Straße, laute Musik und geschlossene Büros mitten in der Woche. Die erste Frage lautet fast immer: Was passiert hier eigentlich?
Der Karneval — von den Deutschen auch als die \"fünfte Jahreszeit\" bezeichnet — geht auf das Mittelalter zurück. Die Idee dahinter ist einfach: ein großes Fest vor der christlichen Fastenzeit. Aber heute hat sich daraus ein wirtschaftliches und gesellschaftliches Phänomen entwickelt, das weit über den religiösen Ursprung hinausgeht.
Sechs Tage in Zahlen
Nach Angaben des Festkomitees Kölner Karneval zieht allein der Rosenmontagszug über eine Million Zuschauer an — auf einer Strecke von 8 Kilometern durch die Innenstadt. In Düsseldorf sind es rund 800.000 Besucher, in Mainz über eine halbe Million. Das Bemerkenswerte an Mainz: Die Stadt hat nur 220.000 Einwohner.
Wirtschaftlich betrachtet schätzen die Industrie- und Handelskammern den Gesamtumsatz der Karnevalssaison in Nordrhein-Westfalen auf über 1,5 Milliarden Euro jährlich. Hotels, Restaurants, Kostümhersteller, Nahverkehr — eine ganze Branche dreht sich um diese sechs Tage.
Welche Tage man kennen sollte
Die \"verrückte Woche\" beginnt am Donnerstag, dem 12. Februar, mit Weiberfastnacht. An diesem Tag übernehmen Frauen symbolisch die Macht und schneiden Männern die Krawatten ab — in Büros und auf der Straße. Es folgen Freitag und Samstag mit Stadtteilfeiern, dann der Sonntag mit kleineren lokalen Umzügen.
Der absolute Höhepunkt? Rosenmontag, der 16. Februar. An diesem Tag steht in Köln, Düsseldorf und Mainz das normale Leben still. Schulen sind in Nordrhein-Westfalen offiziell geschlossen, viele Unternehmen geben ihren Mitarbeitern inoffiziell frei. Und dann ist plötzlich alles vorbei: Am Aschermittwoch, dem 18. Februar, kehrt die Ruhe zurück.
Was das für arabische Familien bedeutet
Salma, eine syrische Mutter aus Köln, erzählte, dass ihre Kinder in ihrem ersten Jahr verwirrt aus der Schule kamen: \"Warum sind alle Kinder verkleidet?\" Sie wusste nicht, dass Schulen in dieser Woche Kostümpartys feiern. Und die größere Überraschung — der Unterrichtsausfall am Montag und Dienstag bedeutet, dass sie zwei zusätzliche Betreuungstage organisieren muss.
Aber die kulturelle Herausforderung geht über Kostüme hinaus. Alkohol ist ein zentraler Bestandteil der Karnevalsfeiern, und die Stimmung in der Innenstadt unterscheidet sich grundlegend vom Alltag. Beratungsstellen für Geflüchtete in Köln bestätigten, dass viele arabische Familien die Innenstadt an den letzten drei Tagen (Samstag bis Dienstag) lieber meiden.
Gleichzeitig wies ein Bericht der Deutschen Welle darauf hin, dass einige arabische Vereine in Köln begonnen haben, auf ihre eigene Art am Karneval teilzunehmen — mit geschmückten Wagen, arabischen Ornamenten und Kostümen, die orientalisches Erbe mit deutschen Traditionen verbinden. Eine solche Teilnahme zeigt: Integration heißt nicht, die eigene Identität aufzugeben.
Praktische Hinweise für diese Woche
Der öffentliche Nahverkehr in Köln und Düsseldorf fährt während der Karnevalstage nach Sonderfahrplänen mit zusätzlichen Nachtlinien. Mehrere U-Bahn-Stationen in der Nähe der Zugstrecken werden am Rosenmontag vorübergehend gesperrt. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) berichteten von einem Fahrgastanstieg von rund 40 Prozent an diesen Tagen. Frühzeitige Planung ist keine Empfehlung, sondern Notwendigkeit.
Hinsichtlich der Sicherheit warnte die Polizei vor einer Zunahme von Taschendiebstählen in den dicht gedrängten Menschenmengen entlang der Umzugsrouten. Der einfachste Rat (und der wichtigste): Keine Wertsachen mitnehmen und die Kinder im Gedränge nicht aus den Augen lassen.
Muss man am Karneval teilnehmen? Niemand ist dazu verpflichtet. Aber zu verstehen, was passiert — und warum Schulen und Büros geschlossen bleiben — erleichtert den Alltag in dieser außergewöhnlichen Woche. Und die Kinder kommen von der Schulfeier meistens mit mehr Süßigkeiten zurück, als sie essen können.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- Festkomitee Kölner Karneval - Offizielle Website
- DW Arabisch - Karneval in Deutschland
- KVB Köln - Kölner Verkehrsbetriebe
- DW English - Carnival in Germany
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