Arabische Feministinnen in Berlin
Am Internationalen Frauentag spricht die Welt über arabische Frauen als Kriegsopfer. Doch in Deutschland bauen arabische Frauen eigene feministische Bewegungen auf, die arabische Identität mit deutschem zivilgesellschaftlichem Engagement verbinden. Aus Neukölln und anderen Stadtteilen berichten Frauen, die sich nicht nur über Konflikte definieren lassen.
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Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.

صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: OpheliaCherryBlossom/Pixabay · Pixabay License
Jeden Dienstagabend treffen sich Frauen in einem Gemeinschaftsraum in Berlin-Neukölln. Nour, eine syrische Ingenieurin Anfang vierzig, eröffnet die Diskussion mit einer einfachen Frage: Was bedeutet es, eine arabische Feministin in Deutschland zu sein?
Die Frage ist keineswegs theoretisch. Sie begleitet Tausende arabische Frauen in Deutschland jeden Tag. Aber die Antworten, die an diesem Abend kommen, überraschen selbst Nour.
Heute ist der 8. März, Internationaler Frauentag. Ein Tag, den die Deutsche Clara Zetkin 1910 vorschlug. Während arabische Medien (wie jedes Jahr) über das Leid von Frauen in Kriegsgebieten berichten, gibt es eine Geschichte, die kaum jemand erzählt: die der arabischen Frauen, die hier in Deutschland ihre eigenen feministischen Bewegungen aufbauen.
Laut dem Statistischen Bundesamt leben in Deutschland über zwei Millionen Menschen arabischer Herkunft. Frauen machen etwa 42 Prozent davon aus. Viele von ihnen (besonders die nach 2015 Gekommenen) haben Hochschulabschlüsse und Berufserfahrung, die auf dem deutschen Arbeitsmarkt nur schwer anerkannt werden.
Aber statt zu warten, haben einige beschlossen zu handeln.
Karima Benbrahims Stimme
Zu den markantesten feministischen Stimmen unter arabischstämmigen Frauen in Deutschland gehört Karima Benbrahim, Leiterin des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit (IDA). In einem Interview mit der Deutschen Welle betonte Benbrahim, dass Migrantinnen einer doppelten Diskriminierung ausgesetzt sind: als Frauen und als Ausländerinnen. Diese Intersektionalität — so der Fachbegriff — macht ihre Erfahrung grundlegend anders als die des traditionellen deutschen Feminismus.
Das Problem liege nicht nur in Gesetzen, erklärte sie, sondern in unsichtbaren Strukturen, die Migrantinnen von Entscheidungspositionen ausschließen. Selbst innerhalb deutscher feministischer Organisationen.
Bedeutet das, dass der arabische Feminismus in Deutschland am Rand steht? Die Realität zeigt das Gegenteil.
Von der Küche zum Bundestag
Huda, eine irakische Aktivistin, die seit 2016 in Berlin lebt, gründete eine Unterstützungsgruppe für arabische Frauen, die Deutschunterricht mit rechtlicher Aufklärung verbindet. Es begann mit einem kleinen Gesprächskreis in ihrer Wohnung, berichtete sie, bevor es zu wöchentlichen Treffen mit Dutzenden Teilnehmerinnen wurde.
"Am Anfang sprachen wir über Aufenthaltsprobleme und Krankenversicherung", erzählte Huda. "Dann merkten wir, dass wir über alles redeten: über unsere Ehemänner, unsere Arbeitsrechte, darüber, wie wir unsere Töchter zwischen zwei Kulturen erziehen."
Ein DW-Bericht von dieser Woche wies darauf hin, dass arabische Frauen den höchsten Preis in Kriegen zahlen. Was der Bericht jedoch nicht erwähnt: Viele dieser Frauen haben sich nach ihrer Ankunft in Deutschland nicht mit dem bloßen Überleben begnügt — sie begannen, etwas Neues aufzubauen.
Die Zahlen belegen das. Laut BAMF-Statistiken machen Frauen über 55 Prozent der Teilnehmenden an Integrationskursen aus. Und das zivilgesellschaftliche Engagement arabischer Frauen in lokalen Vereinen ist in den letzten fünf Jahren um rund 30 Prozent gestiegen.
Ein dritter Feminismus
Was diese Frauen schaffen, ist weder eine Kopie des westlichen Feminismus noch eine Fortsetzung des traditionellen arabischen. Es ist etwas Drittes. Ein Feminismus, der darauf besteht, dass das Kopftuch nicht zwangsläufig Unterdrückung bedeutet, und dass eine arabische Frau nicht ihre Identität aufgeben muss, um nach deutschen Maßstäben als "befreit" zu gelten.
Die Migrationsforscherin Nahed Abu Zeid merkte an, dass arabische Frauen in Deutschland das Konzept bürgerschaftlichen Engagements neu definieren. "Sie warten auf niemandes Erlaubnis", sagte Abu Zeid gegenüber lokalen Medien. "Sie gründen Vereine, beteiligen sich an Stadtteilräten, kandidieren bei Kommunalwahlen."
Und die Herausforderungen kommen nicht nur von einer Seite. In der deutschen Gesellschaft werden sie manchmal als Opfer betrachtet, die "gerettet" werden müssen. Gleichzeitig (und darüber wird selten gesprochen) stehen sie unter Druck aus ihren eigenen arabischen Gemeinschaften. Die Balance ist schwierig. Aber machbar.
Mariam, eine libanesische Doktorandin an der Freien Universität Berlin, brachte es auf den Punkt: "Ich muss mich nicht zwischen Arabischsein und Feministischsein entscheiden. Ich bin beides. Und genau das stört alle."
Zurück im Neukölln-Raum
Am Ende der Dienstagsrunde haben sich die Frauen nicht auf eine einzige Definition des arabischen Feminismus in Deutschland geeinigt. Und vielleicht ist genau das der Punkt — dass ihre Bewegung noch im Werden ist, mit sich selbst ringt, ihre Stimme sucht.
Nour lächelte, als sie ihre Unterlagen zusammenpackte. Am 8. März wird sie den Frauentag nicht so feiern, wie es die Medien erwarten. Sie wird nächsten Dienstag wiederkommen. Wie jeden Dienstag.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- Deutsche Welle - Karima Benbrahim: Stimme der Migrantinnen gegen Diskriminierung
- Deutsche Welle - Arabische Frauen zahlen den Preis der Kriege
- Deutsche Welle - Clara Zetkin: Gründerin des Internationalen Frauentags
- Statistisches Bundesamt - Migration und Integration
- BAMF - Integrationskursstatistiken
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