Arabische Gründer erobern Berlins Startups
In einer Stadt mit über 3.500 Startups gründen arabische Unternehmer ihre eigenen Firmen in Berlin. Von der Gewerbeanmeldung bis zur Finanzierung ähneln sich ihre Geschichten in den Herausforderungen, unterscheiden sich aber in den Details.
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Berlinuna / AI Generated
In einem Coworking-Space in Kreuzberg sitzt Nabil vor zwei Bildschirmen und prüft die Zahlen seiner neuen App. Vor acht Jahren kam er aus Damaskus nach Berlin — mit einem Koffer und kaum einem Wort Deutsch. Heute leitet er ein Tech-Unternehmen mit neun Mitarbeitern.
Seine Geschichte ist kein Einzelfall. Berlin — Europas Startup-Hauptstadt — verzeichnet eine wachsende Zahl arabischer Gründer, die ihre Firmen in den Bereichen Fintech, digitale Gesundheit und Edtech aufbauen. Aber der Weg von der Idee zum eingetragenen Unternehmen in Deutschland ist alles andere als einfach.
Laut startupdetector werden über 23.000 Startups in Deutschland erfasst, wobei Berlin mit rund 3.500 Unternehmen an der Spitze liegt. Laut Statistischem Bundesamt ist der Anteil von Gründern mit Migrationshintergrund in den letzten fünf Jahren deutlich gestiegen.
Der Start bei null
Sarah, eine Softwareingenieurin aus Beirut, kam 2019 nach Berlin und erzählte, wie sie ihr Edtech-Unternehmen gründete. "Ich habe bei einem großen Konzern gearbeitet, aber irgendwann wusste ich: Ich kann etwas Besseres für unsere Community bauen." Der erste Schritt sei der schwierigste gewesen — die Gewerbeanmeldung beim örtlichen Bürgeramt.
Das größte Problem? Die Sprache. Die Formulare sind ausschließlich auf Deutsch, und die Sachbearbeiter (meistens jedenfalls) sprechen kein Englisch. Aber Sarah fand eine praktische Lösung: Ein Dolmetscher aus der arabischen Gemeinde begleitete sie zum Termin, der dann nur 20 Minuten dauerte.
Nabil betonte, dass die Wahl der Rechtsform entscheidend war. Eine UG (haftungsbeschränkt) mit einem Stammkapital ab einem Euro — oder eine GmbH, die mindestens 25.000 Euro erfordert? In seinem Fall begann er mit einer UG, weil seine Ersparnisse begrenzt waren. Eine Entscheidung, die viele arabische Gründer (besonders Geflüchtete) in der Anfangsphase treffen.
Von der Idee zur Finanzierung
Die IHK Berlin wies darauf hin, dass ausländische Gründer zusätzliche Hürden bei der Finanzierung überwinden müssen. Fehlende SCHUFA-Einträge und ein dünneres Netzwerk zu lokalen Investoren zählen zu den größten Hindernissen. Hier werden Inkubatoren und Acceleratoren besonders wichtig.
Nabil berichtete, dass er sich dreimal bei einem Accelerator-Programm bewarb, bevor er angenommen wurde. "Absagen gehören hier zum Geschäft. Aber jede Absage hat mich gezwungen, meinen Businessplan zu verbessern." Nach seiner Aufnahme erhielt er eine Anschubfinanzierung von 50.000 Euro aus einem staatlichen Programm — ein Betrag, der den Kurs seines Unternehmens veränderte.
Sarah erklärte, dass das Fachkräfteeinwanderungsgesetz von 2020 die Verfahren für Gründer aus Nicht-EU-Ländern vereinfacht habe. Das Gründervisum biete eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre — vorausgesetzt, man legt einen klaren Businessplan vor und weist die Fähigkeit zur Eigenfinanzierung nach.
Ratschläge aus der Praxis
Was raten diese Gründer denjenigen, die den gleichen Schritt wagen wollen? Nabil fügte hinzu, dass Deutsch lernen unverzichtbar sei — nicht nur für Behördengänge, sondern um den lokalen Markt zu verstehen. "Deine deutschen Kunden wollen in ihrer Sprache kommunizieren. Daran führt kein Weg vorbei."
Sarah warnte vor einem häufigen Fehler: das private Konto nicht vom Geschäftskonto zu trennen. "Das Finanzamt versteht da keinen Spaß." Und sie empfahl, von Anfang an einen Steuerberater einzuschalten — auch wenn das Geld kostet, spare man sich damit endlose Probleme.
Beide sind sich einig: Berlin bleibt die beste Stadt zum Gründen. Die Lebenshaltungskosten (trotz des jüngsten Anstiegs) liegen immer noch unter London oder Paris, und das Startup-Ökosystem ist vielseitig und offen für andere Kulturen. Und die große arabische Gemeinschaft in Vierteln wie Neukölln und Kreuzberg bietet ein natürliches Netzwerk.
"Der größte Vorteil an Berlin ist, dass die Stadt dich nicht danach beurteilt, woher du kommst" — so fasste Nabil seine Erfahrung zusammen, während er lächelnd auf seinen Bildschirm blickte. Sein Unternehmen bereitet sich auf eine zweite Finanzierungsrunde vor. Sarah stellt neue Entwickler ein. Und die Idee, die einmal in einem Café in Kreuzberg begann, hat inzwischen richtige Büros.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen / المصادر
- startupdetector — Startup-Datenbank Deutschland
- Destatis — Migration und Integration
- IHK Berlin — Service und Beratung
- Make it in Germany — Fachkräfteeinwanderungsgesetz
- DW Arabisch — Deutsche Startups
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