Bundesliga mit arabischen Augen
In den Cafés der Sonnenallee und den Kneipen Neuköllns wird jeden Samstag die Bundesliga auf Arabisch gefeiert. Vom arabischen DAZN-Kommentar bis zu arabischstämmigen Spielern, die in deutschen Stadien glänzen — Fußball wird zur echten Brücke zwischen den Kulturen. Wie die Bundesliga Teil der arabischen Identität in Deutschland geworden ist.
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Berlinuna / AI Generated
Samstagabend in einem Café an der Sonnenallee in Berlin-Neukölln. Auf dem großen Bildschirm läuft das Bayern-Spiel, arabischer Kommentar dröhnt durch den Raum. Zwanzig Männer und Frauen verfolgen das Geschehen, manche in roten Trikots, andere mit gelben BVB-Schals. Bei Harry Kanes Tor wird auf Arabisch gejubelt, danach kehrt man zum Pfefferminztee zurück.
Diese Szene wiederholt sich jede Woche in Dutzenden arabischen Cafés quer durch Deutschland. Und das ist kein Zufall. Die Bundesliga ist längst nicht mehr nur eine deutsche Angelegenheit — sie ist Teil des Alltags Hunderttausender Araber geworden, die hier leben.
Am 22. Spieltag der laufenden Saison 2025/26 (gespielt am 14. Februar) feierten Bayern München, Leverkusen, Frankfurt und Dortmund deutliche Siege. Aber es geht hier nicht nur um Ergebnisse — sondern darum, wie Araber in Deutschland diese Momente erleben.
Arabischer Kommentar: vertraute Stimme in der Fremde
Die Streaming-Plattform DAZN hat die Spielregeln verändert. Seitdem arabischer Kommentar für Bundesliga-Spiele angeboten wird, kann der arabische Fan in Deutschland ein begeistertes "Allah, Allah!" nach einem Traumtor hören — statt nur deutschem Kommentar, den Neuankömmlinge kaum verstehen. Das klingt nach einem Detail. Ist es aber nicht. Es ist ein Stück Zugehörigkeit.
Khaled, ein syrischer Fan, der seit 2016 in Berlin-Neukölln lebt, bringt es auf den Punkt: "Wenn ich den arabischen Kommentator höre, während ich in einem Café an der Sonnenallee sitze, vergesse ich für einen Moment, dass ich weit weg von Aleppo bin. Die Bundesliga ist unsere Bundesliga geworden."
Die arabischsprachige Berichterstattung der Deutschen Welle zur Bundesliga verzeichnet wöchentlich Millionen Aufrufe. Aber reicht Kommentar allein, um eine echte Verbindung herzustellen?
Arabische Spieler auf dem Platz
Es geht um mehr als Zuschauen. Spieler mit arabischen Wurzeln prägen das Geschehen auf deutschen Plätzen. Omar Marmoush — der bei Eintracht Frankfurt zum Star aufstieg, bevor er Anfang 2025 zu Manchester City wechselte — bewies, dass arabische Spieler auf höchstem europäischen Niveau mithalten können. 15 Tore und 10 Vorlagen in nur einer halben Saison bei Frankfurt. Zahlen, die beeindruckten.
Bei Bayer Leverkusen (dem Meister der Vorsaison) zeigt der marokkanischstämmige Amine Adli weiterhin gute Leistungen. Und in den Kadern anderer Vereine finden sich Spieler tunesischer, ägyptischer und algerischer Herkunft, die sich Schritt für Schritt etablieren.
Laut dem Fachmagazin Kicker liegt der Anteil von Spielern mit Migrationshintergrund (einschließlich arabischem) bei mehreren Bundesliga-Vereinen über 50 Prozent. Eine bemerkenswerte Zahl. Sie zeigt, wie die Liga die sich wandelnde Demografie Deutschlands widerspiegelt.
Das Café als Ersatzstadion
In Städten wie Berlin, Dortmund und München verwandeln sich arabische Cafés jedes Wochenende in kleine Stadien. Die Atmosphäre? Laut. Die Diskussionen hitzig (besonders zwischen Bayern- und BVB-Fans), und zwischen den Halbzeiten wird Shisha geraucht. Das ist keine bloße Sportübertragung — es ist ein komplettes soziales Ritual.
Sarah, eine irakische Studentin an der Freien Universität Berlin, wies auf einen unerwarteten Aspekt hin: "Ich habe angefangen, die Bundesliga zu schauen, um meine deutschen Kommilitonen zu verstehen. Jetzt kenne ich die Dortmunder Aufstellung besser als manche von ihnen!" Sie fügte lachend hinzu: "Mittlerweile erkläre ich ihnen die Abwehrprobleme."
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leben über 1,5 Millionen Menschen arabischer Herkunft in Deutschland. Viele von ihnen (insbesondere junge Leute) finden im Fußball eine gemeinsame Sprache, die kein B2-Zertifikat verlangt.
Mehr als nur ein Spiel
Integration ist ein schweres Wort. Es wird in Behörden und Politikerreden so oft benutzt, dass es manchmal seine Bedeutung verliert. Aber im Stadion — oder vor dem Bildschirm — passiert echte Integration ohne Reden und ohne Formulare. Wenn ein syrischer Fan mit seinem deutschen Nachbarn ein Tor des gemeinsamen Vereins feiert, fragt niemand nach dem Aufenthaltstitel.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) betonte bei mehreren Gelegenheiten, dass kulturelle Vielfalt den deutschen Fußball bereichert. Programme wie "Fußball für Vielfalt" zielen darauf ab, Migranten-Communities über den Sport einzubinden. Allein in Berlin gibt es über 400 registrierte Fußballvereine — einige davon wurden von syrischen und irakischen Geflüchteten seit 2015 gegründet.
Zurück ins Café an der Sonnenallee. Das Spiel ist vorbei. Bayern hat gewonnen. BVB-Fans meckern, und die Diskussion gleitet von Taktik zu Politik und dann zu den Mietpreisen. Ganz normales Leben — auf Arabisch und auf Deutsch. Und vielleicht ist genau das das schönste Tor der Bundesliga: dass sie den Fremden für neunzig Minuten das Gefühl gibt, zu Hause zu sein.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- DW Arabisch — Spieltag 22 der Bundesliga
- Statistisches Bundesamt — Migration und Integration
- Kicker — Bundesliga: Nachrichten und Statistiken
- DFB — Vielfalt im deutschen Fußball
- Bundesliga.com — Tabelle 2025/26
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