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Arabische Küche erobert Berlins Kieze

Entlang der Sonnenallee in Neukölln duftet es nach Schawarma und Kunafa.

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Arabische Küche erobert Berlins Kieze

Bildquelle: Berlinuna / AI Generated · Berlinuna Original

Redaktioneller BelegVon der Berlinuna Redaktion3 offizielle LinksAktualisiert 14. Februar 2026Methodik
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18 Uhr auf der Sonnenallee in Berlin-Neukölln. Der Bürgersteig ist voll, Grillrauch mischt sich mit Kardamomduft. Vor dem Restaurant Azzam stehen Deutsche, Araber und Touristen Schlange. Dieses Bild gab es vor zehn Jahren noch nicht.

Aber Berlin hat sich verändert. Und mit der Stadt der Geschmack ihrer Bewohner.

Seit 2015 erlebt die Hauptstadt eine stille Revolution in der Gastronomie. Mehr als 3.000 arabische Restaurants und Imbisse sind heute in Berlin registriert, so die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK). Das ist dreimal so viel wie noch vor acht Jahren. Wichtiger als die Zahlen? Die Geschichten dahinter.

Vom Falafel-Stand zu drei Filialen

Abu Khaled (Name geändert) kam 2014 aus Aleppo nach Berlin. In Syrien hatte er im Familienrestaurant gekocht. In Deutschland begann er mit einem kleinen Falafel-Stand auf einem Wochenmarkt in Kreuzberg. Vier Euro pro Sandwich.

Die Anfänge waren hart, erzählte er. "Die ersten drei Monate habe ich 20 Sandwiches am Tag verkauft. Das reichte kaum für die Miete." Aber die deutschen Kunden kamen wieder. Dann folgten positive Google-Bewertungen. 2017 unterschrieb er seinen ersten richtigen Mietvertrag.

Heute betreibt er drei Filialen (in Neukölln, Kreuzberg und Wedding) und beschäftigt 14 Mitarbeiter - die meisten syrische und irakische Geflüchtete. Die größte Hürde sei nicht das Kochen gewesen, erklärte er, sondern die deutsche Bürokratie. "Ich habe Wörter gelernt, die ich mir nie hätte vorstellen können: Gewerbeanmeldung, Gesundheitszeugnis, Hygieneschulung."

Damaszener Süßes für deutsche Gaumen

Nur wenige Meter vom Hermannplatz entfernt bietet die Konditorei Damaskus Baklava, Kunafa und Maamoul nach syrischen Originalrezepten an. Der Laden, der 2015 eröffnete, ist mittlerweile ein Ziel für Süßwarenliebhaber aus der ganzen Stadt.

Und es geht weit über Süßigkeiten hinaus. Deutsche Medienberichte weisen darauf hin, dass die arabische Küche (besonders die syrische) nach der türkischen bereits die zweitbeliebteste ausländische Küche in Berlin ist. Für alle, die hier leben, kommt das kaum überraschend.

Zahlen, die für sich sprechen

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) leben rund 1,2 Millionen Menschen syrischer, irakischer, libanesischer und palästinensischer Herkunft in Deutschland. Allein in Berlin sind es über 150.000 Menschen mit arabischem Hintergrund. Viele von ihnen (insbesondere die nach 2015 Gekommenen) fanden in der Gastronomie ihren ersten Zugang zum Arbeitsmarkt.

Die IHK bestätigte, dass das Gastgewerbe rund 18 Prozent aller Gewerbeanmeldungen von Gründern mit Migrationsgeschichte in Berlin ausmacht. Tendenz steigend.

Aber ist der Erfolg garantiert? Natürlich nicht. Wirtschaftsexperten warnen, dass 40 Prozent der neuen Restaurants in Berlin innerhalb der ersten drei Jahre schließen - unabhängig von der Herkunft der Betreiber. Der Wettbewerb ist hart, die Mieten steigen, und die Energiekosten seit 2022 setzen zusätzlich unter Druck.

Valentinstag mit arabischem Flair

Passend zum Valentinstag heute (14. Februar) bieten mehrere arabische Restaurants in Berlin Sondermenüs an. Ein romantisches Dinner mit Rosen, vollständiger libanesischer Mezze und Hauptgang - für 35 bis 55 Euro pro Person. Die meisten Reservierungen sind seit Tagen ausgebucht.

Umm Youssef, Inhaberin eines kleinen Restaurants an der Karl-Marx-Straße (Name geändert), betonte: "Der Valentinstag ist für uns wichtiger geworden als Silvester. Die deutschen Gäste lieben arabisches Essen bei besonderen Anlässen - sie finden es besonders und anders."

Mehr als nur Essen

Was arabische Unternehmer in Berlin aufbauen, geht weit über Gastronomie hinaus. Ihre Restaurants sind Treffpunkte geworden - Orte, an denen die arabische Gemeinschaft zusammenkommt und Deutsche eine neue Kultur durch Geschmack und Geruch kennenlernen. Das Ergebnis? Die Sonnenallee, einst als Problemstraße verschrien, ist heute ein touristisches Ziel.

Abu Khaled warnte vor Vereinfachung: "Viele denken, ein arabisches Restaurant in Berlin zu eröffnen sei einfach. Ist es nicht. Man braucht Kapital, Geduld und Kenntnisse der deutschen Gesetze - und vor allem richtig gutes Essen. Die Deutschen können inzwischen gute von schlechter Falafel unterscheiden."

Auf die Frage nach der Zukunft lächelte er und fügte hinzu: "Ich denke über eine vierte Filiale nach. Vielleicht in Charlottenburg diesmal. Warum nicht? Falafel kennt keine Grenzen."

Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Quellen

  1. IHK Berlin - Konjunktur und Statistik
  2. Destatis - Migration und Integration
  3. Berlin.de - Essen und Trinken in Berlin
  4. Berlin.de - Restaurant Azzam
  5. Berlin.de - Konditorei Damaskus

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