Gemeinschaft

Auswanderungszahlen messen keinen Erfolg

Ein Bericht über Deutsche im Ausland kann Lust auf einen Umzug machen.

Teilen

Bildquelle: Bärbel Miemietz · CC BY-SA 4.0

Redaktioneller BelegGeprüft2 QuellenlinksAktualisiert 1. November 2026Methodik
Quellenbeleg

Wer seine Wohnung aufgibt und einen Umzug ins Ausland bezahlt, braucht mehr als eine hohe Fortzugszahl. Sie zeigt weder, wie lange Menschen dort bleiben, noch ob ihre Pläne aufgehen. Gerade wenn eine Auswanderungsgeschichte zur eigenen Lebensplanung passt, lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf ihre statistische Grundlage.

Die Monatstabelle des Statistischen Bundesamtes (Destatis) erfasst Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland, getrennt nach Staatsangehörigkeit. Für deutsche Staatsangehörige ergibt die Addition der zwölf Monatszeilen von 2025 insgesamt 295.191 Fortzüge und 191.742 Zuzüge. Der Saldo beträgt minus 103.449. Das ist eine eigene Addition der veröffentlichten Monatswerte, kein separat ausgewiesenes Jahresergebnis.

Diese Angaben sind vorläufig. Der Tabellenstand lautet 28. Oktober 2026; das hier betrachtete Berichtsjahr bleibt 2025. Laut Fußnoten können Geheimhaltungsverfahren zu Abweichungen in den Summen führen. Enthalten sind außerdem Angaben mit unbekanntem Auslandsstaat, unklarer Herkunft oder unklarem Ziel sowie fehlenden Angaben dazu.

Der arabischsprachige Bericht von DW nennt für 2025 dagegen rund 289.000 Fortzüge und einen negativen Saldo von etwa 97.000. Diese beiden Werte weichen von der Summe der Monatszeilen ab. Die Angaben beider Quellen erklären den Unterschied nicht. Der Vergleich beruht auf den vorläufigen Monatswerten von Destatis.

Bei den Zielen nennt DW unter anderem Österreich und die Schweiz, beschreibt Spanien als Ziel für den Ruhestand und geht auf Dubai und Abu Dhabi ein. Bürokratie und Steuern störten manche Auswanderungswillige, andere suchten wärmeres Wetter, so der Bericht. Die genannten Motive lassen sich nicht auf alle Fortziehenden übertragen.

DW verweist auch auf die Fernsehsendung Goodbye Deutschland und auf Vorhaben, die scheitern. Als Gründe beschreibt der Bericht etwa mangelnde Sprachkenntnisse oder schlechte Vorbereitung. Solche Erfahrungen können Fragen für die eigene Planung liefern. Sie sagen jedoch nicht, wie häufig ein Umzug gelingt oder welches Motiv die Gesamtheit der Fortziehenden hat.

Auch die amtliche Bilanz beantwortet diese Fragen nicht. Der Saldo ist die Differenz aus Zuzügen und Fortzügen, keine Erfolgsquote. Zuzüge deutscher Staatsangehöriger lassen sich zudem nicht pauschal als Rückkehr derjenigen lesen, die im selben Jahr gegangen sind. Die Tabelle verknüpft keine individuellen Lebensläufe. Aus den Summen lässt sich deshalb weder eine Rückkehrquote für die Fortgezogenen von 2025 noch ihre Aufenthaltsdauer im Ausland berechnen.

Für Deutsche mit arabischer Familiengeschichte kommt eine weitere Grenze hinzu: Die Spalte Germans unterscheidet nach Staatsangehörigkeit. Sie weist weder arabische Herkunft noch den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung gesondert aus. Auch Alter und Qualifikation werden in dieser Übersicht nicht aufgeschlüsselt. Sie belegt daher für sich genommen weder besondere Erfahrungen dieser Gruppen noch eine überwiegend junge oder hoch qualifizierte Zusammensetzung der Fortziehenden.

Vor dem nächsten Zahlenvergleich hilft ein konkreter Schritt: In der Destatis-Tabelle das Berichtsjahr, die Staatsangehörigkeitsgruppe und den Bezug auf Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland festhalten. Fortzüge, Zuzüge und Saldo gehören zusammen auf den Zettel, ebenso Aktualisierungsdatum und vorläufiger Status. Wird von Rückkehr gesprochen, sollte die Quelle tatsächlich dieselben Personen verfolgen. Erst danach folgt die persönliche Rechnung mit Arbeitsplatz, Wohnung und Umzugskosten. Eine Fortzugszahl ersetzt sie nicht.

Das Wichtigste aus Deutschland, jeden Morgen im Postfach

Jeden Morgen auf Arabisch: vier ausgewählte Nachrichten für Ihren Alltag in Deutschland und das Wort des Tages, sonntags zusätzlich ein Wochenüberblick. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Teilen

Weiter von hier

Passende Lektüre, ein praktischer nächster Schritt oder das Spiel des Tages.

  1. 01

    "Ramadan 2026 fällt auf Februar – nur 11 Stunden Fasten" - Ihr kompletter Ramadan-Guide für Berlin: Zeiten, Moscheen und Beruf

    Ramadan 2026 beginnt Ende Februar oder Anfang März – das bedeutet deutlich kürzere Fastentage als in den letzten Jahren. Hier ist alles, was Sie zur Vorbereitung wissen müssen: Gebetszeiten, Ihre Arbeitsrechte, Iftar-Orte und wie Sie Ramadan Ihren deutschen Kollegen erklären.

    Gemeinschaftفريق برليننا
  2. 02

    Halal-Boom: 5 Milliarden Euro in Deutschland

    Der Halal-Lebensmittelmarkt in Deutschland hat die Fünf-Milliarden-Euro-Marke überschritten. Vor dem Ramadan 2026 erweitern große Supermarktketten wie Edeka, Rewe und Lidl ihre Halal-Sortimente. Zahlen und Daten zeigen, wie die Kaufkraft muslimischer Verbraucher den deutschen Einzelhandel verändert und was das für arabische Unternehmer bedeutet.

    Gemeinschaftفريق برليننا

Kommentare

Kommentare werden geladen...