Wer neu in Deutschland ankommt und ein Bankkonto braucht, steht vor einem Problem: Die Sparkasse verlangt einen Termin in drei Wochen, der Berater spricht nur Deutsch, und ohne Schufa-Auskunft geht nichts. Für Zugewanderte, die schnell ein Konto brauchen - für den ersten Gehaltseingang, Bürgergeld oder Kindergeld - sind das unüberwindbare Hürden. Digitale Banken bieten einen Ausweg.
Vorab ein wichtiger Hinweis: Nach dem Zahlungskontengesetz (ZKG §31) hat jede Person mit rechtmäßigem Aufenthalt in Deutschland Anspruch auf ein Basiskonto. Wird man abgewiesen, kann man sich an die BaFin wenden. Doch in der Praxis sind digitale Banken oft der schnellere Weg.
N26: Schnell, kostenlos, aber mit Risiken
Die deutsche Digitalbank N26 bietet ein kostenloses Girokonto mit deutscher IBAN, Mastercard-Debitkarte und einer App auf Englisch. Für die Kontoeröffnung braucht man einen Reisepass oder EU-Ausweis sowie eine Meldebescheinigung. Schufa wird beim Standardkonto nicht geprüft. Nachteil: N26 ist bekannt für plötzliche Kontoschließungen aufgrund interner Compliance-Prüfungen. Wer sich darauf verlässt, sollte ein Zweitkonto haben.
Wise: Am besten für Auslandsüberweisungen
Wise ist kein klassisches Bankkonto, sondern ein Multi-Währungs-Konto mit deutscher IBAN und Visa-Debitkarte. Der entscheidende Vorteil: Auslandsüberweisungen zum echten Wechselkurs mit transparenten Gebühren ab 0,4 Prozent. Eine Überweisung von 500 Euro nach Ägypten kostet bei Wise etwa drei bis vier Euro - bei einer klassischen Bank sind es oft 15 bis 25 Euro. Einschränkung: Nicht alle Arbeitgeber akzeptieren die Wise-IBAN für Gehaltszahlungen.
Vivid Money, C24 und comdirect
Vivid Money bietet ein kostenloses Konto mit deutscher IBAN, Visa-Karte und Cashback-Programm - ohne Schufa-Prüfung. C24 ist eine vollständig deutsche Digitalbank mit kostenlosem Girokonto, Girocard und Mastercard. Die Schufa wird geprüft, aber nicht streng bewertet. Comdirect, eine Tochter der Commerzbank, bietet ein kostenloses Konto ab 700 Euro monatlichem Geldeingang und Zugang zum Filialnetz der Commerzbank in ganz Deutschland.
Revolut und bunq: Europäische Alternativen
Revolut bietet ein kostenloses Konto mit litauischer IBAN - manche Arbeitgeber und Behörden akzeptieren diese nicht für deutsche Gehaltszahlungen. Für Reisen und Währungswechsel ist Revolut jedoch ausgezeichnet. Bunq ist eine niederländische Bank mit deutscher IBAN ab 2,99 Euro monatlich und einem Umweltfokus. Beide Apps sind auf Englisch verfügbar.
Was Sie für die Kontoeröffnung brauchen
Für die meisten Digitalbanken genügen drei Dokumente: gültiger Reisepass, Meldebescheinigung und deutsche Telefonnummer. Einige Banken wie N26 und Wise verlangen zusätzlich die Steuer-ID, die nach der Anmeldung beim Bürgeramt automatisch per Post zugeschickt wird. Die Identitätsprüfung erfolgt per Video-Ident oder über eine Gesichtserkennungs-App - ein Filialbesuch ist nicht nötig.
Eine praktische Empfehlung: Eröffnen Sie zwei Konten - eines für den Alltag und Gehaltseingang (N26 oder Vivid), eines für Auslandsüberweisungen (Wise). So sind Sie abgesichert, falls ein Konto unerwartet geschlossen wird.
Redaktioneller Hinweis
Die Informationen in diesem Artikel sind allgemeiner Natur und stellen keine Rechtsberatung dar. Für eine verbindliche Rechtsberatung wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Rechtsanwalt oder eine Migrationsberatungsstelle.
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