Für ehemalige E.ON-Stromkunden ist nicht jede späte Antwort des Kundenservice gleich ein Erstattungsfall. Entscheidend ist eine engere Frage: Endete der Stromvertrag nach einem Anbieterwechsel, und kam die Schlussrechnung mehr als sechs Wochen zu spät?
Genau dafür haben Verbraucherzentrale und vzbv Anfang Mai 2026 einen Vergleich mit E.ON beschrieben. Er betrifft verspätete Strom-Schlussrechnungen nach dem Wechsel von E.ON zu einem anderen Anbieter. Es geht nicht um jede hohe Energierechnung, nicht um Gasverträge allgemein und nicht um einen automatischen Ausgleich ohne Antrag.
Was gesetzlich gilt
Die Frist selbst kommt nicht aus dem Vergleich. Die Bundesnetzagentur verweist darauf, dass Lieferanten eine Jahresabrechnung spätestens sechs Wochen nach Ende des Abrechnungszeitraums und eine Schlussrechnung spätestens sechs Wochen nach Ende des Lieferverhältnisses bereitstellen müssen. Gesetzliche Grundlage ist § 40c EnWG. Die Behörde stellt zugleich klar: Eine zu späte Abrechnung bedeutet nicht, dass der Energieverbrauch nicht mehr abgerechnet werden darf.
Praktisch heißt das: Erst das Datum des Vertragsendes suchen, dann sechs Wochen zählen. Wer nur das Datum der letzten Mahnung, eines Telefonats oder des Umzugs im Kopf hat, prüft möglicherweise am falschen Punkt.
Welche Beträge genannt werden
Für Verträge, die ab dem 1. Mai 2026 enden, nennt der vzbv eine klare Grundregel aus dem Vergleich: Wer nach einem Anbieterwechsel mehr als sechs Wochen auf die E.ON-Schlussrechnung warten muss, erhält laut dieser Darstellung 15 Euro. Ergibt die Schlussrechnung ein Guthaben von mehr als 500 Euro, steigt der Betrag auf 30 Euro.
Für ältere Fälle zwischen dem 20. März 2024 und dem 30. April 2026 sind die Bedingungen enger. Verbraucherzentrale und vzbv knüpfen sie unter anderem daran, ob es bereits eine Beschwerde oder Beratung gab, welches Guthaben oder welche Nachzahlung die Schlussrechnung ausweist und ob kostenpflichtige Beratung nachgewiesen werden kann. Deshalb ist die oft genannte Obergrenze von 60 Euro kein Normalbetrag, sondern nur eine mögliche Summe in bestimmten Konstellationen.
Was Betroffene jetzt brauchen
Die Erstattung kommt nach Angaben der Verbraucherzentrale nicht automatisch. Betroffene müssen aktiv werden und den vorgesehenen Prüf- oder Antragsweg nutzen. Vorher sollten vier Dinge bereitliegen: das Vertragsende, die alte Kundennummer, der Zählerstand zum Wechsel oder Auszug und vorhandene Schreiben zur fehlenden oder verspäteten Schlussrechnung.
Nach einem vollständig ausgefüllten Formular soll E.ON laut Verbraucherzentrale in der Regel innerhalb von 14 Tagen eine Schlussrechnung erstellen. Ein mögliches Guthaben soll binnen zwei weiterer Wochen ausgezahlt werden. Auch hier gilt: Das ist der beschriebene Ablauf im Vergleich, keine pauschale Garantie für jeden Streit um eine Stromrechnung.
Hohe Rechnung ist ein anderer Prüfweg
Wenn die Schlussrechnung zwar angekommen ist, aber zu hoch wirkt, führt der E.ON-Vergleich allein nicht weiter. Dann geht es um die normale Rechnungsprüfung: stimmt die Kundennummer, passt die Zählernummer, wurden Anfangs- und Endzählerstand korrekt übernommen, und entspricht der Tarif dem Vertrag? Die Bundesnetzagentur empfiehlt, bei deutlichen Abweichungen eine Korrektur zu verlangen.
Der nächste sinnvolle Schritt ist deshalb nüchtern: Vertragsende finden, sechs Wochen zählen, Unterlagen sichern und den Vergleichscheck der Verbraucherzentrale nutzen. Erst danach lässt sich sauber sagen, ob es um den Vergleich, eine Mahnung zur Schlussrechnung oder eine Korrektur der Rechnung geht.
Redaktioneller Hinweis
Die Informationen in diesem Artikel sind allgemeiner Natur und stellen keine Rechtsberatung dar. Für eine verbindliche Rechtsberatung wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Rechtsanwalt oder eine Migrationsberatungsstelle.
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