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Halal-Markt in Deutschland: Zahlen und Chancen

Während große deutsche Unternehmen wie Katjes ihre Halal-Produkte auf Arabisch bewerben, zeigen die Zahlen einen Markt von über 5 Milliarden Euro jährlich allein in Deutschland. Was bedeutet das für arabische Verbraucher und Unternehmer?

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فريق برليننا

Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.

•14. März 2026•4 Min. Lesezeit•189 Aufrufe
Halal-Markt in Deutschland: Zahlen und Chancen
Symbolbild

صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: detait/Pixabay · Pixabay License

4,7 Milliarden Euro. So hoch ist der geschätzte Jahresumsatz des Halal-Lebensmittelmarktes in Deutschland, laut dem State of the Global Islamic Economy Report 2023. Eine Zahl, die überraschen mag. Aber sie spiegelt eine demografische Realität wider, die sich nicht mehr ignorieren lässt.

Mit rund 5,5 Millionen Muslimen in Deutschland — nach Schätzungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) — sind Halal-Produkte längst Teil des täglichen Lebens in den großen Städten. Nicht nur in arabischen und türkischen Lebensmittelgeschäften, sondern auch in den Regalen von REWE, EDEKA und Lidl.

Der jüngste Beleg dafür: Katjes, einer der größten Süßwarenhersteller Deutschlands, hat im Ramadan 2026 eine arabischsprachige Marketingkampagne für seine vegane (und damit halal-konforme) Fruchtgummi-Linie gestartet. Vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen.

Regale eines deutschen Supermarkts mit verschiedenen Lebensmitteln
Symbolbild. Photo by nrd on Unsplash

Die Zahlen erzählen die Geschichte

Das Wachstum des Halal-Marktes in Deutschland kommt nicht von ungefähr. Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen, dass die Bevölkerung mit muslimischem Hintergrund im letzten Jahrzehnt um etwa 30 Prozent gestiegen ist — getrieben durch Fluchtbewegungen seit 2015 und Zuwanderung aus der Türkei und arabischen Ländern. Das bedeutet schlicht: eine wachsende Nachfrage nach Lebensmitteln, die religiösen Standards entsprechen.

Und es geht nicht nur um Muslime. Eine Studie von Salam Gateway aus dem Jahr 2024 ergab, dass rund 15 Prozent der Halal-Käufer in Europa Nicht-Muslime sind — sie wählen diese Produkte aus Gründen der Schlachtqualität oder bestimmter Ernährungspräferenzen. Das verbreitert die Marktbasis erheblich.

Weltweit bezifferte DinarStandard den globalen Halal-Lebensmittelmarkt auf 1,4 Billionen US-Dollar im Jahr 2023, bei einem jährlichen Wachstum zwischen 6 und 8 Prozent. Deutschland liegt europaweit auf Platz eins — vor Frankreich und Großbritannien.

Ramadan: Die Hochsaison

Wer Neukölln während des Ramadans besucht, merkt den Unterschied sofort. Die Geschäfte auf der Sonnenallee verlängern ihre Öffnungszeiten, Restaurants werben mit Iftar-Angeboten für Gruppen. Lokale Händlerverbände bestätigen, dass der Umsatz mit Halal-Lebensmitteln im Fastenmonat um 35 bis 40 Prozent über dem Normalwert liegt.

Hier passt das Timing der Katjes-Kampagne. Wie die Deutsche Welle berichtete, hat das Unternehmen bewusst den Ramadan gewählt — mit speziellen Verpackungen und Social-Media-Werbung auf Arabisch. Ein cleverer Schachzug, der Millionen potenzieller Kunden anspricht, deren Kaufkraft stetig wächst.

Bunte Süßigkeiten in einem Geschäft
Symbolbild. Photo by Denny Müller on Unsplash

Chancen für arabische Unternehmer

Sara (34, libanesischer Herkunft) betreibt einen kleinen Halal-Lieferservice in Berlin-Charlottenburg. Sie hat vor zwei Jahren in ihrer eigenen Küche angefangen. Heute beschäftigt sie drei Mitarbeiter. Die Nachfrage habe sich 2025 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, erzählt sie. "Die Kunden sind nicht nur Araber" — darauf legt sie Wert — "Viele Deutsche bestellen, weil sie das Essen mögen und der Qualität vertrauen."

Sara ist kein Einzelfall. Die IHK Berlin wies darauf hin, dass die Zahl der registrierten Lebensmittel-Kleinunternehmen von Gründern mit Migrationshintergrund zwischen 2023 und 2025 um 18 Prozent gestiegen ist. Der Halal-Sektor macht einen beträchtlichen Anteil dieses Wachstums aus (auch wenn genaue Zahlen fehlen, weil "halal" nicht als eigenständige Kategorie erfasst wird).

Die Herausforderungen bleiben allerdings bestehen. Eine offizielle Halal-Zertifizierung zu erhalten ist in Deutschland nicht einfach. Es gibt keine einheitliche staatliche Stelle dafür — stattdessen mehrere private Organisationen, von denen einige international anerkannt sind und andere weniger glaubwürdig. Das verunsichert Verbraucher und Händler gleichermaßen.

Wie geht es weiter?

Die Zeichen sind deutlich. Der Markt wächst, und die großen Konzerne haben ihn bemerkt. Für die arabische Gemeinschaft in Deutschland bedeutet das: mehr Auswahl in den Regalen und stärkeren Wettbewerb unter den Anbietern. Aber übersetzt sich dieses kommerzielle Interesse in eine echte Anerkennung der Bedürfnisse muslimischer Verbraucher? Oder bleibt es bei saisonalem Marketing, das mit dem Ende des Ramadans wieder verschwindet?

Die Zahlen allein beantworten diese Frage nicht. Die Antwort kommt aus den Supermarktregalen im Januar und Februar — wenn kein Fastenmonat die Kampagnen rechtfertigt.

Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Quellen

  1. DinarStandard - State of the Global Islamic Economy Report 2023
  2. Deutsche Welle - Katjes wirbt auf Arabisch für Halal-Süßigkeiten im Ramadan
  3. BAMF - Statistik zur ausländischen Bevölkerung
  4. Destatis - Migration und Integration
  5. IHK Berlin - Service und Beratung

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