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ifo-Studie: Jungen seltener am Gymnasium

Der neue ifo-Chancenmonitor 2026, veröffentlicht am 28. April mit der Stiftung „Ein Herz für Kinder“, bestätigt einen Befund, den viele Eltern ahnen: Jungen schaffen es seltener…

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ifo-Studie: Jungen seltener am Gymnasium

SymbolbildBildquelle: 3093594 · Pixabay License

Redaktioneller BelegVon der Berlinuna Redaktion1 offizielle LinksAktualisiert 30. April 2026Methodik
Quellenbeleg

Jungen schaffen es in Deutschland seltener aufs Gymnasium als Mädchen. Konkret: 36,9 Prozent gegenüber 43,5 Prozent - eine Lücke von 6,6 Prozentpunkten, die sich bei 16- bis 18-Jährigen auf 9,6 Prozentpunkte ausweitet. Das ist nicht der Eindruck einzelner Lehrer, sondern das zentrale Ergebnis des ifo-Chancenmonitors 2026, den das Münchner Forschungsinstitut am 28. April gemeinsam mit der Stiftung „Ein Herz für Kinder“ veröffentlicht hat. Datenbasis: rund 68.000 Kinder zwischen 10 und 18 Jahren aus dem Mikrozensus 2022.

Viele Eltern lesen solche Befunde zuerst persönlich - als wäre zu wenig Deutsch zuhause oder zu wenig Druck schuld. Die Studie zeigt das Gegenteil: Der Geschlechterunterschied bleibt schichten- und herkunftsübergreifend bestehen, auch in Familien, in denen beide Elternteile Abitur haben. Das Problem ist strukturell, nicht privat.

Drei kostenlose Programme, die Eltern jetzt aktivieren können

Das deutsche Schulsystem hält drei Stützen bereit, die kostenfrei oder fast kostenfrei sind und von vielen Familien nicht genutzt werden - oft, weil sie schlicht unbekannt sind. Wer den Antrag jetzt stellt, kommt vor den Sommerferien noch durch und ist zum Schuljahr 2026/27 versorgt.

Lernförderung über das Bildungs- und Teilhabepaket

Familien, die Bürgergeld, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Sozialhilfe beziehen, haben einen Rechtsanspruch auf bezahlte Nachhilfe für ihre Kinder. Die Leistung läuft über das Bildungs- und Teilhabepaket, der Antrag beim Jobcenter oder Sozialamt - je nach Leistungsbezug. Erforderlich ist eine kurze Bestätigung der Schule, dass das Kind Förderbedarf hat, um die Lernziele zu erreichen. Diese Bestätigung holt man am einfachsten direkt bei der Klassenleitung per E-Mail ein.

Ehrenamtliche Lesepaten von Mentor e.V.

Der Bundesverband Mentor – Die Leselernhelfer vermittelt ehrenamtliche Lesepaten, die einmal pro Woche eine Stunde mit einem Kind lesen - kostenfrei, in der Schule, während des Unterrichts. Der Verband ist in über 100 Städten aktiv. Anmeldung über die Schulleitung oder direkt beim örtlichen Verein. ifo-Forscherin Vera Freundl plädiert ausdrücklich dafür, das Bild zu ändern, dass Lesen Mädchensache sei - und genau diese Programme bieten Jungen männliche Lesevorbilder, die im Familienalltag oft fehlen.

Schulpsychologischer Dienst

Wenn ein Kind die Konzentration verliert, Schulangst entwickelt oder die Noten plötzlich rutschen, ist die Schulpsychologie der richtige Ansprechpartner - kostenfrei, vertraulich, ohne ärztliche Überweisung. In Berlin läuft das über die SIBUZ im jeweiligen Bezirk. In anderen Bundesländern heißt die Anlaufstelle Schulpsychologische Beratungsstelle und steht auf den Seiten der Kultusministerien. Wer Deutsch nicht sicher genug spricht, kann eine Sprachmittlung anfragen.

Die größere Lücke verläuft entlang der Klassengrenzen

Der Chancenmonitor zeigt einen zweiten, deutlich größeren Riss: Kinder aus Familien ohne Abitur und mit einem Haushaltsnettoeinkommen unter 2.750 Euro besuchen nur zu 16,9 Prozent ein Gymnasium. Bei Kindern, deren Eltern beide Abitur haben und die in einem Haushalt mit über 6.000 Euro netto leben, sind es 80,3 Prozent. Dieser Klassenabstand ist um ein Vielfaches größer als die Geschlechterlücke - und er deckt sich exakt mit der Frage, welche Familien Förderprogramme kennen und beantragen.

Was die ifo-Forscher beobachten

Die Forschungsgruppe um Vera Freundl liefert keine einfache Ursachenerklärung. Sie beschreibt das Phänomen - die Lücke wächst mit dem Alter - und empfiehlt strukturelle Antworten: mehr männliche Erzieher in Kitas und Grundschulen sowie ein bewusstes Aufbrechen des Stereotyps, dass Lesen weiblich konnotiert sei. Laut Tagesschau betont Freundl, dass die Lücke zwischen 10 und 18 Jahren faktisch erheblich wächst - jedes Jahr ohne aktive Förderung verschlechtert die statistische Wahrscheinlichkeit, den Gymnasialweg noch einzuschlagen.

Ein Schritt diese Woche

Eltern müssen nicht alle drei Hebel gleichzeitig ziehen. Der pragmatischste Einstieg ist eine kurze E-Mail an die Klassenleitung mit der Bitte um eine BuT-Bestätigung. Mit diesem Dokument lässt sich Lernförderung beantragen, bevor die Sommerpause die Behörden ausbremst. Mentor-Plätze für das nächste Schuljahr werden in vielen Städten vor Juli vergeben. Wer wartet, verliert nicht das Recht auf Förderung - aber den frühesten Termin.

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