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Kita-Krise Berlin: Die Zahlen

In Berlin fehlen Tausende Kita-Plätze. Für arabische Familien ist die Suche doppelt schwer – Sprachbarrieren, Bürokratie und endlose Wartelisten.

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فريق برليننا

Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.

•1. Februar 2026•4 Min. Lesezeit•48 Aufrufe
Kita-Krise Berlin: Die Zahlen

صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: Nathan Dumlao/Unsplash

Fünftausend. So viele Kita-Plätze fehlen in Berlin — mindestens. Die Schätzungen der Senatsverwaltung für Bildung schwanken zwischen 3.000 und 5.000, je nach Berechnungsmethode. Hinter jeder dieser Zahlen steht eine Familie, die morgens improvisiert, Schichten tauscht, Großeltern einspannt oder schlicht zu Hause bleibt.

Nour lebt mit ihren zwei Kindern in Neukölln. Neun Monate hat sie nach einem Kita-Platz für ihre zweijährige Tochter gesucht. Neun Monate E-Mails, Telefonate, persönliche Besuche. Viele Einrichtungen hätten gar nicht geantwortet, erzählte sie. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass mein arabischer Name dafür sorgt, dass meine Bewerbung einfach verschwindet", fügte sie mit spürbarer Frustration hinzu.

Kinder spielen auf einem Spielplatz in Berlin
Symbolbild. Photo by Markus Spiske on Unsplash

Das Gesetz ist eigentlich eindeutig: Jedes Kind hat ab dem ersten Geburtstag einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Doch zwischen Rechtsanspruch und Realität klafft eine Lücke, die sich besonders für Familien mit Migrationsgeschichte bemerkbar macht. Laut dem Statistischen Bundesamt liegt die Betreuungsquote von Kindern mit Migrationshintergrund in Berlin rund 15 Prozentpunkte unter der von Kindern ohne — ein Unterschied, der sich nicht allein mit persönlichen Präferenzen erklären lässt.

Bürokratie auf Deutsch

Wer in Berlin einen Kita-Platz will, braucht zunächst einen Kita-Gutschein vom Jugendamt. Das klingt unkompliziert. In der Praxis bedeutet es: Formulare auf Deutsch ausfüllen, Nachweise einreichen, Termine vereinbaren. Für eine arabische Familie, die erst seit Kurzem in Deutschland lebt (und womöglich noch keinen Integrationskurs abgeschlossen hat), kann allein dieser Schritt Wochen dauern.

Samar, eine syrische Mutter aus Wedding, berichtete, dass sie vom Gutschein-System erst durch eine deutsche Nachbarin erfahren habe. „Niemand hat es mir gesagt. Ich habe es zufällig herausgefunden", schilderte sie. Darf es wirklich vom Zufall abhängen, ob ein Kind sein gesetzlich verbrieftes Recht wahrnehmen kann?

Und die Kosten? Die gute Nachricht (zumindest teilweise): Die Kita-Gebühren in Berlin sind einkommensabhängig und können für Familien mit geringem Einkommen komplett entfallen. Aber viele arabische Familien wissen das nicht. Sie verzögern die Anmeldung, weil sie hohe Kosten befürchten — ein Informationsdefizit mit realen Folgen.

Neukölln gegen Pankow

Wohnhaus in Berlin-Neukölln
Symbolbild. Photo by Claudio Schwarz on Unsplash

Die Wartezeiten unterscheiden sich erheblich zwischen den Bezirken. In Neukölln — wo ein großer Teil der arabischen Community lebt — beträgt die durchschnittliche Wartezeit sechs Monate oder mehr. In Pankow sind es etwa drei. Ein gewaltiger Unterschied. Und es ist kein Zufall, dass die kulturell vielfältigsten Bezirke am stärksten vom Platzmangel betroffen sind.

Die Senatsverwaltung hat den Kita-Navigator eingeführt — ein Online-Portal, über das Eltern freie Plätze suchen und sich direkt bewerben können. Die Idee ist gut. Das Problem? Die Plattform gibt es nur auf Deutsch. Für eine arabische Mutter mit Sprachniveau A2 gleicht die Navigation einem Hindernislauf ohne Karte.

Zweisprachige Kitas: Wunsch und Wirklichkeit

Berlin hat bilinguale Kitas — Deutsch-Türkisch, Deutsch-Spanisch, sogar Deutsch-Chinesisch. Doch Einrichtungen mit einem Arabisch-Deutschen Programm lassen sich an einer Hand abzählen. Und das, obwohl Arabisch zu den meistgesprochenen Sprachen der Stadt gehört. Das Berliner Kita-Institut für Qualitätsentwicklung (BeKi) erklärte, der Bedarf an mehrsprachigen Programmen wachse stetig, doch die Finanzierung bleibe ein zentrales Hindernis.

Das Arabische Kulturinstitut in Berlin bestätigte, dass es monatlich Dutzende Anfragen von Familien erhalte, die nach kulturell sensiblen Betreuungsangeboten suchen. „Die Eltern wollen keine rein arabische Kita", betonte ein Mitarbeiter. „Sie wollen einen Ort, an dem ihr Kind sich sicher fühlt — einen Ort, an dem Anderssein kein Makel ist."

Viele dieser Familien sind hochqualifiziert, bringen Berufserfahrung und akademische Abschlüsse mit. Es fehlt ihnen nicht an Verständnis für komplexe Systeme — es fehlt ihnen an Zugang in einer Sprache, die sie verstehen.

Veränderung ist möglich. Aber sie erfordert echten politischen Willen, mehrsprachige Informationsangebote und die Einsicht, dass die Berliner Kita-Krise nicht nur eine Frage der Zahlen ist — sondern eine Frage der Gerechtigkeit.

Hinweis zum Datenschutz: Die Namen der in diesem Bericht genannten Personen wurden zum Schutz ihrer Privatsphäre geändert. Die Geschichten basieren auf Gesprächen mit arabischen Familien in Berlin.

Quellen

  1. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie — Kita-Daten
  2. Statistisches Bundesamt — Migration und Integration
  3. Kita-Navigator Berlin

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