Stellen Sie sich vor: Sie sitzen beim Hausarzt in Berlin. Er fragt, wann Ihre letzte Vorsorgeuntersuchung war. Sie schweigen, weil Sie gar nicht wussten, dass Ihnen kostenlose Checks zustehen. Kein Einzelfall, vor allem unter Zugewanderten. Eine diese Woche von DW berichtete Studie verknüpft den Familienstand mit dem Krebsrisiko. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Die eigentlichen Treiber sind Rauchen und Alkohol, nicht ob jemand verheiratet ist oder nicht.
Die wichtigere Frage: Wann waren Sie zuletzt bei einer Vorsorgeuntersuchung?
Viele gesetzlich Versicherte (besonders Zugewanderte) wissen nicht, dass ihre Krankenkasse kostenlose Krebsvorsorge ab dem 20. Lebensjahr bezahlt. Keine Symptome nötig. Keine Überweisung zum Facharzt. Ein Satz beim Hausarzt genügt: "Ich möchte eine Vorsorgeuntersuchung."

Was steht Ihnen zu, ab welchem Alter?
Der Zeitplan ist klar geregelt, laut Bundesgesundheitsministerium und Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Frauen haben ab 20 Anspruch auf jährliche Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge, ab 30 zusätzlich auf Brustkrebsvorsorge. Männer können ab 45 die Prostatavorsorge nutzen. Ab 35 steht allen eine Hautkrebsvorsorge alle zwei Jahre zu. Die Darmkrebsvorsorge beginnt ab 50 mit jährlichem Stuhltest; ab 55 sind zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren möglich.
Warum das entscheidend ist? Darmkrebs im Frühstadium hat eine Heilungsrate von über 90%. Im Spätstadium sinkt sie auf unter 15%, so das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Der Unterschied ist oft eine einzige Untersuchung, die nie gebucht wurde.
Gesundheits-Check-up: der allgemeine Gratis-Check
Neben der Krebsvorsorge gibt es den Gesundheits-Check-up. Zwischen 18 und 34 steht er einmalig zu, ab 35 alle drei Jahre. Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin. Klingt einfach, kann aber Probleme aufdecken, bevor Symptome auftreten.

Sprachbarriere: Fragen Sie Ihre Kasse
Eine der häufigsten Hürden ist die Sprache. Und das betrifft nicht nur Arabischsprachige. Wer einen Dolmetscher beim Arzttermin braucht, sollte vorher bei der Krankenkasse anfragen: "Übernehmen Sie die Dolmetscherkosten für meinen Vorsorgetermin?" Manche Kassen übernehmen die Kosten auf Anfrage. Ein gesetzlicher Anspruch darauf besteht allerdings nicht. Trotzdem lohnt sich die Frage.
Ein Satz genügt
Der erste Schritt braucht keine Recherche und keine lange Wartezeit. Rufen Sie Ihren Hausarzt an und sagen Sie: "Ich möchte bitte einen Termin für eine Vorsorgeuntersuchung." Für die Basisuntersuchungen brauchen Sie keine Überweisung. Und falls Sie noch keinen Hausarzt haben, finden Sie einen über die Arztsuche der KV Berlin.
Die Studie dieser Woche hat für Aufsehen gesorgt. Aber die eigentliche Nachricht ist viel simpler: Früherkennung rettet Leben, sie kostet nichts, und Sie nutzen sie wahrscheinlich noch nicht.
Quellen
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