Merz bei Trump: Zölle bedrohen Jobs
Bundeskanzler Friedrich Merz trifft heute US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus. Im Mittelpunkt stehen drohende 25-Prozent-Zölle auf europäische Autos. Für die rund 780.000 Beschäftigten der deutschen Automobilindustrie — darunter viele arabischstämmige Fachkräfte — könnte das ernste Folgen haben.
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: Ansgar Scheffold/Unsplash · Unsplash License
Bundeskanzler Friedrich Merz sitzt heute zum dritten Mal Donald Trump im Weißen Haus gegenüber. Das drängendste Thema auf dem Tisch ist diesmal weder Iran noch die Ukraine — sondern drohende Strafzölle, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft treffen könnten.
Trump droht seit Wochen mit 25-Prozent-Zöllen auf europäische Autos. Für Deutschland, das laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2024 Waren im Wert von über 157 Milliarden Euro in die USA exportierte, wäre das ein harter Schlag. Die Vereinigten Staaten sind Deutschlands wichtigster Handelspartner außerhalb der EU.
Aber was bedeutet das konkret für die Tausenden arabischstämmigen Beschäftigten in den Autofabriken und Zulieferbetrieben in Stuttgart, München und Wolfsburg?
780.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel
Die deutsche Automobilindustrie beschäftigt direkt rund 780.000 Menschen, so der Verband der Automobilindustrie (VDA). Rechnet man Zulieferer und Logistikdienstleister hinzu, sind es über zwei Millionen. Viele dieser Arbeitskräfte (besonders in den Produktions- und Montagelinien) haben Migrationshintergrund — darunter Syrer, Iraker und Libanesen, die im vergangenen Jahrzehnt nach Deutschland kamen.
Hussam, ein syrischer Facharbeiter in einem Autozulieferbetrieb bei Stuttgart, verfolgt die Nachrichten mit Sorge. "Jeden Tag hören wir von neuen Entlassungen in der Branche", erzählt er. "Die Zölle würden alles verschlimmern — und wir als neuere Mitarbeiter wären die Ersten, die gehen müssten."
Die Bundesagentur für Arbeit wies darauf hin, dass der Anteil ausländischer Arbeitskräfte im verarbeitenden Gewerbe 2025 auf 18 Prozent gestiegen ist. Gerade der Sektor, der Deutschlands wirtschaftlichen Ruf begründet — Automobil und Maschinenbau — ist zunehmend auf diese Arbeitskräfte angewiesen.
Was will Merz von Trump?
Der Regierungssprecher bestätigte, dass Merz das Zollthema direkt mit Trump ansprechen werde. Indes geht der Kanzler mit einer schwachen Verhandlungsposition in dieses Treffen — Trump weiß, dass Deutschland den US-Markt mehr braucht als umgekehrt.
Wie die Deutsche Welle berichtete, hat Merz eine "dichte Agenda" — neben den Zöllen auch die Ukraine, Iran und die NATO. Die Sorgen in Berlin sind berechtigt: Allein 25-Prozent-Zölle auf Autos könnten die deutsche Wirtschaft laut Ifo-Institut zwischen 7 und 15 Milliarden Euro jährlich kosten.
Folgen für die arabische Community
Die IHK Berlin betonte, dass viele arabischstämmige Unternehmer in exportabhängigen Branchen arbeiten — von Speditionsunternehmen über Logistikdienstleister bis hin zu Kfz-Werkstätten. Ein Rückgang der Industrieproduktion würde auch diese Bereiche treffen.
Und es geht nicht nur um Autos. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte, dass die Zölle auf Stahl, Aluminium und Chemieprodukte ausgeweitet werden könnten — Sektoren, die im Ruhrgebiet und anderen Industrieregionen viele Arbeitskräfte mit Migrationshintergrund beschäftigen.
Das Paradox? Deutschland sucht händeringend Fachkräfte und hat ein neues Einwanderungsgesetz verabschiedet, um qualifizierte Arbeitskräfte anzuwerben. Nun könnte es passieren, dass für genau diese Menschen keine Jobs mehr da sind. Dieser Widerspruch zwischen Anwerbepolitik und Marktlage beunruhigt arabischstämmige Beschäftigte (vor allem jene mit befristeten Arbeitsverträgen) zunehmend.
Nach Washington
Die EU-Kommission erklärte, sie bereite Gegenmaßnahmen vor, falls Washington die Zölle auf europäische Autos tatsächlich verhängt. Doch ein Handelskrieg zwischen den beiden größten westlichen Volkswirtschaften würde alle treffen — von Fabrikarbeitern in Stuttgart bis zu arabischen Geschäftsinhabern auf der Sonnenallee in Berlin-Neukölln.
Merz kehrt morgen nach Berlin zurück. Die Frage, die ihm alle stellen werden — vom Bundestag bis zur Werkbank — ist denkbar einfach: Hat er das Schlimmste abwenden können?
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- Deutsche Welle — Merz-Besuch in Washington: Test für Prinzipien und Interessen
- Statistisches Bundesamt — Arbeitsmarkt und Außenhandelsdaten
- Verband der Automobilindustrie (VDA) — Jahreszahlen
- Bundesagentur für Arbeit — Arbeitsmarkt für Ausländer
- Deutsche Welle — Merz in Washington trotz innenpolitischem Gegenwind
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