Neuer Wehrdienst-Fragebogen: Was arabische Familien über die Musterung ab 2026 wissen müssen
Ab heute erhalten alle jungen Männer in Deutschland zu ihrem 18. Geburtstag einen verpflichtenden Fragebogen zur Wehrdienst-Erfassung. Das neue Gesetz wirft Fragen bei arabischen Familien auf: Betrifft es unsere Söhne? Welche rechtlichen Konsequenzen gibt es? Ein praktischer Leitfaden.
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Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.
Photo by Adam Vradenburg on Unsplash
Die Post kam heute Morgen in die Wohnung der Familie Al-Hassan in Neukölln. Ein offizieller Umschlag vom Bundesverteidigungsministerium, adressiert an Karim, der vor zwei Wochen 18 geworden ist. Seine Mutter Sanaa öffnete ihn mit zitternden Händen.
"Ich dachte, sie würden meinen Sohn zur Bundeswehr einziehen", sagt Sanaa. Sie war nicht allein mit ihrer Sorge.
Seit dem 1. Januar 2026 ist ein neues System in Kraft: Jeder junge Mann, der 18 wird, erhält automatisch einen digitalen Fragebogen von der Bundeswehr, um Bereitschaft und Eignung für den Wehrdienst zu erfassen. Die Beantwortung ist verpflichtend - der Dienst selbst jedoch nicht. Noch nicht.
Wer muss den Fragebogen ausfüllen?
Das ist die erste Frage, die arabische Eltern in den letzten Wochen Anwälten und Beratungsstellen in Berlin gestellt haben.
Laut Bundesverteidigungsministerium ist der Fragebogen verpflichtend für alle männlichen deutschen Staatsangehörigen zum 18. Geburtstag - unabhängig von Herkunft oder zweiter Staatsangehörigkeit. Wenn Ihr Sohn einen deutschen Pass hat und in Deutschland lebt, muss er den Fragebogen ausfüllen.
Frauen können sich freiwillig melden - für sie ist der Fragebogen jedoch nicht verpflichtend.
Was passiert, wenn man den Fragebogen ignoriert?
Das ist keine unverbindliche Umfrage. Nach deutschem Recht kann das Ignorieren des Fragebogens zu einem Bußgeld von bis zu 5.000 Euro führen.
Eine auf Einwanderungsrecht spezialisierte Anwältin, die anonym bleiben möchte, sagt: "Wir haben Fälle gesehen, wo Familien dachten, das sei freiwillig, und dann eine offizielle Mahnung mit Bußgeld bekamen. Die Regierung meint es ernst."
Aber - und das ist wichtig - den Fragebogen auszufüllen bedeutet nicht automatisch eingezogen zu werden. Es ist lediglich eine Datenerfassung.
Ist der Wehrdienst jetzt wieder verpflichtend?
Nein.
Deutschland hat die Wehrpflicht 2011 ausgesetzt. Was jetzt stattfindet, ist ein "Erfassungssystem" - lediglich Datensammlung.
Laut Tagesschau dient der Fragebogen dem Aufbau einer Datenbank geeigneter junger Menschen für den Fall, dass die Regierung später entscheidet, Wehrpflichtige einzuberufen - dies würde jedoch eine Abstimmung im Bundestag erfordern und ist noch nicht geschehen.
Karim Al-Hassan, der den Fragebogen mittlerweile ausgefüllt hat, sagt: "Im Fragebogen wurde ich gefragt, ob ich am freiwilligen Dienst interessiert bin. Ich schrieb 'Nein'. Seitdem hat mich niemand kontaktiert."
Was passiert nach dem Ausfüllen?
Im Fragebogen wird der junge Mann nach Folgendem gefragt:
- Gesundheitszustand (chronische Krankheiten, Behinderungen, Allergien)
- Bildungsstand und berufliche Fähigkeiten
- Interesse am freiwilligen Dienst bei der Bundeswehr
Nach der Einreichung wird nur eine kleine Gruppe (etwa 5.000 junge Menschen pro Jahr von 400.000) zur medizinischen Musterung eingeladen - doch selbst diese Musterung bedeutet keine Zwangsrekrutierung.
Wer zur Musterung eingeladen wird, erhält innerhalb von 3-6 Monaten eine offizielle Einladung per Post. Keine Einladung bedeutet: nicht erforderlich.
Was ist mit doppelter Staatsbürgerschaft?
Diese Frage besorgt viele junge Araber mit zwei Pässen.
Die Regel ist klar: Wenn Sie die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, müssen Sie den Fragebogen ausfüllen - auch wenn Sie zusätzlich einen syrischen, ägyptischen oder irakischen Pass haben. Die zweite Staatsangehörigkeit befreit nicht.
Falls Ihr Herkunftsland jedoch ebenfalls eine Wehrpflicht hat (wie Syrien oder Ägypten), könnten Sie in eine komplexe rechtliche Doppelsituation geraten. Experten raten in diesem Fall zur Konsultation eines spezialisierten Anwalts.
Religiöse und gewissensbezogene Einwände
Das deutsche Recht respektiert Gewissensfreiheit. Wenn Sie religiöse oder ethische Einwände gegen das Tragen von Waffen haben, können Sie einen Antrag auf "Kriegsdienstverweigerung" stellen.
Aber - und das ist wichtig - selbst wenn Sie später einberufen werden (was ungewiss ist), können Sie den zivilen Ersatzdienst (Zivildienst) statt des Militärdienstes wählen. Der Zivildienst umfasst Arbeit in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder humanitären Organisationen.
Praktischer Rat für arabische Familien
Nach Gesprächen mit 7 arabischen Familien in Berlin und Rechtsberatern hier die Zusammenfassung:
- Ignorieren Sie den Fragebogen nicht - das Bußgeld ist real.
- Füllen Sie ihn ehrlich aus - wenn Sie gesundheitliche Probleme haben, geben Sie diese an. Niemand wird Sie zum Dienst zwingen, wenn Sie gesundheitlich ungeeignet sind.
- Verstehen Sie: Fragebogen ausfüllen ≠ Einberufung - dies ist nur Datenerfassung.
- Bei besonderen Bedenken (doppelte Staatsbürgerschaft, religiöse Einwände) konsultieren Sie eine Beratungsstelle wie die Diakonie oder einen spezialisierten Anwalt.
- Besprechen Sie es ruhig mit Ihrem Sohn - kein Grund zur Panik. Das aktuelle System ist nur erfassend, keine Zwangsrekrutierung.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
المصادر / Quellen
- Tagesschau - FAQ zum neuen Wehrdienst: Was passiert bei einer Musterung?
- Bundeswehr - Offizielle Informationen zum Wehrdienst
- Bundesministerium der Verteidigung - Wehrpflicht-Regelungen
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