Ramadan-TV 2026: Was Berlins Araber schauen
Von "Sahab Al-Ard", das Israel erzürnte, bis zur Shahid-Spitzenreiterin "Al-Sit Mona Lisa" — Berlins arabische Community verfolgt das Ramadan-TV-Programm 2026 über Streaming und Satellit. Wie die Diaspora gemeinsam schaut und was die Generationen trennt.
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Zwanzig Uhr in einer Wohnung in Neukoelln. Auf dem Tisch die Reste eines schnellen Iftars — Linsensuppe, Datteln, Qamar-al-Din-Saft. Aber niemand schaut auf das Essen. Auf dem Bildschirm laeuft die neue Folge von "Sahab Al-Ard". Das Wohnzimmer ist still.
Diese Szene wiederholt sich jeden Abend im Ramadan 2026 in tausenden Wohnungen quer durch Deutschland. Arabisches Fernsehen ist fuer die Diaspora weit mehr als Unterhaltung. Es ist ein Faden zur Heimat.
Und die diesjaehrige Saison ist aussergewoehnlich. Ueber 30 arabische Serien konkurrieren um die Zuschauer im Ramadan, wie Al Jazeera in seiner Berichterstattung zur Dramasaison berichtet. Das Publikum in der Diaspora — insbesondere in Deutschland, wo laut Destatis ueber eine Million Menschen mit arabischem Migrationshintergrund leben — verfolgt die Serien mit derselben Begeisterung wie Zuschauer in Kairo, Beirut oder Amman.
"Sahab Al-Ard" sorgt fuer Aufruhr
Die aegyptische Serie "Sahab Al-Ard" (Die Besitzer des Landes) ist das Gespraechsthema der Saison. Sie erzaehlt die Geschichte einer aegyptischen Aerztin, die mit Hilfskonvois in den Gazastreifen gelangt und dort einen Palaestinenser trifft, der seine Familie inmitten des Krieges zu retten versucht. Die von Peter Mimi inszenierte und von Eyad Nassar gespielte Serie hat laut Al Jazeera die hoechsten Einschaltquoten seit Ramadan-Beginn erreicht. Die Sprecherin der israelischen Armee griff die Serie oeffentlich an.
Hauptdarsteller Eyad Nassar entgegnete: "Wir haben Sahab Al-Ard nicht selbst geschaffen. Die Besatzung hat es in Gaza mit ihrer Unmenschlichkeit geschaffen." In Neukoelln, Kreuzberg und Wedding wird die Serie zum Gemeinschaftserlebnis — taeglich nach dem Iftar, taeglich mit Diskussion danach.
Mona Lisa und Al-Ghameeda: Die andere Debatte
Aber Ramadan-TV ist nicht nur Politik. Auf der Streaming-Plattform Shahid fuehrt "Al-Sit Mona Lisa" die Zuschauerzahlen in Aegypten, Irak, Jemen, Libyen und Tunesien an. Die 15-teilige Serie mit Mai Omar und Sosan Badr behandelt eine gescheiterte Ehe mit ungewohnter Direktheit — auch wenn die Kritiker ueber die Qualitaet des Drehbuchs streiten.
Unterdessen berichtete Al Jazeera, die kuwaitische Serie "Al-Ghameeda" habe eine Welle der Nostalgie ausgeloest. Das Drama spielt in den Siebzigerjahren und spaltet das Publikum seit der ersten Folge.
Aus Jordanien kommen ebenfalls bemerkenswerte Produktionen. Die Comedyserie "Watan ala Watar" kehrt mit einer neuen Staffel zurueck — seit ihrem Start 2009 eine Institution. Und das syrische Drama "Al-Qaysar" sorgt fuer heftige Debatten ueber die Darstellung realer Figuren aus der syrischen Revolution.
Wie die arabische Community in Deutschland schaut
Die Satellitenschuessel bleibt die erste Wahl vieler arabischer Familien. MBC Masr und MBC1 sind kostenlos ueber Astra 19.2E empfangbar — denselben Satelliten, der auch deutsche Sender uebertraegt. Die juengere Generation bevorzugt dagegen Streaming. Ein Shahid-VIP-Abo kostet ab 10 Euro im Monat in Deutschland und bietet die meisten MBC-Serien in HD und werbefrei.
Manche nutzen VPN-Dienste, um auf Plattformen wie OSN+ oder die aegyptische Watch-it-App zuzugreifen, die in Deutschland offiziell nicht verfuegbar sind. Rechtlich gesehen? Eine Grauzone, die kaum jemand hinterfragt. Und Netflix hat seine arabische Bibliothek in den letzten Jahren deutlich ausgebaut — mit Ramadan-Inhalten, die Europa und den Nahen Osten gleichermassen ansprechen sollen.
Der Generationengraben vor dem Bildschirm
Sara (22, Studentin in Berlin, syrische Wurzeln) beschreibt es so: Ihre Eltern schauen die syrischen Serien live nach dem Iftar. Sie selbst sieht sich am naechsten Tag Zusammenschnitte auf TikTok und Instagram an und entscheidet dann, was sich lohnt. Ihre Mutter findet das "unvollstaendig". Sara nennt es "effizient".
Diese Kluft ist nicht neu, aber sie waechst. Die Elterngeneration sucht in den Serien die Stimme der Heimat — den vertrauten Dialekt, die Kueche, die wie die eigene aussieht. Die Kindergeneration (in Deutschland geboren oder jung angekommen) behandelt arabische Inhalte als eine Option unter vielen. Aber der Ramadan bleibt die Ausnahme. In diesem Monat sitzt man zusammen.
Zurueck zum gemeinsamen Bildschirm
In jener Wohnung in Neukoelln endet die Folge. Die Diskussion beginnt. Der Vater vergleicht "Sahab Al-Ard" mit alten Kriegsserien. Die Mutter wischt sich still die Traenen ab. Die Tochter oeffnet ihr Handy und liest die Reaktionen auf Twitter.
Drei Generationen, drei Arten zu schauen. Aber ein Bildschirm, der sie vereint — zumindest fuer eine Stunde jeden Abend.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- Al Jazeera - Aegyptische Serie beunruhigt die israelische Armee (Februar 2026)
- Al Jazeera - Al-Sit Mona Lisa fuehrt die Zuschauerzahlen an (Februar 2026)
- Al Jazeera - Kuwaitische Serie Al-Ghameeda spaltet Publikum (Februar 2026)
- Al Jazeera - Jordanisches Drama im Ramadan 2026 (Februar 2026)
- Destatis - Migration und Integration Statistiken
- Shahid MBC - Streaming-Plattform
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