
Bildquelle: Bärbel Miemietz · CC BY-SA 4.0
Reallohnplus: Nicht jeder spürt es
Die Schlagzeile klingt eindeutig: 1,5 Prozent mehr Kaufkraft. Auf der eigenen Abrechnung kann das ganz anders aussehen. Denn hinter dem Durchschnitt liegen große Unterschiede zwischen Branchen, Beschäftigungsarten und Einkommensgruppen. Wer wissen will, ob der persönliche Lohn Schritt gehalten hat, sollte nicht nur eine Zahl lesen, sondern dieselben Monate und dieselben Bruttobestandteile miteinander vergleichen.
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1,5 Prozent mehr Reallohn meldet die amtliche Statistik für das zweite Quartal 2026. Das ist eine gute Nachricht, aber kein Beleg dafür, dass jede einzelne Gehaltsabrechnung an Kaufkraft gewonnen hat. Schon die Detailzahlen zeigen, wie weit Branchen und Verdienstgruppen auseinanderliegen.
Was Destatis tatsächlich misst
Nach der am 27. August veröffentlichten Mitteilung des Statistischen Bundesamtes stiegen die Nominallöhne gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,1 Prozent. Die Verbraucherpreise legten im selben Zeitraum um 2,5 Prozent zu. Daraus ergibt sich der Reallohnzuwachs von 1,5 Prozent.
In den Index fließen Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen ein. Die methodischen Erläuterungen und Zeitreihen beschreiben eine gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Persönliche Steuern, Miete oder der individuelle Warenkorb werden damit nicht abgebildet.
Große Spanne zwischen den Branchen
Am stärksten wuchsen die nominalen Verdienste in Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei mit 8,9 Prozent. In der Energieversorgung waren es 7,6 Prozent, bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen 7,5 Prozent. Deutlich schwächer war die Entwicklung in Erziehung und Unterricht mit 2,4 Prozent sowie bei freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen mit 1,8 Prozent. Auch der Bericht von ZDFheute ordnet diese Unterschiede als wichtigen Gegenpunkt zum Durchschnitt ein.
Auffällig ist außerdem die Verteilung nach Verdiensthöhe. Das unterste Fünftel der Vollzeitbeschäftigten kam im Mittel auf 6,7 Prozent nominales Plus, das oberste Fünftel auf 3,3 Prozent. Bei Auszubildenden lag der Zuwachs bei 6,0 Prozent, bei geringfügig Beschäftigten bei 4,7 Prozent. Auch das sind Gruppenwerte, aus denen kein individueller Anspruch entsteht.
So prüfen Beschäftigte die eigene Lage
Für einen sauberen Vergleich sollten Beschäftigte ihre Bruttoabrechnungen von April bis Juni 2025 den gleichen Monaten 2026 gegenüberstellen. Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld gehören auf beiden Seiten in die Rechnung. Ein einzelner Monat kann das Bild verzerren, wenn nur in einem der beiden Jahre eine solche Zahlung enthalten ist.
Die persönliche nominale Veränderung lässt sich anschließend mit dem gesamtwirtschaftlichen Wert von 4,1 Prozent vergleichen. Für die Branchenperspektive stehen bei Destatis die Tabellen zum Nominallohnindex bereit. Ob der vertraglich geschuldete Lohn stimmt, ist dagegen eine arbeitsrechtliche Frage. Dafür sind Arbeitsvertrag, Tarifvertrag, Betriebsrat oder Gewerkschaft die passenden Anlaufstellen, nicht der Reallohnindex.
Der Durchschnitt zeigt also eine reale Erholung, aber er ersetzt den Blick auf die eigene Abrechnung nicht. Erst der Vergleich derselben Monate, derselben Lohnbestandteile und der passenden Branche macht aus der Konjunkturmeldung eine brauchbare persönliche Einordnung.
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- Aktualisiert
- 28. August 2026
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