Ob die Frau vor ihrem Tod Schmerzen hatte oder schrie, lässt sich aus ihrem geöffneten Mund nicht ablesen. Die als „schreiende Mumie“ bekannte Tote wurde zwar mit modernen Verfahren untersucht. Einen eindeutigen Hinweis auf eine tödliche Verletzung oder eine bestimmte Krankheit als Todesursache fand das ägyptische Forschungsteam laut DW jedoch nicht.
Der Bericht greift eine Studie auf, die nach seinen Angaben im August 2024 in Frontiers in Medicine erschien. Die Mumie mit der Kennung CIT8 wurde bereits 1935 in Deir el-Bahari bei Luxor unterhalb des Grabes von Senenmut gefunden. Das erneute Medieninteresse ist deshalb von der Veröffentlichung der Forschung und vom Fund selbst zu unterscheiden.
Was die Untersuchung ergeben hat, beschreibt DW anhand von Computertomografie sowie archäologischen und chemischen Analysen. Untersucht wurden der Körper, Materialien der Einbalsamierung, Haare und eine Perücke. Das Alter der Frau beim Tod schätzte das Team demnach auf etwa 48 Jahre. Die Aufnahmen zeigten Zahnabnutzung und altersbedingte Veränderungen an Gelenken und Wirbelsäule. Solche Befunde geben Auskunft über den Körper. Sie erklären für sich genommen noch nicht den Tod.
Auch die Qualität der Einbalsamierung ist eine Frage der Interpretation. Nach der Darstellung von DW blieben Gehirn und innere Organe im Körper; einen Hinweis auf eine Öffnung des Bauches gab es nicht. Zugleich wurden wertvolle, importierte Materialien wie Wacholderharz und Weihrauch festgestellt. Für das Forschungsteam spricht dieser Materialeinsatz für eine sorgfältige Behandlung. Verbliebene Organe allein wären demnach kein verlässlicher Beleg für nachlässige Einbalsamierung.
Für den offenen Mund nennt DW eine Hypothese der Forschenden: einen sogenannten Leichenkrampf, den sie mit starken Schmerzen oder heftiger Erregung beim Tod in Verbindung bringen. Der Bericht erwähnt außerdem Totenstarre, Gewebeveränderungen nach dem Tod und Bestattungsverfahren als mögliche Einflussfaktoren. Damit ist weder ein tatsächlicher Schrei nachgewiesen noch die Todesursache bestimmt. Eine mögliche Erklärung der Körperhaltung beantwortet nicht automatisch die Frage, woran die Frau starb.
Wer sich in Berlin mit Jugendlichen weiter mit altägyptischer Kultur beschäftigen möchte, findet auf der Profilseite des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung einen Einstieg. Die Staatlichen Museen zu Berlin beschreiben dort ihre Sammlung im Neuen Museum: Statuen, Reliefs, Papyri und Steinsarkophage aus der Zeit von etwa 3000 vor Christus bis zur römischen Epoche. Die untersuchte Mumie gehört nicht zu diesem Berliner Bezugspunkt: DW verortet sie im Depot des Ägyptischen Museums am Tahrir-Platz in Kairo.
Für das Gespräch zu Hause lohnt sich ein genauer Blick auf die Verben im Nachrichtenbericht. „Die Aufnahmen zeigen“ bezeichnet einen Befund, „das Team schätzt“ eine Schätzung und „könnte“ eine Vermutung. Ordnen Sie gemeinsam einen Satz über die Zähne und einen über mögliche Schmerzen ein. Beim Weitererzählen sollte die Vermutung als solche erkennbar bleiben.
Öffnen Sie anschließend das Museumsprofil und wählen Sie ein Objekt aus, etwa den dort vorgestellten „Berliner Grünen Kopf“. Die Frage lässt sich mitnehmen: Was verrät das erhaltene Objekt selbst, und welche zusätzlichen Belege braucht seine Deutung?
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