Stress beim Grundschulkind: Wo Hilfe beginnt
Ein Achtjaehriger weint am Sonntagabend, weil er nicht in die Schule will. Eine neue Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK zeigt: Rund jedes vierte Grundschulkind in Deutschland fuehlt sich gestresst. Der Druck kommt aus Schule, Klassenchats und sozialen Medien. Eltern wissen oft nicht, wo Hilfe beginnt, ohne dass die Schule informiert wird. Die wichtigsten Anlaufstellen sind kostenlos, anonym und brauchen keine Erlaubnis vom Klassenlehrer.
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: ernestoeslava/Pixabay · Pixabay License
Sonntagabend, halb acht. Der Achtjaehrige sitzt am Tisch und schiebt das Essen herum. Er sagt, sein Bauch tut weh. Am naechsten Morgen das gleiche, und am Montag darauf wieder. Was wie Bauchweh aussieht, ist oft etwas anderes: Schulstress.
Eine neue Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH (Kaufmaennische Krankenkasse), in dieser Woche von der ZEIT aufgegriffen, zeigt: Rund jedes vierte Grundschulkind in Deutschland fuehlt sich nach Wahrnehmung der Eltern gestresst. Es handelt sich um eine Elternbefragung, nicht um eine klinische Diagnose. Trotzdem ist die Zahl ein deutliches Signal.
Die Stressfaktoren, die Eltern in der Umfrage am haeufigsten nennen, sind drei: Leistungsdruck in der Schule, Mobbing in der Klasse und der Umgang mit sozialen Medien, vor allem TikTok und Klassen-WhatsApp-Gruppen, die bis spaet abends Nachrichten senden. Kinder im Grundschulalter erleben heute eine soziale Reizdichte, die ihre Eltern in dem Alter so nicht kannten.

Drei Nummern, die Eltern jetzt speichern sollten
Die Hilfsstrukturen in Deutschland sind da. Das Problem ist, dass viele Eltern nicht wissen, wo der Eingang ist. Erste Anlaufstelle: die Schulpsychologische Beratungsstelle. Sie existiert in jedem Bundesland, ist kostenlos, vertraulich und vollkommen unabhaengig vom Klassenlehrer oder der Schulleitung. Eltern koennen direkt anrufen, einen Termin vereinbaren und mit einem Psychologen sprechen, ohne dass die Schule davon erfaehrt oder das Gespraech in der Schulakte landet.
Wer den naechsten Standort sucht, googelt "Schulpsychologische Beratungsstelle" plus Bundesland. Die Landesbildungsministerien fuehren oeffentliche Listen mit Telefonnummern fuer den jeweiligen Schulamtsbezirk.
Zweite Nummer: das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer, 0800 111 0 550. Anruf kostenlos, anonym, von Mobil und Festnetz erreichbar. Aktuelle Sprechzeiten siehe Traegerwebsite. Die Beratung erfolgt auf Deutsch. Einzelne lokale Beratungsstellen im Verbund bieten je nach Verfuegbarkeit der Ehrenamtlichen auch Gespraeche auf Arabisch an. Wer Beratung in einer anderen Sprache braucht, fragt am besten direkt nach oder prueft die regionalen Stellen auf der Website.
Fuer die Kinder selbst gibt es die 116 111, das Kinder- und Jugendtelefon. Auch hier: kostenlos, anonym, unabhaengig. Kinder duerfen anrufen, ohne dass Eltern oder Schule davon wissen.
Wenn die Symptome bleiben: der Weg ueber den Kinderarzt
Halten die Anzeichen laenger als zwei Wochen an, also Schlafprobleme, Schulverweigerung, wiederkehrende Bauch- oder Kopfschmerzen ohne medizinische Ursache, dann ist der Kinderarzt die naechste Station. Kinder ab sechs Jahren haben in Deutschland einen Rechtsanspruch auf bezahlte Verhaltenstherapie. Die gesetzliche Krankenkasse uebernimmt die Kosten in voller Hoehe.
Der Ablauf ist einfach beschrieben, aber dauert in der Praxis: Termin beim Kinderarzt, Schilderung der Symptome, Ueberweisung zum Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Nach probatorischen Sitzungen stellt der Therapeut den Antrag bei der Krankenkasse, der in den meisten Faellen ohne Probleme genehmigt wird. Schwieriger ist die Suche nach einem Therapeuten mit freiem Platz. Eltern sollten parallel mehrere Praxen anrufen, statt auf einen einzigen Rueckruf zu warten.

Die Bundeszentrale fuer gesundheitliche Aufklaerung stellt Eltern kostenlose Broschueren zu Kinderpsychologie und Stressbewaeltigung zur Verfuegung, teils auch in Arabisch, Tuerkisch oder Russisch. Wer die Datengrundlage der DAK-Erhebung im Detail nachlesen will, findet sie im DAK Praeventionsradar.
Was diese Woche zaehlt
Drei konkrete Schritte. Erstens: die drei Nummern jetzt im Handy speichern, also 0800 111 0 550 fuers Elterntelefon, 116 111 fuer das Kind und die regionale Schulpsychologische Beratungsstelle. Zweitens: das Kind ohne Druck ansprechen. Keine Verhoere am Esstisch. Eine offene Frage zum Schultag, ein Satz ueber Freunde, dann zuhoeren. Drittens: bleiben die Anzeichen, diese Woche entweder beim Schulpsychologen anrufen oder einen Termin beim Kinderarzt vereinbaren. Frueher dran sein hilft. Eine ungeloeste Schulangst mit acht wird mit dreizehn schnell zu einer ausgewachsenen Schulverweigerung.
Das gestresste Grundschulkind braucht keine Belehrung und keinen Vergleich mit den Mitschuelern. Es braucht das Gefuehl, dass jemand zu Hause es bemerkt hat, und das Wissen, dass es Erwachsene gibt, die helfen, ohne dass es etwas kostet.
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