Verpackungen: PFAS-Frist am 12. August
Die nächste Bestellung kann am 12. August 2026 zu Ware werden, die nicht mehr in Verkehr gebracht werden darf – oder eine vorschnelle Komplettumstellung unnötig Geld kosten. Entscheidend ist nicht, ob Sie Café, Bäckerei oder Onlineshop heißen, sondern welche Rolle Sie im Lieferweg spielen. Drei konkrete Fragen an den Lieferanten zeigen, ob die PFAS-Grenzen für Lebensmittelkontaktverpackungen belegt sind und welche Änderungen tatsächlich noch warten können.
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Wer jetzt fettdichte Tüten, beschichtete Becher oder Pizzakartons nachbestellt, kann ab 12. August 2026 ein Problem im Lager haben. Lebensmittelkontaktverpackungen dürfen dann nicht mehr in Verkehr gebracht werden, sobald eine der PFAS-Schwellen aus Artikel 5 Absatz 5 erreicht oder überschritten ist. So steht es in der Verordnung (EU) 2025/40 bei EUR-Lex. Zehn Tage vor dem Stichtag ist das die Prüfung, die kleine Betriebe nicht aufschieben sollten.
Die andere Seite der Nachricht ist ebenso wichtig: Am 12. August muss nicht pauschal jedes Etikett neu gedruckt und jede Verpackung ausgetauscht werden. Wer sämtliche späteren PPWR-Vorgaben vorzieht, riskiert unnötige Kosten. Wer die sofortige Stoffgrenze übersieht, bestellt womöglich Ware nach, die nicht mehr auf den Markt darf.
Was am 12. August tatsächlich beginnt
Artikel 71 legt den 12. August 2026 als allgemeines Anwendungsdatum fest. Die Verordnung gilt dann unmittelbar in den EU-Mitgliedstaaten und erfasst grundsätzlich Verpackungen aller Materialien und Herkunftswege. Der PPWR-Überblick der EU-Kommission zeigt zugleich: Kennzeichnung, Wiederverwendung und Recyclingfähigkeit folgen einem gestaffelten Zeitplan. Das Anwendungsdatum der Verordnung ist nicht der Starttag jeder einzelnen Pflicht.
Sofort greifbar ist die PFAS-Regel für Lebensmittelkontakt. Artikel 5 Absatz 5 nennt 0,025 mg/kg für einen einzelnen gezielt analysierten PFAS-Stoff, 0,25 mg/kg für die Summe gezielt analysierter PFAS und 50 mg/kg für PFAS einschließlich polymerer PFAS unter der im Rechtstext beschriebenen Gesamtfluor-Bedingung. Das Umweltbundesamt führt diese drei Schwellen ebenfalls auf. Nach Absatz 6 ist die Einhaltung in der technischen Dokumentation nachzuweisen.
Daraus folgt nicht, dass jedes Café selbst Laboranalysen beauftragen oder eine eigene Konformitätserklärung schreiben muss. Entscheidend sind Lieferweg und Marktrolle: Wer hat die Verpackung hergestellt oder importiert, unter wessen Namen wird sie angeboten und wer stellt sie erstmals bereit?
Der Lieferweg entscheidet über die Rolle
- Zukauf in Deutschland: Wer fertige Serviceverpackungen bezieht und erst am Verkaufsort befüllt, fällt nicht automatisch in dieselbe Rolle wie Hersteller oder Importeur. Wichtig sind Lieferant, Artikelnummer und die Stelle, die die technische Dokumentation führt.
- Direktimport: Kommen Becher, Boxen oder Versandverpackungen unmittelbar aus einem Nicht-EU-Staat, muss der Betrieb seine mögliche Importeursrolle klären. Eine Einkaufsrechnung beantwortet die PPWR-Fragen nicht von selbst.
- Eigenmarke: Wird die Verpackung im Namen des Restaurants oder Shops verkauft oder eigens für ihn gefertigt, kann sich die Verantwortung verschieben. Das sollte aus Vertrag und Produktunterlagen hervorgehen.
- Onlinehandel: Sitz des Lieferanten, Zielland und die Frage, unter welchem Namen verpackte Ware angeboten wird, können die Einordnung verändern – besonders bei grenzüberschreitenden Lieferketten.
Die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) erläutert die Rollen und Änderungen zum Stichtag. Eine betriebliche Einordnung bietet auch die IHK Halle-Dessau. Für unklare Import- und Eigenmarkenfälle sind diese Seiten ein Startpunkt; die konkrete Zuordnung sollte vor der nächsten Bestellung fachlich geprüft werden.
Drei Fragen vor der nächsten Bestellung
- Entspricht genau dieser Artikel oder diese Charge beim Inverkehrbringen ab 12. August den PFAS-Grenzen aus Artikel 5 Absatz 5?
- Welche Unterlage stützt die Antwort – eine schriftliche Bestätigung, ein einschlägiger Prüfbericht oder ein Verweis auf die technische Dokumentation – und wer hält diese Dokumentation vor?
- Wer ist verantwortlicher Hersteller oder Importeur, und wird die Verpackung unter dem Namen des Lieferanten oder unter der eigenen Marke angeboten?
Die Anfrage sollte schriftlich erfolgen und die Artikelnummer nennen. Antwort, Rechnungen und Lieferantendaten gehören zusammen abgelegt. Das ist ein sinnvoller Beschaffungsschritt, aber keine universelle Rechtsformel und kein automatischer Freibrief: Eine pauschale Erklärung ohne Produktbezug reicht für eine belastbare Prüfung kaum aus.
Etiketten und 2030-Ziele kommen später
Nicht jedes Etikett braucht am 12. August ein neues Layout. Auch Wiederverwendungsquoten und sämtliche Vorgaben zur Recyclingfähigkeit starten nicht geschlossen an diesem Tag. Die EU-Kommission nennt etwa 2030 als Zieljahr für wirtschaftlich recyclingfähige Verpackungen. Vor einem teuren Material- oder Designwechsel sollte deshalb feststehen, welche Vorschrift für das konkrete Produkt gilt und welches Anwendungsdatum sie hat.
Bei bereits vorhandenen Beständen entscheidet nicht allein der spätere Verbrauchstag. Die Kommission hat eigene Leitlinien zum Umgang mit PFAS-Altbeständen veröffentlicht. Ist unklar, wann und durch wen eine Verpackung erstmals in Verkehr gebracht wurde, sollte der Bestand vor weiterer Abgabe fachlich geprüft werden.
Bis zum 12. August braucht der Betrieb deshalb keine hektische Komplettumstellung, sondern eine saubere Einkaufsakte: Lebensmittelkontaktverpackungen mit Artikelnummer erfassen, die drei PFAS-Fragen an den Lieferanten schicken und alle Direktimporte oder Eigenmarken gesondert markieren. Das ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Es verhindert aber, dass die wirklich sofort geltende Produktgrenze zwischen späteren Schlagworten untergeht.
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- Aktualisiert
- 2. August 2026
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