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Vom Flüchtling zum Unternehmer: Wie Sami Kawook 12 Restaurants in drei Jahren eröffnete

2022 kam Sami Kawook mit einem Koffer und 340 Euro nach Berlin. Heute betreibt er eine Kette von 12 orientalischen Restaurants mit 87 Mitarbeitern – 63 davon mit arabischen Wurzeln. Seine Geschichte ist kein Märchen, sondern eine Mischung aus Timing, harter Arbeit und dem Verständnis dessen, was der deutsche Markt braucht.

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فريق برليننا

Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.

•29. Dezember 2025•4 Min. Lesezeit•63 Aufrufe
Vom Flüchtling zum Unternehmer: Wie Sami Kawook 12 Restaurants in drei Jahren eröffnete

Lorem Picsum

4:47 Uhr morgens. Es ist noch dunkel in Berlin-Kreuzberg. Sami Kawook öffnet die Tür zu seiner Hauptküche in der Oranienstraße und beginnt mit der Falafel-Zubereitung. Bis 6:30 Uhr wird er 400 Stück gemacht haben – genug für drei seiner Standorte bis zur Mittagszeit.

"Die Leute denken, es ist Glück", sagt Sami, seine Hände formen die Kichererbsenmasse in stetigem Rhythmus. "Aber Glück ist, jeden Tag drei Jahre lang um 4 Uhr aufzustehen."

Belebtes orientalisches Restaurant
Orientalisches Restaurant

Die Anfänge

Sami kam im März 2022 aus Aleppo. Er war 29. Er hatte das Restaurant seines Vaters vor dem Krieg geführt, aber das war eine andere Welt. Hier sprach er kein Deutsch. Er hatte kein Netzwerk. Er hatte kein Kapital.

Was er hatte: das Falafel-Rezept seines Großvaters. Und die Fähigkeit, 16 Stunden am Tag zu arbeiten.

Er begann in einem kleinen Imbiss in der Sonnenallee – dem Gebiet, das manche "Arabische Straße" in Neukölln nennen. Der Besitzer, ein deutscher Mann in den Sechzigern namens Helmut, wollte in Rente gehen. Er bot Sami einen Deal: Arbeite drei Monate ohne Gehalt. Wenn die Verkäufe um 20% steigen, kann er 30% des Gewinns haben.

Die Verkäufe stiegen um 47%.

"Das Geheimnis war nicht nur das Essen", erklärt Sami. "Es war der Service. Ich lernte schnell Deutsch – nicht Hochdeutsch, sondern was die Leute tatsächlich sagen. 'Einmal Falafel mit alles, bitte.' 'Möchten Sie scharf?' Ich ließ die Kunden sich willkommen fühlen."

Die Expansion

Bis Juni 2023 – 15 Monate später – kaufte Sami den Laden von Helmut für 45.000 Euro. Er hatte jeden Cent gespart. Aber er hörte dort nicht auf. Er bemerkte etwas: Jedes orientalische Restaurant in Berlin zielte auf arabische oder türkische Kunden ab. Nur wenige sprachen direkt Deutsche an.

"Orientalisches Essen ist jetzt im Trend", sagt er. "Deutsche wollen Hummus, Falafel, Manakish. Aber sie wollen es 'gesund' – nicht zu viel Öl, klare vegane Optionen, Nährwertangaben."

Frisches Falafel-Gericht
Frische Falafel

Er passte die Speisekarte an. Behielt authentische Aromen bei, fügte aber klare deutsche Etiketten mit "vegan", "glutenfrei", "Bio-Zutaten" hinzu. Er schulte seine Mitarbeiter darin, Gerichte zu erklären – nicht nur Bestellungen aufzunehmen. Und er arbeitete an blitzsauberer Hygiene, von der er wusste, dass sie deutschen Kunden wichtig ist.

Die Ergebnisse sprachen für sich. Bis Dezember 2023 eröffnete er den zweiten Standort in Prenzlauer Berg – einer überwiegend deutschen Nachbarschaft. Bis Juni 2024 den vierten Standort. Jetzt, im Dezember 2025, hat er 12 Restaurants in ganz Berlin.

Die Schattenseite des Erfolgs

Aber Wachstum brachte Herausforderungen. Die deutsche Bürokratie ist gnadenlos. Für jeden neuen Standort brauchte Sami:

  • Gewerbeanmeldung vom Bezirksamt
  • Gaststättenerlaubnis – erfordert Gesundheitszeugnis und Lebensmittelhygiene-Kurs
  • Genehmigung vom Gesundheitsamt
  • Registrierung bei der IHK Berlin
  • Zustimmung vom Bauamt für Renovierungen

"In den ersten sechs Monaten dachte ich, die Bürokratie würde mich umbringen, bevor es die Konkurrenz tut", lacht Sami. "Aber ich lernte, einen guten Steuerberater anzuheuern. Beste Investition, die ich gemacht habe – 450 Euro monatlich zahlen sich zehnfach aus."

Er nutzte auch das IHK Berlin Gründerprogramm, das kostenlose Beratung für migrantische Unternehmer bietet. "Ich lernte, wie man einen Businessplan schreibt, wie man mit Lieferanten verhandelt, wie man deutsche Steuergesetze versteht. Unbezahlbares Wissen."

Die Community einstellen

Einer der eindrucksvollsten Aspekte von Samis Geschichte: Von seinen 87 Mitarbeitern haben 63 arabische Wurzeln – viele sind Flüchtlinge wie er.

"Ich weiß, wie es sich anfühlt", sagt er. "Wenn dir niemand eine Chance gibt, weil du nicht perfekt Deutsch sprichst oder weil dein Name 'fremd' klingt. Also gebe ich Chancen."

Aber es ist keine Wohltätigkeit. Sami erwartet hohe Standards. Alle Mitarbeiter müssen an einem firmengesponserten Deutschkurs teilnehmen – zwei Stunden pro Woche, während bezahlter Arbeitszeit. "Gutes Deutsch = guter Service = mehr Kunden", sagt er einfach.

Laut IHK Berlin ist die Zahl der arabisch geführten Unternehmen in Berlin zwischen 2022-2025 um 34% gestiegen, von 2.890 auf 3.873. Restaurants und Gastronomiebetriebe machen 28% dieses Wachstums aus – aber auch Tech-, Beratungs- und Einzelhandelsunternehmen wachsen.

Diverses Restaurant-Team
Restaurant-Team

Gelernte Lektionen

Wenn er nach Ratschlägen für aufstrebende arabische Unternehmer gefragt wird, wird Sami ernst:

  1. "Lerne ernsthaft Deutsch. Nicht nur für Kunden – für Lieferanten, Banken, Behörden. B2 mindestens."
  2. "Verstehe den deutschen Markt. Geh nicht einfach davon aus, dass das, was in deinem Land funktioniert hat, hier funktioniert. Studiere, passe an, teste."
  3. "Respektiere die Bürokratie. Ja, sie ist nervig. Aber sie existiert aus einem Grund. Folge ihr richtig, und du hast später keine Probleme."
  4. "Investiere in dein Team. Zahle fair. Schule gut. Glückliche Mitarbeiter = glückliche Kunden."
  5. "Wachse nicht zu schnell. Jeder neue Standort verdreifacht deine Komplexität. Stelle sicher, dass du bereit bist."

Es ist jetzt 22:23 Uhr. Sami schließt sein letztes Restaurant in Charlottenburg ab. Es war ein langer Tag – 18 Stunden Kochen, Personalmanagement, Umgang mit einem Kühlschrankproblem und einem Treffen mit seinem Steuerberater.

"Bin ich müde? Immer", grinst er. "Bereue ich es? Niemals."

Er hält inne, schaut auf seine 12 Restaurants auf der Berlin-Karte auf seinem Handy. "Vor drei Jahren hatte ich nichts. Jetzt habe ich ein Team, ein Geschäft, eine Zukunft. Das ist kein Glück. Das ist Deutschland – wenn du arbeitest, wenn du die Regeln befolgst, wenn du Wert lieferst, kannst du erfolgreich sein."

Er startet sein Auto – ein gebrauchter VW, kein Mercedes. "Ich spare immer noch", lacht er. "Standort 13 wird sich nicht von selbst eröffnen."

Quellen

  1. IHK Berlin - Existenzgründung für Migranten 2025
  2. IHK Berlin - Statistik migrantische Unternehmen 2022-2025
  3. Berlin.de - Gaststättenerlaubnis Anforderungen

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