Familie

Zuckerabgabe 2027: Was die Familie zahlt

Das Bundeskabinett hat am 29. April 2026 die Eckpunkte für den Haushalt 2027 beschlossen.

Teilen
Zuckerabgabe 2027: Was die Familie zahlt

Bildquelle: Jörg Zägel / Wikimedia Commons (CC BY-SA (Wikimedia Commons)) · CC BY-SA 3.0

Redaktioneller BelegVon der Berlinuna Redaktion5 QuellenlinksAktualisiert 30. April 2026Methodik
Quellenbeleg

Wer am Samstag bei Aldi, Lidl, Rewe oder Kaufland eine 1,5-Liter-Flasche Cola in den Einkaufswagen legt, wird dafür 2027 voraussichtlich 40 bis 45 Cent mehr zahlen. Eine andere Flasche im selben Regal - gleicher Preis wie heute. Den Unterschied entscheidet eine einzige Zahl auf der Rückseite: Zuckergehalt pro 100 ml.

Das Bundeskabinett hat am 29. April 2026 die Eckpunkte für den Haushalt 2027 beschlossen. Erstmals fest eingeplant ist darin eine Abgabe auf stark gezuckerte Softdrinks. Laut Tagesschau-Bericht vom selben Tag rechnet das Bundesfinanzministerium mit Mehreinnahmen von rund 450 Millionen Euro pro Jahr.

Beschlossen sind bisher nur die Eckpunkte. Der konkrete Gesetzentwurf wird im Sommer 2026 ins parlamentarische Verfahren gehen. Eine endgültige Staffelung - also wie viel Cent pro Liter ab welchem Zuckergehalt fällig werden - steht in Deutschland noch nicht fest. Genau deshalb taucht in der Debatte immer wieder das britische Modell als Bezugsgröße auf.

Das britische Vorbild

Großbritannien erhebt seit 2018 die Soft Drinks Industry Levy, eine gestaffelte Abgabe nach Zuckergehalt pro 100 ml. Nach den vom HM Treasury veröffentlichten Sätzen werden auf Getränke mit 5 bis 8 Gramm Zucker pro 100 ml umgerechnet rund 21 Cent pro Liter erhoben, ab 8 Gramm Zucker pro 100 ml rund 28 Cent pro Liter.

Diese Zahlen sind britisch, nicht deutsch. Sie taugen aber zur Orientierung: Würde Deutschland eine vergleichbare Staffelung übernehmen, käme bei einer 1,5-Liter-Flasche eines Softdrinks mit über 8 Gramm Zucker pro 100 ml etwa 40 bis 45 Cent zusätzlich auf den Regalpreis. Klassische Cola, Fanta, viele Energy-Drinks und gesüßte Säfte landen in dieser oberen Stufe.

Was die Zahl auf der Rückseite verrät

Die entscheidende Information steht in der Nährwerttabelle auf der Rückseite jeder Flasche, in der Spalte pro 100 ml, in der Zeile Zucker. Liegt der Wert unter 5 Gramm, fällt das Getränk im britischen Modell aus der Abgabe heraus. Zwischen 5 und 8 Gramm greift die niedrigere Stufe, über 8 Gramm die höhere. Eine 0,33-Liter-Dose Cola enthält rund 35 Gramm Zucker - also etwa 10,6 Gramm pro 100 ml und damit klar in der oberen Kategorie.

Zum Vergleich: Die WHO empfiehlt Erwachsenen weniger als 50 Gramm zugesetzten Zucker pro Tag, idealerweise unter 25 Gramm. Eine einzige Dose Cola schöpft das Tagesbudget bereits weitgehend aus.

Welche Flaschen teurer werden - und welche nicht

Klassische Softdrinks wie Cola, Fanta oder Sprite, viele Energy-Drinks und gesüßte Säfte fallen voraussichtlich in die teurere Kategorie. Wasser, ungesüßte Säfte, ungesüßter Eistee sowie Light- und Zero-Varianten, die statt Zucker auf Süßstoffe setzen, bleiben mit hoher Wahrscheinlichkeit unverändert im Preis - schlicht, weil ihr Zuckergehalt unter der Schwelle liegt.

Für einen Haushalt, der täglich eine große Flasche Softdrink konsumiert, summiert sich der Aufschlag schnell auf 8 bis 15 Euro pro Monat. Das ist für sich kein dramatischer Betrag. In Kombination mit Preissteigerungen bei Lebensmitteln, die viele Familien beim Wocheneinkauf ohnehin spüren, ist es aber ein zusätzlicher, planbarer Posten - wenn man weiß, dass er kommt.

Gesundheitspolitik oder Haushaltsinstrument?

Die Bundesregierung argumentiert mit Gesundheitsschutz, vor allem für Kinder, und verweist auf die WHO-Empfehlungen zum Zuckerkonsum. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie hingegen sieht den gesundheitlichen Effekt skeptisch. Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff ordnete die Abgabe in der Berichterstattung der Tagesschau als haushaltspolitisches Instrument zur Schließung von Finanzierungslücken ein. Beide Lesarten stehen aktuell nebeneinander im politischen Verfahren.

Eine Minute vor der Kasse

Konkret heißt das: Beim nächsten Wocheneinkauf zwei oder drei Flaschen aus dem Wagen kurz umdrehen und in der Nährwerttabelle die Zeile Zucker pro 100 ml suchen. Über 5 Gramm? Dann steht diese Flasche 2027 wahrscheinlich auf der Liste der teureren Produkte. Unter 5 Gramm? Dann bleibt sie aller Voraussicht nach gleich. Eine halbe Minute Aufmerksamkeit jetzt erspart eine unklare Mehrausgabe in der Haushaltsrechnung im kommenden Jahr.

Bis zur Verabschiedung im Bundestag können sich Sätze und Schwellenwerte noch ändern. Wer den Stand des Gesetzgebungsverfahrens verfolgen möchte, findet die laufende Berichterstattung bei der Tagesschau.

Teilen

Berlinuna Redaktion · Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.

So arbeiten wir: redaktionelle Methodik

Weiter von hier

Passende Lektüre, ein praktischer nächster Schritt oder das Spiel des Tages.

  1. 01

    Heißwasser-Challenge: Was Eltern tun können

    Ein Bericht aus Ägypten über die Heißwasser-Challenge gibt Eltern Anlass, über Gruppendruck zu sprechen. Wer arabischsprachige Videos verfolgt, kann auch in Deutschland mit solchen Inhalten in Berührung kommen. Wie lässt sich das ansprechen, ohne den Clip weiterzuverbreiten? Der Beitrag schlägt Formulierungen für eine Absage vor und zeigt, was Eltern mit ihren Kindern absprechen können. Eine Verbreitung an deutschen Schulen ist durch den Bericht nicht belegt.

    Familieفريق برليننا
  2. 02

    Schulstart 2027: Jetzt Oktober vormerken

    Bis zum ersten Schultag 2027 bleibt noch Zeit. Für die Anmeldung in Berlin gilt das nur bedingt: Eltern müssen bereits im Oktober 2026 persönlich zur zuständigen Schule. Der Wunsch nach einer anderen Schule ändert daran zunächst nichts. Wer jetzt Adresse, Sprechzeiten und Unterlagen klärt, muss diese Fragen nicht erst während des kurzen Anmeldezeitraums lösen.

    Familieفريق برليننا

Kommentare

Kommentare werden geladen...