Arzttermine sollen nach medizinischem Bedarf vergeben werden. Das fordert der Chef des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt, wie die tagesschau am 17. Oktober berichtet. Betroffen wären die 75 Millionen gesetzlich Versicherten. Eine neue Regel ist das nicht, sondern eine Forderung.
Weniger bekannt ist, was schon heute im Gesetz steht. Wer einen Facharzttermin oder einen Therapieplatz sucht, muss nicht allein Praxis um Praxis abtelefonieren und sich mit „keine neuen Patienten“ abfinden. Für die Vermittlung gelten Fristen. Und es gibt eine Stelle, die sie einhalten muss.
Diese Stelle ist die Terminservicestelle. Betrieben wird sie von den Kassenärztlichen Vereinigungen, erreichbar ist sie rund um die Uhr unter einer bundesweit einheitlichen Nummer: der 116117, also derselben Nummer wie für den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Online lassen sich Termine über eterminservice.de buchen.
Was die Terminservicestelle leisten muss
Die Regeln stehen in § 75 Absatz 1a des Fünften Sozialgesetzbuchs (SGB V). Danach hat die Terminservicestelle Versicherten innerhalb einer Woche einen Behandlungstermin zu vermitteln. Die Wartezeit auf diesen Termin darf vier Wochen nicht überschreiten. Bei radiologischen Terminen, etwa für ein MRT, sind es höchstens drei Wochen.
Voraussetzungslos gelten die Fristen nicht. Für einen Facharzttermin braucht es eine Überweisung, in der Regel vom Hausarzt. Ausnahmen nennt das Gesetz unter anderem für Augenärzte und Frauenärzte.
Eine Wunschpraxis sieht § 75 nicht vor. Vorgeschrieben ist nur, dass die Entfernung zur Praxis zumutbar ist. Die Servicestelle bucht dort, wo ein Termin frei ist. Das muss weder die bevorzugte noch die nächstgelegene Praxis sein.
Wenn nichts frei ist: Termin im Krankenhaus
Für Wartende besonders wichtig ist ein weiterer Satz im selben Absatz. Kann die Terminservicestelle innerhalb der Frist keinen Termin vermitteln, muss sie einen ambulanten Behandlungstermin in einem zugelassenen Krankenhaus anbieten. Gemeint ist ein regulärer Termin, kein Gang in die Notaufnahme.
Das Gesetz zieht dabei Grenzen. Für verschiebbare Routineuntersuchungen gilt die Regel nicht, es sei denn, es geht um termingebundene Gesundheitsuntersuchungen für Kinder. Auch Bagatellerkrankungen sind ausgenommen.
Wer von der Servicestelle hört, dass innerhalb der Frist nichts frei ist, sollte gezielt nachfragen, etwa so: „Können Sie mir einen ambulanten Termin in einem zugelassenen Krankenhaus anbieten?“ Es hilft, Datum und Uhrzeit des ersten Anrufs und den Namen des Gesprächspartners zu notieren.
Psychotherapie: Sprechstunde statt Überweisung
In der Psychotherapie ist gerade einiges in Bewegung. Der Bundestag hat am 15. Oktober Korrekturen an der Vergütung beschlossen, wie die tagesschau berichtet. Ab einer bestimmten Stundenzahl gibt es weniger Honorar. Ausgenommen sind Kinder, Jugendliche, schwer Kranke und die Akuttherapie; was als dringlich gilt, muss der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) noch festlegen. Fachverbände befürchten, dass alle anderen länger auf einen Therapieplatz warten. Ab wann die Änderungen greifen, nennt der Bericht nicht. Die Fristen aus § 75 gelten unabhängig davon schon jetzt.
Der Weg zum Therapieplatz unterscheidet sich vom Weg zum Facharzt. Eine Überweisung ist laut § 75 weder für die psychotherapeutische Sprechstunde nötig noch für die zeitnah erforderlichen Termine danach. Die Sprechstunde ist nach Angaben des Patientenservice 116117 immer der erste Schritt, und Versicherte haben Anspruch darauf. Auch wer für ein erwachsenes Familienmitglied nach einem Platz sucht, fängt hier an.
Nach der Sprechstunde gibt es das Formular PTV 11. Vermerkt die Therapeutin oder der Therapeut darauf „zeitnah erforderlich“, erhalten Patientinnen und Patienten einen Vermittlungscode. Mit ihm lässt sich über die 116117 oder eterminservice.de ein Termin in einer anderen Praxis buchen.
Für dringende Fälle gibt es die Akutbehandlung. Laut Patientenservice sind bis zu zwölf Therapiestunden möglich. Ein Antrag bei der Krankenkasse ist nicht nötig, die Behandlung kann direkt nach der Sprechstunde beginnen. Vermittelt die Terminservicestelle den Termin, darf die Wartezeit nach § 75 zwei Wochen nicht überschreiten.
Praxen in der Umgebung zeigt die Suche unter psychotherapiesuche.116117.de. Die Informationsseite des Patientenservice zur Psychotherapie gibt es auch auf Arabisch.
Nicht jede Lage kann auf einen Termin warten. Bei akuter Gefahr gilt der Notruf 112. Wer sofort mit jemandem sprechen möchte, erreicht die TelefonSeelsorge kostenfrei, Tag und Nacht, unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123.
So gehen Sie vor
Beim Facharzt beginnt es mit der Überweisung vom Hausarzt; beim Augen- oder Frauenarzt ist sie nicht nötig. Danach die 116117 anrufen oder eterminservice.de nutzen. Heißt es dort, dass innerhalb der Frist von vier Wochen nichts frei ist, nach dem ambulanten Termin in einem zugelassenen Krankenhaus fragen.
Bei der Psychotherapie die Sprechstunde direkt in einer Praxis oder über die 116117 buchen, ohne Überweisung. Danach nach dem Formular PTV 11 fragen. Steht dort „zeitnah erforderlich“, mit dem Vermittlungscode über 116117 oder eterminservice.de den nächsten Termin buchen.
Einen Termin beim Wunscharzt am Wunschtag garantiert das alles nicht. Aber das Warten hat eine gesetzliche Obergrenze, und es gibt eine Stelle, die dafür zuständig ist.
Das Wichtigste aus Deutschland, jeden Morgen im Postfach
Berlinuna Redaktion
So arbeiten wir: redaktionelle MethodikWeiter von hier
Passende Lektüre, ein praktischer nächster Schritt oder das Spiel des Tages.
- 01
25. Oktober: Die Uhr springt zurück
Am Sonntag, 25. Oktober 2026, gibt es die Stunde zwischen zwei und drei Uhr zweimal. Wer früh arbeiten muss, sollte deshalb den Handwecker prüfen. Für den Abend lassen sich zwei Gewohnheiten ausprobieren: erst ins Bett gehen, wenn man müde ist, und vor dem Schlafen koffein- und alkoholfreie Getränke wählen. Ob die Umstellung Schlaf oder Stimmung beeinflusst, ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Gesundheitفريق برليننا - 02
Pseudokrupp: Wann ist es ein Notfall?
Bellender Husten mitten in der Nacht klingt beunruhigend. Für Eltern zählt dann vor allem: Wie atmet das Kind? Bei schwerer Atemnot gilt in Deutschland die 112. Berichte aus Ägypten sind Anlass, die Warnzeichen und den Unterschied zwischen Pseudokrupp und Diphtherie zu klären. Denn die Namen können verwechselt werden, während der Husten allein noch keinen Notfall beweist.
Gesundheitفريق برليننا
