3 bis 4 Euro pro Arztbesuch - Kehrt die Praxisgebühr nach Deutschland zurück?
Nadia bringt ihre 4-jährige Tochter dreimal im Monat zum Kinderarzt. Wiederkehrende Ohrenentzündungen. Mit der vorgeschlagenen Gebühr würde sie 12 Euro monatlich zahlen - 144 Euro jährlich. 'Als Asylbewerberin habe ich dieses Geld nicht', sagt sie. Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung will eine 'Kontaktgebühr' für jeden Arztbesuch. Die Empörung in arabischen Kreisen ist deutlich.
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Lorem Picsum
Das Wartezimmer der Praxis Dr. Müller in Charlottenburg ist voll. 9:00 Uhr, Dienstagmorgen. Nadia sitzt mit ihrer Tochter Lian, 4 Jahre, die sich wieder über Ohrenschmerzen beklagt. Der dritte Besuch diesen Monat.
'Kostenlos jetzt', denkt Nadia. 'Aber für wie lange?'
Der neue Vorschlag
Am 29. Dezember 2025 verkündete Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), seine Unterstützung für eine 'Kontaktgebühr' von drei bis vier Euro pro Arztbesuch.
Das Ziel, laut Gassen? 'Die Krankenkassen unterstützen' und 'unnötige Besuche reduzieren'. Doch der Vorschlag löste einen Sturm der Entrüstung aus.
Es ist nicht das erste Mal. Zwischen 2004 und 2013 gab es die Praxisgebühr - 10 Euro pro Quartal beim ersten Besuch. Sie wurde nach breiten Protesten und Belegen abgeschafft, dass sie arme Patienten von Behandlungen abhielt.
Die Zahlen hinter der Krise
Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einer echten Finanzkrise. Laut Bundesgesundheitsministerium wird die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) 2026 voraussichtlich ein Defizit von 8,2 Milliarden Euro aufweisen.
Die Gründe sind vielfältig:
- Alternde Bevölkerung - mehr Rentner, mehr Kranke, höhere Kosten
- Ärztemangel, besonders in ländlichen Gebieten und bei Kinderärzten
- Steigende Kosten für neue Medikamente und innovative Behandlungen
- Pflegenotstand - höhere Gehälter nötig, um Personal zu gewinnen
2026 werden die Krankenkassenbeiträge um durchschnittlich 0,8 Prozentpunkte auf 16,5% des Bruttogehalts steigen. Für einen Arbeitnehmer mit 3.000 Euro monatlich bedeutet das 24 Euro mehr pro Monat - 288 Euro jährlich.
Wer wäre am stärksten betroffen?
Familien mit kleinen Kindern. Ältere mit chronischen Krankheiten. Und Menschen mit niedrigem Einkommen - genau die Gruppen, zu denen viele arabische Einwanderer gehören.
Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts gehen Kinder unter 5 Jahren durchschnittlich 9,7 Mal jährlich zum Arzt. Bei 4 Euro pro Besuch wären das 38,80 Euro pro Jahr und Kind.
Für Familien wie Nadia - alleinerziehende Mutter mit Bürgergeld - ist das eine erhebliche Summe. 'Meine Tochter braucht Versorgung', sagt sie. 'Wenn ich jedes Mal zahlen muss, warte ich vielleicht ab, ob es von selbst besser wird. Das ist gefährlich'.
Die andere Seite der Geschichte
Dr. Sabreen Hassan, Hausärztin in Neukölln, hat eine andere Perspektive. 'Ich verstehe die Sorgen, aber die Realität ist, dass meine Praxis voll ist mit Menschen, die wegen sehr kleiner Dinge kommen. Leichter Husten, normaler Kopfschmerz - Sachen, die keinen Arzt brauchen'.
Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung liegt die durchschnittliche Anzahl der Arztbesuche in Deutschland bei 18 pro Person und Jahr - höher als in den meisten europäischen Ländern (EU-Durchschnitt: 7 Besuche).
'Das Problem ist nicht die Gebühr', erklärt Dr. Sabreen. 'Das Problem ist, dass wir mehr Ärzte brauchen, bessere Arbeitszeiten und bessere Vergütung. Patienten mit Gebühren zu belasten, löst das nicht'.
Alternativen und Lösungen
Statt Kontaktgebühren schlagen Experten vor:
- Ausbau telefonischer und digitaler Beratung: Viele einfache Fälle können über 116117 oder Telemedizin-Apps geklärt werden
- Mehr Ärzte ausbilden: Deutschland braucht laut Experteneinschätzung 11.000 zusätzliche Ärzte bis 2030
- Prävention verbessern: Investitionen in Impfungen und Früherkennung reduzieren späteren Behandlungsbedarf
- Bürokratie vereinfachen: Ärzte verbringen 40% ihrer Zeit mit Verwaltung statt Patientenbehandlung
Was können Sie jetzt tun?
Auch wenn die Gebühr nicht kommt (was noch unsicher ist), hier ist, wie Sie das Gesundheitssystem klug nutzen:
- Bei Nicht-Notfällen zuerst 116117 anrufen (24/7 kostenlose medizinische Beratung) vor dem Praxisbesuch
- Videosprechstunde nutzen - die meisten Krankenkassen bieten das jetzt an
- Symptomtagebuch führen vor dem Besuch - spart Arztzeit und verbessert Diagnose
- Bei echten Notfällen direkt zur Notaufnahme oder 112 anrufen
Nadia im Wartezimmer von Dr. Müller ist immer noch besorgt. 'Ich hoffe, sie stimmen nicht für diese Gebühr', sagt sie leise. 'Gesundheit ist ein Recht, kein Luxus'.
Die Sprechstundenhilfe ruft Lians Namen. Nadia nimmt die Hand ihrer Tochter und geht hinein. Heute ist die Behandlung kostenlos. Morgen? Niemand weiß es.
المصادر / Quellen
- Tagesschau - Kassenärzte-Chef will Kontaktgebühr bei jedem Arztbesuch
- Kassenärztliche Bundesvereinigung - Position zur Praxisgebühr
- Bundesministerium für Gesundheit - Finanzlage der GKV 2026
- Robert Koch-Institut - Studie zu Arztbesuchen in Deutschland
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117 - Kostenlose medizinische Beratung
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