SCHUFA-Score aufbauen: So geht's
Sie sind neu in Deutschland und suchen eine Wohnung oder einen Handyvertrag? Überall begegnet Ihnen ein Wort: SCHUFA. Diese Kreditauskunft bestimmt Ihre Chancen bei Miete, Finanzierung und sogar Internetverträgen. Ein praktischer Leitfaden zum Aufbau einer positiven Bonität von Grund auf.
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Sarahs Bewerbung für eine Wohnung in Berlin-Charlottenburg wurde abgelehnt. Nicht wegen des Einkommens, nicht wegen der Unterlagen. Der Grund? "Kein SCHUFA-Eintrag vorhanden." Nach zwei Jahren in Deutschland wusste die 29-jährige Syrerin nicht einmal, dass diese unsichtbare Akte ihr Leben bestimmt.
Sarahs Geschichte ist kein Einzelfall. Die SCHUFA Holding AG speichert Daten von mehr als 68 Millionen Menschen in Deutschland. Für Neuankömmlinge entsteht dabei ein Dilemma — keine Kredithistorie bedeutet kein Vertrauen. Das Ergebnis? Abgelehnte Mietanträge, verwehrte Handyverträge und gescheiterte Ratenkäufe.
Aber die gute Nachricht: Einen positiven SCHUFA-Score aufzubauen ist weniger kompliziert als viele denken. Es braucht konkrete Schritte und Geduld.
Was ist die SCHUFA und wie funktioniert sie?
SCHUFA steht für Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung. Gegründet 1927, mit Sitz in Wiesbaden. Das private Unternehmen sammelt Daten über das Zahlungsverhalten von Privatpersonen in Deutschland und vergibt einen Score zwischen 0 und 100 Prozent. Je höher der Wert, desto besser die Bonität.
Laut Verbraucherzentrale fragen mehr als 9.000 Unternehmen in Deutschland — Banken, Vermieter, Telekommunikationsanbieter und Online-Shops — SCHUFA-Daten ab, bevor sie Verträge abschließen. Ein Score von 97 Prozent oder höher gilt als ausgezeichnet; alles unter 90 Prozent macht Kreditgeber nervös.
Warum haben Neuankömmlinge ein Problem?
Die schmerzhafte Ironie: Wer nach Deutschland kommt, hat keinen negativen SCHUFA-Eintrag — aber auch keinen positiven. Fehlende Daten (besonders bei Menschen von außerhalb der EU) führen zu einem niedrigen oder "nicht bewertbaren" Score. Ist das fair? Nicht wirklich. Aber es ist die Realität, mit der Hunderttausende Neuzugewanderte jedes Jahr konfrontiert werden.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) verzeichnete Deutschland 2023 eine Nettozuwanderung von rund 1,46 Millionen Menschen. Jeder einzelne beginnt praktisch mit einem leeren Blatt im SCHUFA-System — und das ist kein Vorteil, sondern ein Hindernis.
Erster Schritt: Kostenlose Datenkopie anfordern
Zunächst muss man wissen, wo man steht. Gemäß Artikel 15 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hat jede Person in Deutschland das Recht, einmal jährlich eine kostenlose Kopie ihrer SCHUFA-Daten anzufordern. Das bestätigte auch die SCHUFA auf ihrer Website unter "Datenkopie nach DSGVO". Der Vorgang ist einfach: Website aufrufen, "Datenkopie" auswählen (nicht die kostenpflichtige Version), persönliche Daten mit Ausweiskopie eingeben und auf die Antwort per Post warten — das dauert ein bis vier Wochen.
Wichtig: Nicht die kostenlose "Datenkopie" mit dem kostenpflichtigen Dienst "meineSCHUFA" verwechseln, der 3,95 Euro monatlich kostet. Die kostenlose Variante genügt völlig, um den eigenen Status zu erfahren.
Wie baut man einen guten Score auf?
Der Aufbau eines positiven SCHUFA-Scores beginnt mit praktischen Schritten. Das Wichtigste zuerst — ein deutsches Bankkonto eröffnen und den Dispositionskredit nicht überziehen. Banken melden das Zahlungsverhalten direkt an die SCHUFA, und regelmäßige Zahlungen bauen die finanzielle Reputation schrittweise auf.
Der zweite Schritt: einen Handyvertrag abschließen und die Rechnungen pünktlich bezahlen. Und hier machen viele Neuankömmlinge (besonders junge Leute) einen häufigen Fehler: Sie unterschreiben mehrere Verträge in kurzer Zeit. Jede Unternehmensanfrage wird als "Anfrage" in der Akte gespeichert, und eine Häufung solcher Anfragen innerhalb weniger Wochen senkt den Score.
Die Verbraucherzentralen warnen zudem vor unnötigen Ratenkäufen. Die größte Herausforderung? Geduld. Der Aufbau eines guten Scores dauert zwischen 12 und 24 Monaten regelmäßigen Zahlungsverhaltens. Abkürzungen gibt es nicht.
Fehler, die den Score ruinieren
Einige typische Fehler können die Kreditakte erheblich beschädigen. Verspätete Zahlungen — selbst bei kleinen Beträgen — werden als Negativeintrag gespeichert und bleiben 3 Jahre in der Akte. Auch häufige Bankwechsel erwecken Misstrauen.
Ein Schuldnerberater der Berliner Schuldnerberatung wies darauf hin, dass viele arabische Neuankömmlinge in die Falle mehrerer Handyverträge tappen. Jemand unterschreibt einen Vertrag für sich, einen für die Ehefrau und einen für den Sohn — alle auf den eigenen Namen. Drei Verträge in einem Monat, und plötzlich sinkt der SCHUFA-Score merklich.
Dem SCHUFA-Jahresbericht 2024 zufolge haben rund 91 Prozent der Verbraucher in Deutschland ausschließlich positive Einträge. Das bedeutet: Negativeinträge — obwohl sie die Minderheit darstellen — wirken sich unverhältnismäßig stark auf den Score aus.
SCHUFA-Bonitätsauskunft für Vermieter
Bei der Wohnungssuche verlangen die meisten Vermieter in Berlin eine sogenannte "SCHUFA-Bonitätsauskunft". Dieses Dokument unterscheidet sich von der kostenlosen Datenkopie. Es zeigt nur ausgewählte Informationen (ohne sensible Details) und kostet 29,95 Euro. Man kann es über meineSCHUFA.de oder in Postbank-Filialen in jedem Postamt beantragen. Auch einige Banken wie die Deutsche Bank bieten diesen Service für ihre Kunden an.
Ein praktischer Tipp: Das Dokument vorbereiten, bevor die Wohnungssuche beginnt. Vermieter in Vierteln wie Neukölln und Kreuzberg verlangen es bei der ersten Besichtigung — und wer es nicht dabei hat, verliert die Chance an andere Bewerber.
Was tun bei Fehlern in der Akte?
Manchmal enthalten SCHUFA-Daten Fehler. Eine bereits bezahlte Rechnung, die als überfällig eingetragen ist, oder ein gekündigter Vertrag, der noch angezeigt wird. In solchen Fällen hat man das Recht, direkt über die SCHUFA-Website Widerspruch einzulegen. Und falls innerhalb von vier Wochen keine zufriedenstellende Antwort kommt, besteht die Möglichkeit, eine Beschwerde beim Landesdatenschutzbeauftragten einzureichen. Das Verfahren ist kostenlos.
Am Ende ist das SCHUFA-System kein Feind — aber ein System, das verstanden werden will. Mit den Grundlagen anfangen, die typischen Fehler vermeiden und sich Zeit geben. Sarah, mit der wir angefangen haben? Nach 18 Monaten Disziplin hat sie ihre Wohnung in der Karl-Marx-Straße bekommen. Es braucht eben nur Geduld.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
المصادر / Quellen
- SCHUFA - Erklärung des Basisscore
- SCHUFA - Kostenlose Datenkopie nach DSGVO
- Verbraucherzentrale - SCHUFA: Was Verbraucher wissen sollten
- Destatis - Migration und Integration
- Berlin.de - Schuldnerberatung in Berlin
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