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Gemeinschaft

Arabische Gründerinnen erobern Berlin

Während Medien über Diskriminierung berichten, schaffen arabische Frauen in Berlin eigene wirtschaftliche Chancen. Von einer Heimküche in Neukölln bis zu einer Kreativagentur in Kreuzberg: Drei Gründerinnen erzählen, wie sie Bürokratie, Sprachbarrieren und kulturelle Erwartungen überwunden haben.

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فريق برليننا

Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.

•7. März 2026•4 Min. Lesezeit•46 Aufrufe
Arabische Gründerinnen erobern Berlin
Symbolbild

صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: wal_172619/Pixabay · Pixabay License

In einer kleinen Küche in Neukölln steht Sara jeden Morgen um vier Uhr auf. Sie knetet den Teig für syrische Teigtaschen, zählt Bestellungen auf ihrem Handy und schreibt Kunden auf Instagram an. Vor drei Jahren kochte sie nur für ihre Familie. Heute verkauft sie über 200 Bestellungen im Monat.

Sara ist kein Einzelfall. Allein in Berlin meldeten 2025 mehr als 4.600 ausländische Frauen ein neues Gewerbe an, so die IHK Berlin. Ein beachtlicher Teil davon: arabische Frauen, die ihre wirtschaftliche Zukunft selbst in die Hand nehmen — statt auf einen Arbeitsmarkt zu warten, der nicht immer offen für ihre Namen ist.

Während die Deutsche Welle über Karima Benbrahim und ihren Kampf gegen Diskriminierung berichtet, schauen wir auf die andere Seite der Geschichte: arabische Frauen, die nicht auf Systemveränderung warten, sondern einfach loslegen.

Frau arbeitet an ihrem Laptop in einem Café
Symbolbild. Photo by Brooke Cagle on Unsplash

Von der Küche auf den Markt

Sara (Name geändert) erzählte, die Idee sei aus Heimweh entstanden. „Ich suchte echte syrische Teigtaschen in Berlin und fand keine”, erklärte sie, während sie sich die Hände an einem Küchentuch abwischte. „Also dachte ich: Warum verkaufe ich nicht, was ich selbst mache?”

Der erste Schritt war der schwierigste. Die Gewerbeanmeldung — ein Besuch beim zuständigen Ordnungsamt, ein deutsches Formular, 26 Euro Gebühr. Aber das Formular war nicht das Problem. „Die Sprache war die echte Hürde”, betonte Sara. „Alles auf Deutsch — Verträge, Steuern, Krankenversicherung.”

Die Überraschung? Die Gründerinnenzentrale Berlin in der Anklamer Straße 38 in Mitte bietet kostenlose Einzelberatungen für gründungsinteressierte Frauen. Sara erfuhr erst ein Jahr nach ihrem Start davon. „Hätte ich das von Anfang an gewusst, hätte ich mir Monate voller Fehler erspart.”

Design ohne Grenzen

Noura, eine 34-jährige libanesische Grafikdesignerin, wählte einen anderen Weg. Sie kam 2019 nach Berlin und arbeitete zwei Jahre lang in Minijobs, bevor sie eine kleine Designagentur in Kreuzberg gründete. „Ich schickte Dutzende Bewerbungen. Keine Antwort”, berichtete sie nüchtern. „Mein arabischer Name schloss Türen, bevor sie sich überhaupt öffneten.”

Aber Noura gab nicht auf. Im Sommer 2021 meldete sie ihr Einzelunternehmen an und nutzte das Existenzgründungsportal des Bundeswirtschaftsministeriums für Informationen über Steuern und Versicherungen. Heute hat sie 8 feste Kunden — die meisten davon deutsche Kleinunternehmen, die Designs für ein vielfältiges Publikum brauchen.

Coworking-Space mit Computern und Schreibtischen
Symbolbild. Photo by Austin Distel on Unsplash

Zwischen zwei Kulturen

Die größte Herausforderung ist nicht nur die Bürokratie. Huda, eine irakische Unternehmerin Anfang vierzig, wies auf einen unerwarteten Druck hin: ihre Familie. „Meine Mutter verstand nicht, warum ich eine feste Stelle aufgebe und ein eigenes Geschäft starte”, erzählte sie lachend. „In unserer Kultur (besonders für Frauen) zählt Jobsicherheit mehr als alles andere.”

Huda leitet mittlerweile einen Übersetzungs- und Lokalisierungsservice für arabisch-deutsche Inhalte aus ihrer Wohnung in Charlottenburg. Sie begann 2023 mit einem einzigen Kunden und arbeitet heute mit 5 Marketingagenturen zusammen. Ihr monatliches Einkommen hat sich verdreifacht — den genauen Betrag nennt sie nicht.

Aber Huda warnte vor einem zu rosigen Bild. „Ein Unternehmen als arabische Frau in Deutschland zu gründen, ist kein Abenteuer. Es ist harte tägliche Arbeit — Steuern, Rechnungen, Versicherung und der endlose Papierkram beim Gewerbeamt.”

Wo anfangen?

Für Frauen, die den Schritt wagen wollen, gibt es Anlaufstellen — auch wenn sie nicht immer leicht zu finden sind. Die Gründerinnenzentrale in der Anklamer Str. 38 in Berlin-Mitte bietet kostenlose Einzelberatungen auf Deutsch und Englisch. Das Existenzgründungsportal der Bundesregierung stellt Steuerrechner und Businessplan-Tools kostenlos online bereit. Und der Berliner Gründungsbonus bot bis vor Kurzem bis zu 4.500 Euro Förderung für Neugründerinnen.

Die Gewerbeanmeldung selbst — dieser erste Schritt, vor dem sich viele fürchten — ist einfacher als gedacht. 26 Euro Gebühr, ein Formular, und das Gewerbe ist offiziell angemeldet. Das Schwierige kommt danach.

Lächelnde Frau in einer Arbeitsumgebung
Symbolbild. Photo by Christina @ wocintechchat.com on Unsplash

Auf die Frage nach ihrem Rat für arabische Frauen, die einen ähnlichen Schritt erwägen, hielt Sara kurz inne und antwortete dann: „Warte nicht, bis alles perfekt ist. Fang an und lerne unterwegs. Ich habe mit einem Kunafa-Teller angefangen — und heute habe ich ein richtiges Geschäft.”

Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Quellen / المصادر

  1. DW Arabic — Karima Benbrahim gegen Diskriminierung und Ausgrenzung
  2. Gründerinnenzentrale Berlin — Über uns und Beratungsangebote
  3. Existenzgründungsportal des BMWK — Informationen zur Selbstständigkeit
  4. Berlin.de — Gewerbe anmelden (Dienstleistung)
  5. IHK Berlin — Service und Beratung für Unternehmen
#Kochen#Essen#Familie#Arbeit#Gemeinschaft

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