Arabische Kueche: Frauen erobern Berlin
Im Ramadan steigt die Nachfrage nach arabischem Essen in Berlin stark an. Hinter vielen erfolgreichen Restaurants und Catering-Diensten stehen arabische Frauen, die Heimweh in florierende Geschaefte verwandelt haben - trotz buerokratischer Huerden und kultureller Erwartungen.
فريق برليننا
Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.

صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: elle_kh/Pixabay · Pixabay License
In einer kleinen Kueche in Neukoelln steht Noura vor einem riesigen Kunafa-Blech. Es ist vier Uhr morgens. Hinter ihr warten vierzig Bestellungen, die vor dem Iftar fertig sein muessen. Ihr Laecheln verraet die Muedigkeit nicht - wohl aber einen stillen Stolz darueber, dass sie es bis hierher geschafft hat. Allein.
Noura ist eine von Dutzenden arabischer Frauen, die ihre Berliner Wohnungskuechen in Unternehmen verwandelt haben. Die Geschichte beginnt fast immer gleich: Sehnsucht nach dem Geschmack der Heimat, dann Nachbarinnen, die bestellen, dann ein Instagram-Account und schliesslich ein Gewerbeschein. Klingt einfach. Ist es aber nicht.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind rund 230.000 Frauen mit auslaendischer Staatsangehoerigkeit in Deutschland selbststaendig taetig. Die Gastronomie gehoert zu den haeufigsten Branchen. Und gerade im Ramadan - der dieses Jahr im Maerz begann - steigt die Nachfrage nach arabischem Essen in Berlin spuerbar an.
Von der Wohnkueche zur Gewerbeanmeldung
Huda, eine Syrerin, die 2016 nach Berlin kam, erzaehlte, wie alles mit Mahshi und Kibbeh fuer arabische Familien in der Nachbarschaft begann. Sie habe woechentlich fuer zehn Familien aus ihrer Wohnung gekocht. Dass sie dafuer eine Genehmigung brauche, habe sie nicht gewusst. Der Wendepunkt kam, als ein deutscher Nachbar sie warnte: Ohne Gewerbeschein drohen Bussgelder von bis zu 5.000 Euro.
Der erste Schritt war die Gewerbeanmeldung beim Bezirksamt - ein Vorgang, der nur 26 Euro kostet, aber einen Berg an Unterlagen erfordert. Dann folgte das Gesundheitszeugnis vom Gesundheitsamt, wofuer eine Hygieneschulung auf Deutsch Pflicht ist. Und genau hier liegt das Problem: Viele Frauen (besonders die kuerzlich Angekommenen) verstehen die medizinischen Fachbegriffe nicht ausreichend.
Huda erklaerte, dass der gesamte Prozess bei ihr acht Monate dauerte. Das Schwierigste seien nicht die Formulare gewesen. Das Schwierigste war, ihren Mann zu ueberzeugen, dass das ein echtes Geschaeft ist - und kein Hobby.
Huerden jenseits der Buerokratie
Die groesste Huerde? Nicht die deutsche Buerokratie. Noura wies darauf hin, dass viele Frauen einem doppelten Druck ausgesetzt sind: einerseits die strengen deutschen Lebensmittelsicherheitsvorschriften, andererseits kulturelle Erwartungen, die Frauen in der Rolle der Hauskoechin sehen - nicht als Geschaeftsinhaberin.
Aber die Zahlen erzaehlen eine andere Geschichte. Die IHK Berlin berichtete, dass Neugruendungen im Gastronomie- und Cateringbereich 2025 um 14 Prozent gegenueber dem Vorjahr gestiegen sind, mit einem auffaelligen Anteil von Gruenderinnen arabischer Herkunft.
Samar, eine Palaestinenserin, die einen Catering-Service aus einer gemieteten Gewerbekueche an der Schoenhauser Allee betreibt, bestaetigte, dass der Ramadan alles veraendert hat. Im Ramadan bekomme sie Bestellungen im Wert von 3.000 Euro pro Woche. Iftar-Tafeln fuer Familien, fuer Firmen, sogar fuer Moscheen. Fuer den heiligen Monat hat sie drei syrische Frauen als Verstaerkung eingestellt.
Der Weg in die Gewerbekueche
Der Sprung von der Wohnkueche in eine lizenzierte Gewerbekueche ist nicht billig. Eine Gemeinschaftskueche in Berlin kostet ab 500 Euro monatlich; eine eigene Kueche kann bis zu 2.000 Euro kosten. Noura berichtete, dass sie sich das Geld von ihrem Bruder in Saudi-Arabien geliehen hat - denn die deutschen Banken (wenig ueberraschend) vergaben keinen Kredit ohne SCHUFA-Historie.
Huda betonte, dass die Bundesagentur fuer Arbeit mit dem Gruendungszuschuss ein Foerderprogramm fuer Arbeitslose anbietet, die sich selbststaendig machen wollen. Das sind bis zu 300 Euro monatlich ueber 15 Monate hinweg, zusaetzlich zum Arbeitslosengeld. Aber nur wenige arabische Frauen wissen davon.
Mehr als nur Essen
Was diese Frauen schaffen, geht weit ueber das Kochen hinaus. Wenn Samar eine Schuessel Mahshi an eine deutsche Familie in Charlottenburg liefert, verkauft sie nicht nur Essen. Sie baut eine Bruecke. Und wenn Noura ihrer Teenager-Tochter beibringt, die Buchhaltung in Excel zu fuehren, statt nur das Kunafa-Rezept zu lernen, definiert sie neu, was eine arabische Frau in der Fremde sein kann.
Noura erklaerte, waehrend sie das letzte Blech aus dem Ofen holte: Meine Mutter war die beste Koechin in ganz Aleppo. Niemand hat ihr je einen Cent dafuer gezahlt. Ich koche wie sie - aber ich stelle Rechnungen.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphaere geaendert.
المصادر / Quellen
- Statistisches Bundesamt - Arbeitsmarktstatistik und Selbststaendigkeit
- Berlin.de - Gewerbeanmeldung (Gewerbe anmelden)
- IHK Berlin - Existenzgruendung und Unternehmensfoerderung
- Bundesagentur fuer Arbeit - Angebote fuer Menschen aus dem Ausland
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