Auf Goethes Spuren: Neuer Kulturweg
Vor 240 Jahren reiste Johann Wolfgang von Goethe nach Italien - eine Reise, die sein Leben und Werk veraenderte. Jetzt machen Deutschland und Italien diese Reise zu einem kulturellen Wanderweg zwischen beiden Laendern.
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: Christopher Gower/Unsplash
Am 3. September 1786 verliess ein 37-jaehriger Mann im Schutz der Nacht die Stadt Karlsbad. Er sagte niemandem Bescheid - nicht einmal dem Herzog von Weimar, an dessen Hof er arbeitete. Sein Ziel: Italien. Sein Name: Johann Wolfgang von Goethe.
Was Goethe ueber diese Reise in seinem Buch Italienische Reise schrieb, wurde zu einem der wichtigsten Werke der europaeischen Literatur. Und jetzt, zweieinhalb Jahrhunderte spaeter, wollen Deutschland und Italien diese Reise zu etwas machen, das man selbst erleben kann.
Die Kulturministerien beider Laender kuendigten diese Woche ein gemeinsames Projekt an: den Goethe-Kulturweg - eine Route von Weimar nach Rom, ueber Muenchen, Innsbruck, Venedig und Florenz. Nicht nur ein Touristenpfad, sondern ein umfassendes kulturelles Erlebnis.
Warum Goethe? Warum jetzt?
Goethe ist nicht einfach nur ein deutscher Dichter. Er ist ein Symbol fuer europaeischen Kulturaustausch - zwei Jahrhunderte bevor es die EU gab. Seine Italienreise (1786-1788) war kein Tourismus im modernen Sinne. Sie war eine Suche nach sich selbst, nach Kunst, nach dem Sinn des Lebens.
Kulturstaatsministerin Claudia Roth betonte auf einer Pressekonferenz: In einer Zeit, in der Nationalismen zunehmen, muessen wir uns daran erinnern, was uns als Europaeer verbindet. Goethe hat das vor allen anderen verstanden.
Was wird der Weg beinhalten?
Laut den von der Deutschen Welle veroeffentlichten Details wird das Projekt umfassen:
Informationstafeln entlang der Strecke in drei Sprachen (Deutsch, Italienisch, Englisch), die die Geschichte jeder Station erzaehlen. Kleine Museen in den Staedten, in denen Goethe Station machte, mit Kopien seiner Briefe und Zeichnungen. Und eine Smartphone-App, mit der Besucher Auszuege aus der Italienischen Reise von professionellen Schauspielern vorgelesen bekommen.
Das vorlaeufige Budget: 12 Millionen Euro, haelftig von beiden Regierungen getragen. Geplante Eroeffnung: Fruehjahr 2027.
Was bedeutet das fuer Araber in Deutschland?
Goethe mag weit entfernt von den Interessen der arabischen Community erscheinen. Aber Moment. Adonis, der grosse syrische Dichter, schrieb einmal, dass Goethe der erste Europaeer war, der arabische Poesie wirklich verstand. Goethes West-oestlicher Divan (1819) ist von Hafis inspiriert - mit Gedichten ueber Migration, Fremdsein und die Suche nach Identitaet.
Ein Literaturwissenschaftler wies darauf hin, dass Goethe auf seine eigene Weise ein Migrant war. Er floh vor seinem Job, vor den Erwartungen seiner Gesellschaft, auf der Suche nach einem anderen Leben. Das ist ein Gefuehl, das jeder versteht, der seine Heimat verlassen hat.
Und fuer arabische Familien in Deutschland bietet der neue Weg eine Chance, die deutsche Kultur aus einem anderen Blickwinkel zu verstehen - nicht durch Buerokratie und Gesetze, sondern durch Poesie, Kunst und Natur.
Stationen auf dem Weg
Weimar: Der Ausgangspunkt. Hier lebte Goethe den groessten Teil seines Lebens, hier schrieb er Faust. Die kleine Stadt (65.000 Einwohner) beherbergt die Klassik Stiftung Weimar, die sein Haus und Museum verwaltet.
Venedig: Goethe erreichte die Stadt im Oktober 1786. Er schrieb: Endlich kann ich sagen, dass ich das Meer gesehen habe. Er hatte vorher nie das Meer gesehen - mit 37 Jahren.
Rom: Hier verbrachte er fast zwei Jahre. Er sagte: Erst hier habe ich verstanden, was das Wort Mensch bedeutet. Die Wohnung, in der er in der Via del Corso lebte, steht noch und wird Teil der Route sein.
Kritik und Fragen
Nicht alle sind begeistert. Einige Kritiker bezeichnen das Projekt als elitaeren Tourismus, der nur gebildeten Schichten dient. Andere fragen: Warum 12 Millionen Euro fuer ein Kulturprojekt, waehrend deutsche Museen unter Geldmangel leiden?
Aber beide Regierungen entgegnen, dass das Projekt wirtschaftliche Vorteile bringen wird: Hotels, Restaurants, Reisefuehrer in den kleinen Staedten entlang der Route. Und das Wichtigste - wie die italienische Ministerin betonte - eine Investition in die gemeinsame europaeische Identitaet.
Goethe schrieb am Ende seiner Reise: Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele. Hier ist der Schluessel zu allem. Vielleicht brauchen Araber in Deutschland - von denen die meisten Goethe nie gelesen haben - einen aehnlichen Schluessel, um dieses fremde Land zu verstehen, das ihre neue Heimat geworden ist.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphaere geaendert.
Quellen
- Deutsche Welle - Themen
- Klassik Stiftung Weimar
- Goethe-Institut
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