Wirtschaft

Binance: Erstattung ist keine Garantie

Binance berichtet nach dem Hackerangriff von weitgehend ersetzten Kundengeldern.

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Bildquelle: Bretwa · CC BY-SA 4.0

Redaktioneller BelegVon der Berlinuna Redaktion1 offizielle LinksAktualisiert 2. November 2026Methodik
Quellenbeleg

3,64 Milliarden Dollar haben Kunden nach Angaben von Binance abgezogen. Das meldet die tagesschau am 2. November 2026. Die Summe entspreche laut Unternehmen 2,1 Prozent der verwalteten Vermögenswerte. Sie beschreibt Abhebungen von Kunden und darf nicht als Schadenssumme des Hackerangriffs gelesen werden.

Den Wert der gestohlenen Vermögenswerte beziffert der Bericht auf 6,3 Milliarden Dollar. Binance habe nach eigenen Angaben inzwischen rund 95 Prozent der entwendeten Gelder aus Unternehmensreserven ausgeglichen. Diese Quote bezieht sich auf Gelder. Sie sagt nicht, dass 95 Prozent der Kunden vollständig entschädigt wurden, und belegt keinen Erstattungsanspruch für jedes einzelne Konto.

Auch der Zeitraum verlangt Genauigkeit: Der am Montag um 09:59 Uhr aktualisierte Bericht nennt die schrittweise Wiederaufnahme der Auszahlungen am Sonntag. Einen genauen Beginn und ein Ende der Messung für die 3,64 Milliarden Dollar nennt er nicht. Ebenso bleibt offen, ob sämtliche Abhebungen gemeint sind oder ein Saldo nach Abzug von Einzahlungen. Als Nettoabfluss über einen exakt bestimmten Zeitraum lässt sich die Zahl deshalb nicht ausweisen.

Was ein Verwahrer schuldet

Für die rechtliche Einordnung ist der Vertrag wichtiger als der Markenname in der App. Artikel 75 der EU-Verordnung MiCA auf EUR-Lex verpflichtet Anbieter, die Kryptowerte für Kunden verwahren und verwalten, zu einer Vereinbarung mit klar benannten Vertragspartnern. Darin müssen unter anderem die Dienstleistung, die Verwahrstrategie, die Sicherheitssysteme und das anwendbare Recht stehen. Hinzu kommen Aufzeichnungen über Kundenpositionen und Bewegungen sowie Verfahren zur sicheren Aufbewahrung der Werte oder ihrer Zugangsmittel.

Die Haftung ist an Voraussetzungen gebunden. Nach Artikel 75 Absatz 8 haftet der Anbieter für verlorene Kryptowerte oder Zugangsmittel, wenn der Verlust durch einen ihm zuzuschreibenden Vorfall entstanden ist. Die Haftung ist auf den Marktwert der verlorenen Kryptowerte zum Zeitpunkt des Verlusts begrenzt. Eine Erstattungsankündigung nach einem bestimmten Angriff ersetzt diese Prüfung nicht.

Der Artikel grenzt zugleich Vorfälle ab, die dem Anbieter nicht zuzuschreiben sind. Dafür muss dieser nachweisen, dass sie unabhängig von seiner Dienstleistung oder seinen Tätigkeiten eingetreten sind. Als Beispiel nennt der Text ein Problem beim Betrieb des Distributed Ledger, über das der Anbieter keine Kontrolle hat. Allein die Bezeichnung als Hackerangriff beantwortet die Haftungsfrage also noch nicht.

Welches Unternehmen führt das Konto?

Artikel 149 legt den allgemeinen Anwendungsbeginn von MiCA auf den 30. Dezember 2024. Für Dienstleister, die zuvor nach geltendem Recht tätig waren, sah Artikel 143 Absatz 3 eine Übergangsfrist vor: Sie durften bis spätestens 1. Juli 2026 oder bis zu einer früheren Zulassung oder Ablehnung weiterarbeiten, es sei denn, ihr Mitgliedstaat verkürzte die Frist oder verzichtete ganz darauf, weil er seinen vor dem 30. Dezember 2024 geltenden nationalen Rechtsrahmen für weniger streng hielt als MiCA. Beim Berichtsstand vom 2. November 2026 war auch der späteste Termin bereits verstrichen. Die aktuelle konsolidierte Fassung der Verordnung auf EUR-Lex stammt vom 9. Januar 2024; seitdem wurde sie nicht mehr geändert.

Aus diesen Daten allein ergibt sich jedoch nicht, welche Ansprüche ein bestimmter Binance-Kunde hat. Dafür müssen die juristische Person im Vertrag, ihr Zulassungsstatus, die konkrete Dienstleistung und die betroffenen Vermögenswerte geklärt werden. Auch der rechtliche Geltungsbereich gehört zur Prüfung. Ein Wohnsitz in Deutschland und das Binance-Logo reichen für eine Aussage über das einzelne Konto nicht aus.

Mit Belegen eine Antwort verlangen

Sichern Sie zunächst die Vertragsunterlagen mit Firmenname und Leistungsbeschreibung. Laden Sie Konto- und Transaktionsübersichten herunter. Halten Sie fest, welcher Kryptowert in welcher Menge fehlt und wann Sie die Abweichung bemerkt haben. Dazu gehören Transaktionskennungen, Mitteilungen der Plattform und bisherige Antworten des Supports.

Soweit die einschlägigen MiCA-Regeln auf Anbieter und Dienstleistung anwendbar sind, verpflichtet Artikel 71 zu einem veröffentlichten Beschwerdeverfahren. Kunden müssen Beschwerden kostenlos einreichen können und ein Muster dafür erhalten. Der Anbieter muss die Beschwerde untersuchen und das Ergebnis innerhalb eines angemessenen Zeitraums mitteilen. Ein bestimmtes finanzielles Ergebnis garantiert dieses Verfahren nicht.

Rufen Sie die Plattform über die gewohnte App oder Webadresse auf und verlangen Sie den offiziellen Beschwerdeweg für Ihren Vertragspartner. Benennen Sie den Fehlbetrag mit Menge, Kryptowert und Datum, fügen Sie die Unterlagen bei und bitten Sie um eine Eingangsbestätigung mit Vorgangsnummer. Fehlt schon der eindeutige Firmenname, verlangen Sie zunächst schriftlich diese Auskunft und die Zuordnung der betroffenen Verwahrleistung.

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