Ein heißes Bad senkte in einer kleinen Studie beide Blutdruckwerte stärker als eine Trainingseinheit auf dem Fahrradergometer. Das berichtet DW Arabic. Untersucht wurde ein Bad, bei dem der Körper bis etwa zur Brust im Wasser lag. Eine heiße Dusche lässt sich daraus ebenso wenig ableiten wie eine Änderung der Blutdrucktherapie.
Nach dem DW-Bericht untersuchte ein Forschungsteam der University of Western Australia 25 Menschen mit Übergewicht oder Adipositas. Ihr Durchschnittsalter betrug 59 Jahre. Alle nahmen an beiden Verfahren teil; die Reihenfolge wurde zufällig festgelegt. Zwischen den Terminen lagen mindestens 72 Stunden.
Das Bad dauerte 30 Minuten bei einer konstanten Wassertemperatur von 40 Grad Celsius. Die Einheit auf dem Fahrradergometer war genauso lang, bei einer Belastung von 60 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Diese Angaben aus dem DW-Bericht beschreiben den Versuchsaufbau. Sie sind keine Anleitung für ein Bad zu Hause.
Wie lange die Senkung anhielt, bleibt offen
Nach dem Radfahren veränderte sich der systolische, also obere Blutdruckwert laut DW kaum. Der diastolische, untere Wert sank leicht. Nach dem Bad gingen beide Werte zurück. Die Unterschiede bezeichnet der Bericht als statistisch signifikant, zugleich seien die individuellen Reaktionen sehr verschieden gewesen.
Wie groß die Senkung in mmHg war, nennt der Text nicht. Er gibt auch nicht an, wann nach den Sitzungen gemessen wurde und wie lange die niedrigeren Werte anhielten. Die Dauer des Bades ist keine Angabe zur Dauer seiner Wirkung. Offen bleibt zudem, ob alle Teilnehmenden Bluthochdruck hatten und welche Medikamente sie einnahmen. Aus dem Bericht lässt sich deshalb weder ein Nutzen für sämtliche Menschen mit Hypertonie noch ein Ersatz für eine langfristige Behandlung ableiten.
Was für die Behandlung zählt
Bei der Behandlung geht es darum, dauerhaft erhöhten Blutdruck und das Risiko seiner Folgen zu verringern. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nennt auf Gesundheitsinformation.de mehr Bewegung, weniger Salz, eine Gewichtsabnahme bei Übergewicht, wenig oder keinen Alkohol und den Verzicht auf Tabak. Bei manchen Menschen reichen solche Veränderungen aus. Zusätzlich oder alternativ kommen blutdrucksenkende Medikamente infrage, etwa wenn eine Umstellung nicht ausreichend hilft. Bei stark erhöhtem Blutdruck sind oft Medikamente nötig. Ihr Nutzen und ihre möglichen Nachteile müssen anhand des persönlichen Risikos für Folgeerkrankungen beurteilt werden.
Ein niedrigerer Wert nach dem Bad bedeutet außerdem nicht automatisch weniger Belastung für den gesamten Kreislauf. DW erklärt, dass Wärme die Hautgefäße erweitert und der Puls dabei steigen kann. Der Wasserdruck verändert die Blutverteilung und kann die Blutmenge erhöhen, die das Herz pro Minute pumpt. Auch ohne Muskelarbeit kann ein heißes Bad den Kreislauf beanspruchen. Der Vergleich einzelner Blutdruckwerte bewertet deshalb nicht die gesamten gesundheitlichen Vorteile regelmäßiger Bewegung.
Der DW-Bericht warnt: Bei bereits niedrigem Blutdruck kann starke Wärme Schwindel auslösen. Menschen mit instabilen Herzproblemen, unkontrolliertem Bluthochdruck oder anderen schweren Herzerkrankungen sollten vor heißen Bädern ärztlichen Rat einholen. Wer aus medizinischen Gründen mäßige körperliche Belastung vermeiden muss, sollte ein heißes Bad nicht automatisch für eine sichere Alternative halten. Menschen mit Bluthochdruck sollten laut Bericht auch abrupte Wechsel zwischen heißem und kaltem Wasser vermeiden.
Nehmen Sie den Bericht zum nächsten Gespräch in der Hausarztpraxis mit, zusammen mit Ihrer Medikamentenliste und wiederholten Blutdruckmessungen. Das IQWiG betont die Bedeutung mehrerer sorgfältiger Messungen und nennt die Hausarztpraxis als erste Anlaufstelle. Klären Sie dort, ob ein heißes Bad zu Ihrer gesundheitlichen Situation passt und was Ihre Messwerte für die Behandlung bedeuten. Ändern Sie wegen dieser Meldung weder die Dosis noch setzen Sie Medikamente eigenständig ab. Temperatur und Dauer des Versuchs sind keine persönliche Badeempfehlung.
Berlinuna Redaktion
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