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Diskriminiert? Sie haben nur zwei Monate
Zum Internationalen Tag gegen Rassismus: Das AGG gibt Betroffenen nur zwei Monate Zeit, um eine Diskriminierungsbeschwerde einzureichen. Eine Frist, die viele verpassen. Berlin hat mit dem LADG ein bundesweit einzigartiges Gesetz, das auch Diskriminierung durch Behörden abdeckt. Kostenlose Beratungsstellen gibt es in jeder Großstadt.
Berlinuna Redaktion
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Mehr als 8.800 Diskriminierungsbeschwerden gingen 2024 bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ein. Der am häufigsten genannte Grund: ethnische Herkunft und Rassismus. Am heutigen Internationalen Tag gegen Rassismus stellt sich eine einfache Frage: Wissen Betroffene überhaupt, welche Rechte sie haben?
Die Antwort ist ernüchternd. Denn das deutsche Antidiskriminierungsrecht hat eine Frist, die viele nicht kennen - und die sie um ihren Anspruch bringt.
Das AGG: Schutz mit kurzer Frist
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft, Religion und Rasse - im Arbeitsleben, bei der Wohnungssuche und im Dienstleistungsbereich. Eine Wohnungsabsage wegen des Nachnamens, eine Stellenabsage mit rassistischem Unterton, die Verweigerung einer Dienstleistung aufgrund des Aussehens: all das fällt unter den Schutzbereich des Gesetzes.
Aber hier kommt der entscheidende Punkt. Nach § 15 Abs. 4 AGG müssen Betroffene ihre Ansprüche innerhalb von zwei Monaten nach dem diskriminierenden Vorfall geltend machen. Zwei Monate. Wer diese Frist versäumt, verliert den Rechtsanspruch auf Entschädigung - unabhängig davon, wie klar der Fall ist.
Beraterinnen und Berater bei den Antidiskriminierungsberatungsstellen berichten, dass zahlreiche Betroffene (insbesondere Menschen mit geringen Deutschkenntnissen) erst nach Ablauf der Frist von ihrem Recht erfahren. Ein vermeidbarer Verlust - und einer, der sich mit besserer Information verhindern ließe.
Berlins Sonderweg: Das LADG
Berlin hat 2020 (als erstes und bislang einziges Bundesland) mit dem Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) ein bundesweit einzigartiges Gesetz eingeführt. Der Unterschied zum AGG ist erheblich: Während das Bundesgesetz nur Diskriminierung durch private Akteure abdeckt, erfasst das LADG auch Diskriminierung durch öffentliche Stellen - Bürgerämter, Ausländerbehörden, Polizei.
Und das ist kein theoretischer Schutz. Wer in Berlin bei einer Behörde diskriminierend behandelt wird, kann sich auf das LADG berufen und Entschädigung fordern. Die Landesstelle für Gleichbehandlung bestätigte, dass das Gesetz genau diese Lücke schließen soll, die das AGG im öffentlichen Bereich hinterlässt.
Kostenlose Beratung - überall
Was viele nicht wissen (und was den entscheidenden Unterschied machen kann): Man braucht keinen Anwalt, um den ersten Schritt zu machen. In jeder größeren deutschen Stadt gibt es Antidiskriminierungsberatungsstellen, die kostenlos beraten. Der Antidiskriminierungsverband Deutschland (advd) wies darauf hin, dass diese Stellen bei der Dokumentation helfen, die rechtliche Lage einschätzen und bei Bedarf auch den Kontakt zur Gegenseite aufnehmen.
Der wichtigste erste Schritt: den Vorfall sofort dokumentieren - Datum, Ort, was gesagt wurde, wer dabei war. Dann die nächste Beratungsstelle kontaktieren. Die Zwei-Monats-Frist beginnt ab dem Zeitpunkt der Diskriminierung, nicht ab dem Zeitpunkt, an dem man vom Gesetz erfährt. Das macht schnelles Handeln entscheidend.
Viele Beratungsstellen bieten ihre Dienste mehrsprachig an - auch auf Arabisch. Nachfragen lohnt sich.
Ein Tag, der an Rechte erinnert
Der 21. März ist mehr als ein symbolisches Datum. Er ist eine Erinnerung daran, dass Schutzinstrumente existieren - sie funktionieren aber nur, wenn Betroffene sie kennen und rechtzeitig nutzen. Der Unterschied zwischen einer erfolgreichen Beschwerde und einer verpassten Chance ist nicht immer die Stärke des Falls. Manchmal ist es schlicht die Frist.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar. Für eine individuelle Einschätzung wenden Sie sich bitte an Ihre nächste Antidiskriminierungsberatungsstelle.
Quellen
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- Aktualisiert
- 21. März 2026
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