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Handball vereint Nachbarn in Deutschland
Nach 7 Jahren erreicht Deutschland das EM-Finale im Handball. In den Public-Viewing-Hallen verschwinden die Grenzen zwischen arabischen Gemeinschaften und ihren deutschen Nachbarn – vereint durch gemeinsame Freude.
Berlinuna Redaktion
Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.
In einer Sporthalle in Berlin-Neukölln standen ein syrischer Mann im DFB-Trikot und sein deutscher Nachbar Seite an Seite, beide schrien gleichzeitig, als das entscheidende Tor fiel. Ein Moment, der keine Übersetzung braucht. Der Ball ging rein, die Freude war dieselbe.
Am vergangenen Mittwochabend besiegte die deutsche Handball-Nationalmannschaft Kroatien deutlich im Halbfinale der Europameisterschaft und zog erstmals seit 7 Jahren ins Finale ein. Dort wartet nun Dänemark - Titelverteidiger und eines der stärksten Teams der Welt - in einem Duell um die europäische Krone.
Aber die Geschichte hier ist nicht nur Handball. Es geht um jene Momente, in denen unsichtbare Grenzen zwischen Gemeinschaften verschwinden. Bei den Public-Viewing-Veranstaltungen, die in Städten wie Berlin, Köln und Hamburg stattfanden, saßen Menschen aus mehr als 15 Nationen nebeneinander. Spielt es eine Rolle, woher man kommt, wenn die eigene Mannschaft in letzter Sekunde trifft?
Ahmed und Martin wohnen seit 3 Jahren im selben Haus. Ahmed erklärte, dass sie in dieser ganzen Zeit nicht mehr als einen kurzen Gruß im Treppenhaus ausgetauscht hatten. "Aber als wir das erste Spiel zusammen im Café nebenan geschaut haben, wurden wir in 90 Minuten Freunde", fügte er lachend hinzu.
Und das ist kein Einzelfall. Eine Studie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zeigte, dass große Sportereignisse zu den wirksamsten Faktoren beim Aufbau sozialer Bindungen zwischen Einheimischen und Zugewanderten gehören. Die Zahlen sprechen für sich: Über 3,2 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund sind Mitglieder in deutschen Sportvereinen - rund 10 Prozent aller Mitglieder.
Das aktuelle Turnier, ausgetragen in Dänemark, Norwegen und Schweden, sah eine herausragende Leistung der deutschen Mannschaft, die 8 von 9 Spielen auf dem Weg ins Finale gewann. Bundestrainer Alfred Gislason betonte: "Die Unterstützung der Fans - auch aus der Ferne - macht einen echten Unterschied." Die deutschen Fans mit arabischen Wurzeln bildeten da keine Ausnahme.
Martin gestand, dass ihm sein Nachbar Ahmed zuerst die Handballregeln erklärt hatte. "Ich war überrascht, dass er das Spiel besser kennt als ich", räumte Martin ein. Tatsächlich genießt Handball in mehreren arabischen Ländern große Beliebtheit - Ägypten, Tunesien und Algerien gehören zu den stärksten Teams in Afrika und weltweit.
In Neukölln (wo Bewohner mit arabischem und türkischem Hintergrund einen großen Anteil ausmachen) organisierten mehrere Cafés gemeinsame Viewing-Abende während des Turniers. Die Betreiber eines dieser Lokale bestätigten, dass sich die Besucherzahl im Vergleich zu normalen Spielen verdreifacht hatte. Pfefferminztee neben deutschem Bier - ein Bild, das etwas zusammenfasst, was Politik allein nicht schaffen kann.
Und jetzt warten alle auf das Finale am Sonntag. Deutschland gegen Dänemark. 60 Minuten, die den Atem anhalten lassen. Aber für Ahmed und Martin und Tausende andere hat sich bereits etwas verändert - unabhängig vom Ergebnis. Manchmal braucht man keine gemeinsame Sprache. Man braucht nur einen Ball, ein Tor und einen gemeinsamen Tisch.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
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- 31. Januar 2026
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