Hormuz-Krise trifft arabische Überweisungen
Die Kosten für Geldtransfers aus Deutschland in arabische Länder sind seit der Hormuz-Krise um bis zu 15 Prozent gestiegen. Jemenitische, irakische und syrische Familien, die auf diese Überweisungen angewiesen sind, spüren den wachsenden Druck.
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: rimazrauf/Pixabay · Pixabay License
8,9 Prozent jeder Überweisung, die ein arabischer Einwohner Deutschlands an seine Familie schickt — so viel verschlingen Gebühren und Wechselkursdifferenzen derzeit. Vor zwei Monaten waren es noch 7,4 Prozent. Der Unterschied? Die Hormuz-Krise, über die kaum jemand aus diesem Blickwinkel spricht.
Seit Ende Februar 2026, als die militärischen Spannungen in der Straße von Hormuz eskalierten und Öltanker teilweise gestoppt wurden, liegt der Ölpreis über 100 Dollar pro Barrel. Aber was die Nachrichtensendungen nicht zeigten — und was für Tausende arabischer Familien in Berlin und anderen deutschen Städten weitaus wichtiger ist — das sind die direkten Auswirkungen auf die Kosten von Geldüberweisungen in die Heimat.
Laut den jüngsten Daten der Weltbank-Plattform für Überweisungskosten liegt der Durchschnittspreis für den Versand von 200 Dollar aus Deutschland in den Nahen Osten und Nordafrika normalerweise bei etwa 6,2 Prozent. Die Korridore in den Jemen, Irak und nach Syrien (über die Türkei oder den Libanon) verzeichnen jedoch einen drastischen Anstieg weit über diesen Durchschnitt hinaus. Einige Transferdienste haben ihren Betrieb vorübergehend eingestellt.
Die Zahlen sprechen für sich
Nach Schätzungen der KNOMAD-Plattform der Weltbank beliefen sich die Rücküberweisungen in den Nahen Osten und Nordafrika 2025 auf rund 65 Milliarden Dollar. Deutschlands Anteil daran wächst stetig — vor allem seit den Fluchtbewegungen ab 2015. Jede Störung der Ölmärkte und Schifffahrtswege wirkt sich unmittelbar auf die Finanzinfrastruktur der Golfstaaten aus, die als zentrale Knotenpunkte für diese Transfers fungieren.
Und hier wird es kompliziert. Ein erheblicher Teil der Überweisungen in den Jemen, Irak und nach Syrien läuft nicht über offizielle Bankkanäle. Hawala-Netzwerke — informelle Transfersysteme, die auf vertrauenswürdigen Vermittlern basieren — operieren häufig über die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain. Mit steigenden Seeversicherungskosten und verzögerten Handelslieferungen durch Hormuz sinkt die Liquidität dieser Vermittler.
Samer (Name geändert), ein Iraker, der seit 2017 in Berlin-Neukölln lebt, überweist monatlich 400 Euro an seine Mutter in Basra. Die Gebühren seien plötzlich gestiegen, bestätigte er: „Früher zahlte ich 12 Euro über einen Online-Dienst. Letzten Monat verlangten sie 19 Euro und meinten, die Umstände hätten sich geändert.“ Sieben Euro mehr klingen nach wenig — aber über ein Jahr sind das 84 Euro weniger, die seine Familie erreichen.
Jemen am härtesten betroffen
Daten des Weltbank-Preismonitors zeigen, dass der Überweisungskorridor in den Jemen der teuerste unter allen arabischen Korridoren ist. Die Gebühren erreichen mitunter 13 Prozent des überwiesenen Betrags. Der Grund liegt auf der Hand: Das Fehlen einer funktionierenden Bankinfrastruktur in weiten Teilen des Landes macht die Abhängigkeit von Hawala-Netzwerken nahezu unvermeidlich. Mit der aktuellen Hormuz-Krise schrumpfen diese Netzwerke weiter.
Die Internationale Organisation für Migration (IOM) wies darauf hin, dass Rücküberweisungen zwischen 15 und 20 Prozent des jemenitischen BIP ausmachen. Sie sind keine bloße Familienhilfe, sondern eine wirtschaftliche Lebensader. Steigen die Kosten um 3 bis 5 Prozentpunkte, verdampfen Millionen Dollar in Gebühren und Verzögerungen, statt auf dem Esstisch zu landen.
Ist dieser Zusammenhang den Entscheidungsträgern bewusst? Eine geopolitische Krise in einer Meerenge Tausende Kilometer von Deutschland entfernt übersetzt sich direkt in eine Familie in Sanaa, die sich diesen Monat keine Medikamente leisten kann.
Begrenzte Alternativen, steigende Kosten
Experten im Bereich Finanztransfers warnen, die Lage könne sich verschärfen, falls die teilweise Blockade der Meerenge andauere. Einige digitale Anbieter (wie Wise und Remitly) haben ihre Preise für betroffene Korridore bereits angehoben, während kleinere Unternehmen den Betrieb für bestimmte Zielländer ganz ausgesetzt haben. Die Alternative — klassische Banküberweisungen — bleibt langsam, teuer und setzt ein Bankkonto voraus, das der Empfänger im Irak oder Jemen möglicherweise gar nicht besitzt.
Das Statistische Bundesamt beziffert die Zahl der Menschen irakischer, syrischer und jemenitischer Herkunft in Deutschland auf über 800.000. Ein großer Teil von ihnen überweist regelmäßig Geld — jede Kostensteigerung trifft also eine breite Bevölkerungsschicht.
Vor dem Geldtransferschalter am Hermannplatz in Berlin ist die Schlange länger als sonst. Und die Gesichter — wer den Ort kennt, bemerkt es — wirken besorgter.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
المصادر / Quellen
- World Bank — Remittance Prices Worldwide (Country Corridors)
- KNOMAD — Global Remittances Data 2025
- IOM — Remittances and Development
- Destatis — Migration und Integration
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