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Irankrieg leert Berlins arabische Läden
Die Lieferkettenprobleme durch den Irankrieg treffen arabische Geschäfte und Restaurants in Berlin hart. Lebensmittelhändler kämpfen mit Preissprüngen und Engpässen bei Grundprodukten wie Tahini und Gewürzen. Manche suchen Alternativen aus der Türkei und Nordafrika, andere denken ans Aufgeben.
Berlinuna Redaktion
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Nader steht vor den Regalen seines Lebensmittelgeschäfts an der Sonnenallee in Neukölln und fährt mit den Fingern über die Lücken zwischen den Dosen. Hier stand die libanesische Tahini. Dort die irakische Dattelmarmelade. Und in der Ecke - die seit sieben Jahren nie leer war - die emiratische Sieben-Gewürze-Mischung. Alles weg.
"Jede Woche verschwindet ein neues Produkt", erzählte Nader, während er das Verbliebene ordnete. Der Vierzigjährige betreibt seit 2019 einen arabischen Lebensmittelladen. So etwas hat er noch nie erlebt. Aber der Krieg zwischen dem Iran und den USA am Golf hat alles verändert.
Seit der Eskalation der Militäroperationen nahe der Straße von Hormus Anfang 2026 sind die Seeschifffahrtsrouten aus dem Nahen Osten nach Europa massiv gestört. Nach Einschätzungen der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) sind über 800 Kleinunternehmen in der Hauptstadt betroffen, die auf Importe aus der Golfregion und dem Nahen Osten angewiesen sind. Die Zahlen sind drastisch - die Frachtkosten auf einigen Routen sind seit Januar um bis zu 300 Prozent gestiegen.
Die Tahini, die nicht ankommt
Nader ist kein Einzelfall. In Kreuzberg kämpft Salwa (Inhaberin eines kleinen palästinensischen Restaurants) mit denselben Problemen. Die Herstellungskosten für Hummus - ihr meistverkauftes Gericht - seien in nur zwei Monaten um 40 Prozent gestiegen, erklärte sie. "Die Tahini, die ich über einen Lieferanten aus dem Libanon via Dubai bekam, kommt nicht mehr an", bestätigte Salwa. "Die türkische Alternative ist okay, aber es schmeckt anders. Die Kunden merken das."
Aber geht es wirklich nur um Geschmack? Für viele in der arabischen Community (besonders Iraker, Syrer und Libanesen) sind diese Produkte keine bloßen Waren. Sie sind Identität. Das Gewürz, das nach Großmutters Küche riecht. Die Marmelade, die an Morgende in Beirut oder Bagdad erinnert.
Doch Nostalgie zahlt keine Rechnungen. Laut einem Bericht des Statistischen Bundesamts (Destatis) vom Februar 2026 sind die Preise für importierte Lebensmittel aus dem Nahen Osten im Jahresvergleich um 25 Prozent gestiegen. Die tatsächlichen Zahlen vor Ort (so die Ladenbesitzer) liegen deutlich höher.
Auf der Suche nach Alternativen
Anpassung. Das ist das Wort, das alle verwenden. Nader importiert jetzt Olivenöl aus Tunesien statt aus Syrien und kauft Gewürze von einem türkischen Lieferanten in Gaziantep. Salwa probiert marokkanische Tahini aus einer Fabrik in Marrakesch. Das Ergebnis? Akzeptabel, aber nicht perfekt.
Eine Umfrage des Berliner Einzelhandelsverbands ergab, dass rund 60 Prozent der arabischen Geschäfte in der Stadt seit Beginn der Krise mindestens einen Lieferanten gewechselt haben. Dieselbe Erhebung zeigte: 15 Prozent dieser Läden denken ernsthaft über eine Schließung nach, sollte der Krieg bis zum Sommer andauern. Fünfzehn Prozent - das sind Dutzende Geschäfte und Dutzende Familien.
Markus Weber, Sprecher der IHK Berlin, warnte: "Kleine Unternehmen, die von Migranten geführt werden, sind bei Lieferkettenunterbrechungen am verwundbarsten - weil sie oft nur auf einen oder zwei Lieferanten setzen." Er wies darauf hin, dass die Kammer kostenlose Beratungen anbiete, um diese Betriebe bei der Diversifizierung ihrer Bezugsquellen zu unterstützen.
Mehr als nur Geschäft
In Neukölln, Kreuzberg und Wedding sind arabische Läden nicht einfach nur Geschäfte. Sie sind Treffpunkte der Community. Orte, an denen man nach einer Wohnung fragt, die neuesten Nachrichten aus dem Kiez hört und einen arabischen Kaffee mit dem Inhaber trinkt. Ihre Schließung bedeutet mehr als einen wirtschaftlichen Verlust - sie reißt ein Stück aus dem sozialen Gefüge.
Ahmad Al-Hasan, seit zwölf Jahren im Import-Export-Geschäft tätig, betonte, dass einige Großhändler bereits alternative Lieferketten über marokkanische und tunesische Häfen aufbauen. "Das braucht Zeit", räumte Ahmad ein. "Vielleicht sechs Monate, bis sich die Preise etwas stabilisieren. Die Frage ist: Kann der kleine Ladenbesitzer so lange durchhalten?"
Nader kehrte zu seinen Regalen zurück. Er stellte eine türkische Tahini-Dose an den Platz, wo die libanesische stand. Er schaute sie einen Moment an, dann lächelte er - das Lächeln eines Mannes, der weiß, dass Überleben Kompromisse verlangt. "Wir sind Araber", sagte er und rückte die Dose zurecht. "Wir finden immer einen Weg. Aber diesmal ist der Weg länger."
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
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- 6. März 2026
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