Karima Benbrahim: Stimme gegen Rassismus
Am Internationalen Frauentag rückt Karima Benbrahim in den Fokus: Die Leiterin des IDA-NRW kämpft seit Jahren gegen strukturelle Diskriminierung in Deutschland. Ihre Geschichte — von einer marokkanisch-amazighischen Kindheit bis zur Anti-Rassismus-Arbeit — zeigt, was Betroffene tun können.
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In ihrem Buero in Duesseldorf oeffnet Karima Benbrahim eine neue Akte. Dutzende Beschwerden erreichen sie jeden Monat. Arabische und maghrebinische Frauen, die wegen ihres Namens keine Wohnung finden. Andere, die trotz bester Qualifikationen bei Bewerbungen aussortiert werden. Das Problem ist kein Einzelfall. Es ist strukturell.
Benbrahim, deren Eltern aus Marokko stammen, leitet seit Jahren das Informations- und Dokumentationszentrum fuer Antirassismusarbeit IDA-NRW in Nordrhein-Westfalen. Am Internationalen Frauentag, dem 8. Maerz 2026, steht ihr Name stellvertretend fuer Frauen, die persoenliche Erfahrungen mit Ausgrenzung in institutionelle Arbeit gegen Rassismus verwandelt haben.
Eine Kindheit, gepraegt vom Anderssein
Gegenueber der Deutschen Welle schilderte Benbrahim, wie sie frueh begriff, dass "Anderssein, Ausgrenzung und Barrieren Teil meiner Erfahrung sind — aber auch Quellen der Staerke". Der entscheidende Wendepunkt kam in den Neunzigern. Die rassistischen Angriffe in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen 1991 und 1992 — als Rechtsextreme Asylbewerberunterkuenfte attackierten — hinterliessen bleibende Spuren.
Diese Ereignisse haetten ihr gezeigt, "wie fragil Zugehoerigkeit fuer viele von uns ist", erlaeuterte sie. Kann sich ein Mensch wirklich als deutsch fuehlen, wenn Nachbarn wegen ihrer Herkunft angegriffen werden? Diese Frage trieb sie in die Wissenschaft und spaeter in die Menschenrechtsarbeit.
"Mehrfachdiskriminierung" im Alltag
Benbrahim verwies auf das Konzept der "Mehrfachdiskriminierung" — wenn Geschlecht, Migrationshintergrund, Religion und soziale Klasse gleichzeitig wirken. Laut der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gingen allein 2024 ueber 8.800 Beratungsanfragen ein. Frauen mit Migrationsgeschichte gehoerten zu den am haeufigsten vertretenen Gruppen.
Zahlen allein erzaehlen nicht die ganze Geschichte. Viele Frauen (besonders aus arabischen und nordafrikanischen Laendern) wissen gar nicht, dass das deutsche Recht sie schuetzt. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz AGG — in Kraft seit 2006 — gibt Betroffenen das Recht, innerhalb von zwei Monaten nach einem Diskriminierungsvorfall Beschwerde einzulegen. Aber wer sagt ihnen das?
Vom Buero auf die Strasse
Benbrahims Arbeit beschraenkt sich nicht auf Dokumentation und Forschung. Sie stellte ihr neues Projekt Space2share in Duesseldorf vor — einen Coworking-Space speziell fuer Menschen mit Diskriminierungserfahrung. Kein gewoehnliches Buero, sondern ein Ort fuer Workshops, Treffen der maghrebinischen Diaspora, Podcast-Aufnahmen und Lesungen.
Das Projekt sei "ein Ort, an dem niemand rechtfertigen muss, gehoert werden zu wollen", betonte Benbrahim. Und in einer Zeit, in der rechtsextreme Parteien in Deutschland sichtbar an Einfluss gewinnen, seien solche Raeume keine Luxusgueter. Sie seien Notwendigkeit.
Was tun bei Diskriminierung?
Benbrahim wies darauf hin, dass viele Araberinnen und Araber in Deutschland ihre Rechte nicht kennen. Der erste Schritt bestehe darin, den Vorfall genau zu dokumentieren — Datum, Ort, Zeugen. Dann koenne man sich an die Antidiskriminierungsstelle des jeweiligen Bundeslandes wenden oder die kostenlose Beratungshotline des Bundes anrufen. Nach dem AGG stehe Betroffenen bei nachgewiesener Diskriminierung im Bereich Arbeit, Wohnung oder Dienstleistungen eine finanzielle Entschaedigung zu.
Institutionen allein reichten nicht aus, fugte Benbrahim hinzu. Veraenderung brauche "institutionelles Umdenken und gesellschaftliches Bewusstsein" gleichermassen. Und Migrantinnen seien nicht nur Betroffene — sie seien Expertinnen ihrer eigenen Erfahrungen.
Eine Botschaft zum Frauentag
Weibliche Fuehrung im Kampf gegen Rassismus beruhe auf drei Saeulen, bekraeftigte Benbrahim: Mut zur Sichtbarkeit, Solidaritaet unter Frauen und beharrliches Eintreten fuer Wuerde — auch unter schwierigsten Bedingungen. Ihr Appell an arabische Frauen in Deutschland zum Abschluss: "Eure Perspektive, eure Erfahrungen und eure Stimme sind wertvoll — und ein fester Bestandteil der Gesellschaft, zu der ihr gehoert."
Quellen / المصادر
- DW Arabisch — Karima Benbrahim: Stimme der Migrantinnen gegen Diskriminierung (Maerz 2026)
- IDA-NRW — Informations- und Dokumentationszentrum fuer Antirassismusarbeit
- Antidiskriminierungsstelle des Bundes — Beratungsangebot
- Antidiskriminierungsstelle — Jahresberichte und Publikationen
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