Merz zurück aus Peking: Handel im Fokus
Bundeskanzler Friedrich Merz kehrte von seinem ersten China-Besuch mit Zusagen für eine neue Wirtschaftspartnerschaft zurück. Bei einem Handelsdefizit von 58 Milliarden Euro stellt sich die Frage: Was bedeutet das für arabische Arbeitnehmer in der deutschen Industrie?
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Bundeskanzler Friedrich Merz ist am Dienstagabend, dem 25. Februar, von seinem ersten China-Besuch zurückgekehrt. Zwei Tage Gespräche mit Staatspräsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Qiang in Peking. Die Botschaft: Deutschland will einen Neuanfang mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.
Die Reise kam zu einem kritischen Zeitpunkt. Das deutsche Handelsdefizit mit China lag 2024 bei rund 58 Milliarden Euro -- eine Zahl, die in Berlin für Unruhe sorgt. Und die Automobilindustrie, Deutschlands größter Industriezweig, spürt den Druck am stärksten.
Aber diese Zahlen sind nicht abstrakt. Über 780.000 Menschen arbeiten in der deutschen Automobilbranche (besonders an Standorten wie Stuttgart, München und Wolfsburg), und viele von ihnen sind direkt vom China-Geschäft abhängig.
Was hat Merz mitgebracht?
Der Kanzler erklärte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz, er strebe eine "ausgewogene Partnerschaft" und keinen Konfrontationskurs an. Deutschland wolle keinen Handelskrieg, betonte er, brauche aber einen fairen Zugang zu chinesischen Märkten. Laut einem Bericht der Deutschen Welle plädierte Merz für "Dialog statt Abschottung" -- ein deutlich anderer Ton als bei seinem Vorgänger Olaf Scholz.
Die chinesische Seite bestätigte ihre Bereitschaft, neue Sektoren für deutsche Unternehmen zu öffnen. Konkrete Details? Fehlanzeige.
Merz sprach auch den Ukraine-Krieg an und forderte Peking auf, stärker auf Moskau einzuwirken. Ein Balanceakt -- der neue Kanzler will zeigen, dass wirtschaftliche Interessen und politische Haltung zusammengehen können.
Was bedeutet das für arabische Arbeitnehmer?
Mehr als man zunächst denkt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit arbeiten Zehntausende arabischstämmige Menschen in der Fertigungs- und Logistikbranche -- genau jene Sektoren, die am stärksten vom China-Handel abhängen.
Ein syrischer Arbeiter in einem Stuttgarter Werk (der anonym bleiben möchte) berichtete, seine Kollegen verfolgten die China-Nachrichten mit wachsender Sorge. "Wenn die Exporte nach China sinken, hören wir von Schichtkürzungen", sagte er. Keine theoretische Angst -- Volkswagen kündigte Ende 2025 den Abbau tausender Stellen wegen rückläufiger China-Verkäufe an.
Und es geht nicht nur um Autos. In Logistikzentren in Hamburg und Duisburg (Endstation der chinesischen "Neuen Seidenstraße") arbeiten viele Menschen mit arabischem Hintergrund. Bessere Handelsbeziehungen würden mehr Warenverkehr bedeuten -- und damit mehr Arbeit.
Reichen Versprechen?
Wirtschaftsexperten warnen: Chinesische Zusagen bleiben oft folgenlos. Die IHK Berlin wies in einem aktuellen Bericht darauf hin, dass deutsche KMU nach wie vor auf erhebliche bürokratische Hürden beim Marktzugang stoßen.
Das Handelsdefizit ist kein neues Problem. Aber es hat sich verschärft: Die deutschen Exporte nach China sanken 2024 um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig überfluteten günstigere chinesische E-Autos den europäischen Markt.
Analysten räumten ein, dass Merz einen schwierigen Spagat versucht. Einerseits will er die Abhängigkeit von China reduzieren (Scholz nannte das "De-Risking"). Andererseits braucht er den chinesischen Markt, um eine stagnierende deutsche Industrie zu stützen.
Für arabische Arbeitnehmer in Deutschland (rund 1,5 Millionen Menschen im Arbeitsmarkt laut Destatis) ist die Rechnung einfach: Eine starke deutsche Industrie bedeutet sichere Arbeitsplätze. Und jede Erschütterung trifft zuerst die zuletzt Eingestellten -- unter ihnen viele mit Migrationsgeschichte.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Peking-Besuch der Anfang einer echten Handelswende war oder diplomatische Routine. Eines aber steht fest: Was in der Großen Halle des Volkes besprochen wird, wirkt sich bis in die Produktionshallen von Wolfsburg und Stuttgart aus -- und bis zu arabischen Familien in Neukölln und Bielefeld, die auf diese Jobs angewiesen sind.
Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.
Quellen
- DW Arabic - Ist Merz mit mehr als Versprechen aus China zurückgekehrt? (Feb. 2026)
- DW Arabic - Merz führt Gespräche mit chinesischer Führung (Feb. 2026)
- Destatis - Migration und Integration Statistiken
- Bundesagentur für Arbeit - Für Menschen aus dem Ausland
- IHK Berlin - Service und Beratung
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