Mit 70 in Rente? Deutsche Debatte beunruhigt arabische Arbeitnehmer
Mit alternder Bevölkerung und Arbeitskräftemangel fordern deutsche Experten die Anhebung des Rentenalters auf 70. Welche Auswirkungen hat das auf Migranten, die später mit Rentenbeiträgen begannen?
فريق برليننا
Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.
Lorem Picsum
Mahmoud arbeitet seit zehn Jahren im Bauwesen in Frankfurt. Er ist jetzt 48 und sein Rücken schmerzt jeden Morgen.
Er hatte berechnet, dass er mit 67 in Rente geht - dem aktuellen gesetzlichen Rentenalter in Deutschland. Aber als er die jüngsten Nachrichten über eine mögliche Anhebung auf 70 hörte, hörte er auf zu rechnen. "Kann ich körperlich bis 70 im Bau arbeiten?"
Warum wird jetzt über eine Anhebung des Rentenalters gesprochen?
Die Zahlen sind klar und besorgniserregend.
Laut Statistischem Bundesamt wird es bis 2035 12,9 Millionen Menschen über 67 in Deutschland geben - 22% mehr als heute. Im Gegensatz dazu wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter (20-66) um 4,2 Millionen sinken.
Die Gleichung ist einfach: Weniger Arbeitnehmer zahlen für mehr Rentner.
Im Dezember 2024 veröffentlichte die Bundesbank einen deutlichen Bericht: Um die Nachhaltigkeit des Rentensystems zu gewährleisten, muss das gesetzliche Rentenalter schrittweise bis 2042 auf 69 angehoben werden - und möglicherweise danach auf 70.
Wer unterstützt die Idee? Wer ist dagegen?
Die politische Landschaft ist klar gespalten.
Die Grünen und die FDP zeigten Offenheit für die Idee und verwiesen auf die gestiegene Lebenserwartung - Deutsche leben jetzt durchschnittlich bis 81, verglichen mit 76 in den Neunzigern.
Auf der anderen Seite lehnen SPD und Die Linke die Idee vehement ab. SPD-Chef Lars Klingbeil sagt: "Das Rentenalter anzuheben bedeutet, Arbeiter zu bestrafen, die Jahrzehnte in harten Jobs verbracht haben."
Gewerkschaften sind ebenfalls gegen die Idee. "Nicht jeder ist Arzt oder Büroangestellter", sagt Verena Bentele vom DGB. "Der Körper eines Bauarbeiters oder einer Krankenschwester ist in den Sechzigern erschöpft."
Doppelte Auswirkungen auf arabische Arbeitnehmer
Für arabische Arbeitnehmer in Deutschland ist diese Debatte mehr als nur Politik - es ist ihre Zukunft.
Das erste Problem: Der späte Start.
Das deutsche Rentensystem basiert auf der Anzahl der Beitragsjahre. Für eine volle Rente benötigen Sie 45 Jahre Beiträge. Viele Araber kamen in ihren Dreißigern oder Vierzigern nach Deutschland - Jahre nachdem Deutsche begannen.
Ahmed, ein syrischer Ingenieur, kam 2015 im Alter von 35. Wenn er mit 67 in Rente geht, hat er nur 32 Beitragsjahre. Seine Rente? Etwa 60% der vollen Rente.
Wenn das Alter auf 70 angehoben wird? Er bekommt 3 zusätzliche Jahre Beiträge - aber lohnt es sich, drei weitere Jahre für eine geringfügige Rentenerhöhung zu arbeiten?
Das zweite Problem: Art der Jobs.
Laut BAMF-IAB Studie 2023 arbeiten 42% der syrischen Flüchtlinge in Deutschland in körperlich anspruchsvollen Jobs: Bau, Reinigung, Logistik, Fertigung.
Das sind keine Jobs, die man leicht bis 70 machen kann. Ein kaputter Rücken kümmert sich nicht um das gesetzliche Rentenalter.
Alternative Lösungen: Gibt es einen dritten Weg?
Statt das Alter für alle zu erhöhen, schlagen einige Experten ein flexibleres System vor.
Das österreichische Modell erlaubt "Schwerarbeitsberechnung" - körperlich anstrengende Jobs zählen mit höherem Faktor. Ein Jahr im Bau = 1,5 Jahre in der Rentenberechnung.
Ein anderes Modell: Teilrente. Deutschland erlaubt bereits Teilrente - Arbeitsstunden reduzieren und Teilrente beziehen. Aber wenige wissen davon.
Fatima, eine Krankenschwester aus Bagdad, die in einem Hamburger Krankenhaus arbeitet, nutzt dieses System. Mit 64 reduzierte sie ihre Stunden von 40 auf 25 pro Woche und erhält Teilrente zum Ausgleich.
"Mein Körper kann nicht mehr Vollzeit", sagt sie. "Aber ich kann Patienten ein paar Tage pro Woche helfen. Dieses System hat mich gerettet."
Was können Sie jetzt tun?
Die endgültige Entscheidung ist noch nicht getroffen. Aber warten Sie nicht auf Politiker, um Ihre Zukunft zu schützen.
1. Überprüfen Sie Ihr Rentenkonto
Einmal jährlich, fordern Sie Renteninformation von der Deutschen Rentenversicherung an. Dies zeigt Ihnen genau, was Sie bekommen werden - realistisch könnte es weniger sein als erwartet.
2. Denken Sie an Riester oder Rürup
Private Altersvorsorge wird staatlich gefördert. Riester-Rente gibt Ihnen bis zu 175 Euro jährlich vom Staat, plus Steuerabzüge auf Ihre Beiträge.
3. Nutzen Sie Teilrente
Wenn Sie über 63 sind und sich erschöpft fühlen, warten Sie nicht bis 67. Teilrente ermöglicht es Ihnen, die Arbeit schrittweise zu reduzieren.
4. Berechnen Sie Arbeitsjahre in Ihrem Land
Deutschland hat Sozialversicherungsabkommen mit einigen arabischen Ländern (Türkei, Tunesien, Marokko). Ihre Arbeitsjahre dort könnten teilweise angerechnet werden.
Fazit: Vorbereitung wichtiger als Protest
Mahmoud, der Bauarbeiter, mit dem wir begannen, kann die deutsche Rentenpolitik nicht ändern. Aber er begann zu handeln.
Er eröffnete letztes Jahr ein Riester-Konto. Er zahlt 100 Euro monatlich - der Staat fügt 175 Euro jährlich hinzu. In 12 Jahren wird er etwa 20.000 Euro zusätzlich haben.
"Ich verlasse mich nicht nur auf die Regierung", sagt er klar. "Mein Rücken wartet nicht auf Parlamentsentscheidungen."
Die Anhebung des Rentenalters könnte passieren oder nicht - die Wahlen 2025 werden die Richtung bestimmen. Aber Ihre Rentenzukunft wird heute gebaut, durch Ihre persönlichen Entscheidungen, nicht durch politische Erklärungen.
المصادر / Quellen
- Statistisches Bundesamt - Demografischer Wandel
- Bundesbank - Rentenpolitik Stellungnahmen
- Deutsche Rentenversicherung - Renten-FAQ
- BAMF-IAB Studie - Geflüchtete im Arbeitsmarkt
- Bundesfinanzministerium - Riester-Rente
- Deutsche Rentenversicherung - Internationale Abkommen
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