Wer für mehr Anziehung das Deo weglässt und seltener duscht, verändert seine Körperpflege auf Grundlage eines unbelegten Versprechens. Unter dem Namen „Pheromone Maxxing“ kursiert genau dieser Rat in sozialen Medien, berichtet DW Arabic. Die Idee dahinter: Natürlicher Körpergeruch soll vermeintliche Pheromone bewahren und dadurch attraktiver machen. Die im Bericht zusammengefasste Forschung belegt diesen Nutzen nicht.
Dass der Geruch eines Menschen angenehm oder anziehend wirken kann, stellt der Bericht nicht infrage. Positive Erinnerungen und Gefühle können dabei eine Rolle spielen. Daraus folgt aber noch keine wissenschaftlich begründete Empfehlung, auf Duschen oder Deo zu verzichten.
Für den Begriff Pheromon gelten engere Kriterien: Ein abgegebener chemischer Stoff muss bei einem anderen Individuum derselben Art verlässlich eine Reaktion auslösen. Wie stark etwas riecht, ist dafür kein Maßstab. DW stützt sich auf einen Beitrag zweier Forschender bei The Conversation. Demnach wurde beim Menschen bisher kein Stoff identifiziert, der die wissenschaftlichen Kriterien eines menschlichen Pheromons erfüllt.
Auch die bekannte Forschung mit getragenen T-Shirts liefert keine Grundlage für den Trend. Laut DW bevorzugten Frauen in einer Studie von 1995 den Geruch von Männerhemden, wenn sich die mit dem Immunsystem verbundenen MHC-Gene der Männer von ihren eigenen unterschieden. Eine Metaanalyse von 2020 fand jedoch keinen klaren allgemeinen Effekt, der diesen Zusammenhang bestätigte. Sie verwies zudem auf eine mögliche Bevorzugung positiver Studienergebnisse bei der Veröffentlichung.
Mehr Geruch wäre ohnehin kein Nachweis für mehr Pheromone. Frischer Schweiß besteht dem Bericht zufolge zu etwa 99 Prozent aus Wasser und ist nahezu geruchlos. Körpergeruch entsteht vor allem durch die Aktivität von Bakterien auf der Haut. Ob jemand stärker riecht, beantwortet deshalb nicht die Frage, ob er anziehender wirkt.
Achseln, Leistenbereich und Füße mindestens zweimal täglich mit Seife waschen und gründlich abtrocknen: Dazu rät der britische Gesundheitsdienst NHS bei Körpergeruch. Er empfiehlt außerdem Deodorants und Antitranspirants sowie regelmäßiges Wechseln und Waschen der Kleidung.
Wer für die Reinigung eine mildere Alternative zu Seife sucht, kann sich laut NHS in der Apotheke beraten lassen.
Bessert sich der Körpergeruch trotz eigener Pflegemaßnahmen nicht und belastet er das Selbstwertgefühl, empfiehlt die NHS-Seite ärztlichen Rat. Gleiches gilt bei ausbleibender Besserung, wenn sich der gewohnte Geruch verändert oder man plötzlich wesentlich mehr schwitzt als sonst.
Für ein ärztliches Gespräch hilft eine kurze Notiz: Seit wann fällt die Veränderung auf, und welche Pflegemaßnahmen wurden bereits versucht? Wer dagegen wegen eines Videos seine Routine ändern will, sollte zuerst den Beleg für dessen konkretes Versprechen suchen. Der wissenschaftlich klingende Name des Trends ersetzt ihn nicht.
Berlinuna Redaktion · Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.
So arbeiten wir: redaktionelle MethodikWeiter von hier
Passende Lektüre, ein praktischer nächster Schritt oder das Spiel des Tages.
- 01
Depression: Was die Ernährungsstudie zeigt
85 Prozent weniger hochverarbeitete Lebensmittel: Diese Zahl aus einem DW-Bericht beschreibt die Ernährungsumstellung, nicht die Besserung depressiver Beschwerden. Wie stark sich die Symptome bei den 20 Teilnehmenden veränderten, beziffert der Bericht nicht. Wer seine Ernährung ändern möchte, braucht deshalb realistische Erwartungen. Für das nächste Gespräch in der behandelnden Praxis stellen sich konkrete Fragen: Welcher Nutzen ist belegt, welcher Aufwand machbar und wie passt eine Änderung zur laufenden Behandlung?
Gesundheitفريق برليننا - 02
Vitamine kaufen: Was die Packung sagt
Wer Vitaminpräparate regelmäßig nachkauft, gibt immer wieder Geld für eine erhoffte Wirkung aus. Die Angaben auf der Packung können helfen, das Produkt einzuordnen. Sie beantworten aber nicht automatisch die Frage nach dem persönlichen Bedarf. Wer Tagesportion und Nährstoffmengen richtig liest, kann die Kosten pro Tag berechnen und mit konkreten Fragen zum nächsten Gespräch in die Apotheke gehen.
Gesundheitفريق برليننا
