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Gemeinschaft

Ramadan-Tafeln gegen die Teuerung

Steigende Lebensmittelpreise treffen arabische Familien in Deutschland besonders hart. In Berlin, Hamburg und München organisieren Moscheegemeinden und Nachbarschaftsinitiativen gemeinsame Iftar-Tafeln, Kochkreise und Lebensmittelbanken gegen die Krise.

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فريق برليننا

Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.

•10. März 2026•3 Min. Lesezeit•59 Aufrufe
Ramadan-Tafeln gegen die Teuerung
Symbolbild

صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: apyfz/Pixabay · Pixabay License

Im Gemeindesaal der Omar-Ibn-Al-Khattab-Moschee in Berlin-Kreuzberg stehen weiße Plastiktische in langen Reihen. Es ist kurz vor halb sieben abends, wenige Minuten vor dem Fastenbrechen. Umm Khaled, eine syrische Frau Anfang fünfzig, stellt die letzte Reisplatte auf den Tisch und wischt sich die Stirn. "Heute haben wir für hundertzwanzig Leute gekocht," sagt sie. "Letztes Jahr waren es nur achtzig."

Der Unterschied liegt nicht an mehr Freiwilligen. Mehr Familien brauchen Hilfe.

Der Ramadan 2026 fällt in eine beispiellose Teuerungskrise. Die Lebensmittelpreise sind laut Statistischem Bundesamt um 8,4 Prozent gestiegen. Pflanzenöle allein verteuerten sich um mehr als 15 Prozent, und bei Reis und Fleisch sieht es kaum besser aus. Aber die arabischen Gemeinschaften in Deutschland haben nicht auf Hilfe von außen gewartet — sie haben sich selbst organisiert.

Gemeinsam zubereitetes Essen auf einem großen Tisch
Symbolbild. Photo by Brooke Lark on Unsplash

Gemeinsam kochen, gemeinsam sparen

In Neukölln — dem Herzen der arabischen Diaspora in Berlin — sind in den vergangenen Wochen sogenannte "Kochkreise" entstanden. Das Prinzip ist einfach: Jede Familie bringt mit, was sie kann, und gekocht wird gemeinsam in einer Gemeinschaftsküche. Die Kosten pro Person sinken dabei um rund 40 Prozent im Vergleich zum individuellen Kochen zu Hause.

Muna al-Ahmad, Koordinatorin bei einer arabischen Hilfsorganisation in Berlin, erklärte, dass sich die Nachfrage nach gemeinsamen Iftar-Tafeln in diesem Jahr verdoppelt habe. "Wir bekommen täglich Anrufe von Familien (viele davon zum ersten Mal), die nach kostenlosen Iftar-Terminen fragen." Die Initiative versorge derzeit rund 350 Menschen täglich an drei verschiedenen Standorten.

Das größte Problem? Die Finanzierung. Spenden, die früher einen ganzen Monat reichten, sind jetzt nach zwei Wochen aufgebraucht.

Von Hamburg bis München

Das Phänomen beschränkt sich nicht auf Berlin. In Hamburg hat das Islamische Zentrum in der Steinstraße das Projekt "Sufra Ramadan" gestartet, das wöchentlich 200 Familien mit fertigen Iftar-Mahlzeiten versorgt. Die Organisatoren wiesen darauf hin, dass 60 Prozent der Empfänger arabische Familien seien, die in den letzten fünf Jahren nach Deutschland gekommen sind — Familien, die noch kein soziales Netz aufgebaut haben.

Menschen teilen eine Mahlzeit an einem langen Tisch
Symbolbild. Photo by Spencer Davis on Unsplash

In München nimmt die Solidarität eine andere Form an. Salma, eine irakische Mutter von drei Kindern, berichtete, wie sie einer WhatsApp-Gruppe mit 45 Familien beigetreten ist, die täglich Gerichte austauschen. "Jeden Tag kochen fünf Familien für den Rest der Gruppe. Das heißt, ich koche nur einmal pro Woche statt jeden Tag." Nach ihrer Schätzung spart ihre Familie dadurch rund 180 Euro im Monat.

Aber reichen diese Initiativen, um die Lücke zu schließen?

Lebensmittelbanken in Moscheen

Deutsche Hilfsorganisationen warnen, dass die Teuerung eine neue Bevölkerungsschicht in die Bedürftigkeit treibt. Laut einem Bericht der Tafel Deutschland (dem größten Lebensmittelbanken-Netzwerk des Landes) ist die Zahl arabischer Nutzer seit Anfang 2026 um 22 Prozent gestiegen. Moscheen füllen einen Teil dieser Lücke mit wöchentlichen Lebensmittelkörben — Reis, Öl, Datteln und Linsen, die Grundzutaten für den Ramadan-Tisch.

Freiwillige bereiten Lebensmittelpakete zur Verteilung vor
Symbolbild. Photo by Joel Muniz on Unsplash

Dr. Sara Yildiz von IslamiQ betonte, dass es um weit mehr als Essen gehe. "Diese Initiativen schaffen ein soziales Netz. Viele Familien (besonders in kleineren Städten) fühlen sich isoliert. Das gemeinsame Fastenbrechen gibt ihnen ein Zugehörigkeitsgefühl, das mindestens so wichtig ist wie die Mahlzeit selbst."

Und genau das hat auch Umm Khaled in Berlin beobachtet. Nach drei Wochen Ramadan ist der Gemeindesaal längst mehr als ein Essensort. Hier tauschen die Leute Telefonnummern arabischsprachiger Ärzte aus, Tipps zur Aufenthaltserlaubnis — und sogar neue Kochrezepte. Solidarität, so scheint es, füllt nicht nur den Magen. Sie füllt etwas Tieferes.

Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Quellen

  1. Statistisches Bundesamt — Verbraucherpreisindex
  2. Tafel Deutschland — Zahlen und Fakten
  3. Deutsche Welle Arabisch — Deutschland
  4. IslamiQ — Nachrichten über Muslime in Deutschland

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