"Wohnung gerade vermietet" - Wie Ahmad 2.400 Euro bei WG-Gesucht-Betrug verlor
Ahmad zahlte Kaution und zwei Monatsmieten für seine Traumwohnung in Neukölln. Dann verschwand der "Vermieter". Seine Geschichte ist nicht einzigartig - Wohnungsbetrug zielt zunehmend auf arabische Migranten. So schützen Sie sich.
فريق برليننا
Berlinuna Redaktionsteam - Wir bringen Ihnen die neuesten Nachrichten und wichtige Informationen für die arabische Gemeinschaft in Deutschland.
Lorem Picsum
Die Anzeige sah perfekt aus. Zwei-Zimmer-Wohnung in Neukölln, nahe der Sonnenallee, 850 Euro warm. Schöne Fotos, schnelle E-Mail-Antwort, und der Vermieter "Thomas" war sehr freundlich über WhatsApp. Er sagte Ahmad, einem syrischen Angestellten, der vor sechs Monaten nach Berlin kam: "Die Wohnung ist sehr gefragt. Wenn Sie sie wollen, überweisen Sie heute die Kaution."
Ahmad überwies 2.400 Euro - 1.700 Euro Kaution und eine Monatsmiete im Voraus. "Thomas" versprach, Vertrag und Schlüssel nach Zahlungseingang zu schicken. Zwei Tage später: WhatsApp-Nummer blockiert. E-Mail? Nicht existent. Und die Anzeige auf WG-Gesucht? Gelöscht.
Wachsendes Phänomen zielt auf Migranten
Laut Statistiken der Berliner Polizei stiegen Anzeigen wegen Wohnungsbetrug 2024 um 34% im Vergleich zum Vorjahr. Von 1.847 gemeldeten Fällen allein in Berlin waren 62% der Opfer Menschen mit Migrationshintergrund - die arabische Community an vorderster Front.
Warum gerade Araber? Betrüger kennen die Schwachstellen:
- Dringender Wohnungsbedarf - schwache Kenntnis des deutschen Systems
- Kulturelles Vertrauen - in arabischer Kultur bedeutet das Wort einer Person viel
- Sprachbarriere - Schwierigkeiten beim Lesen deutscher Warnungen und rechtlicher Details
- Angst, die Chance zu verlieren - kompetitiver Wohnungsmarkt treibt zur Eile
"Ich kenne mindestens fünf Leute in meinem Kreis, die auf dieselbe Weise Geld verloren haben", sagt Layla, palästinensische Journalistin in Berlin. "Betrüger zielen auf uns ab, weil sie wissen, dass wir verzweifelt sind, einen Ort zum Leben zu finden."
Häufigste Betrugsmaschen
1. Fake-Vermieter-Betrug
Der Betrüger kopiert echte Wohnungsanzeigen von anderen Seiten, ändert Kontaktdaten und fordert Geldüberweisung im Voraus. Die Wohnung existiert tatsächlich - ist aber nicht zu vermieten, oder der echte Vermieter weiß nichts von der Anzeige.
Warnsignale:
- Preis deutlich unter Marktüblich (Zwei-Zimmer in Prenzlauer Berg für 700€? Unmöglich)
- Vermieter ist "im Ausland" und kann Sie nicht persönlich treffen
- Fordert Banküberweisung oder Western Union vor Besichtigung
- Drängt zur Eile: "Es gibt 20 weitere Interessenten"
2. Besichtigungsgebühren-Betrug
Betrüger lädt zur Besichtigung ein, fordert aber "Reservierungsgebühr" oder "Verwaltungsgebühr" für Anwesenheit - meist 50-150 Euro. Nach Zahlung verschwindet er oder erscheint in nicht existenter Wohnung.
Goldene Regel: In Deutschland gibt es keine legalen "Besichtigungsgebühren". Jede Zahlungsaufforderung vor Vertragsunterzeichnung ist 100% Betrug.
3. Fake-Makler-Betrug
Person behauptet, Makler zu sein, fordert Provision im Voraus (meist zwei Monatsmieten), dann Verschwinden. In Deutschland zahlt seit 2015 der Vermieter - nicht der Mieter - die Maklerprovision in den meisten Fällen.
Laut Verbraucherzentrale, wenn Maklerprovision verlangt wird, prüfen Sie:
- Ist der Makler offiziell registriert? (Prüfbar über IHK - Industrie- und Handelskammer)
- Zeigt der Vertrag klar, dass der Vermieter den Makler beauftragt hat?
- Niemals bar zahlen - nur Banküberweisung auf offizielles Konto
So schützen Sie sich: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Vor dem Kontakt:
- Rückwärts-Bildersuche: Nehmen Sie Wohnungsfotos und suchen Sie sie in Google Images. Erscheinen sie in anderen Anzeigen oder Websites - rote Flagge
- Preis überprüfen: Nutzen Sie ImmobilienScout24 oder Immowelt für Durchschnittspreise im Viertel. 20%+ günstiger - Verdacht
- Adresse googeln: Geben Sie Adresse mit "Betrug" ein - finden Sie vielleicht Warnungen früherer Opfer
Bei Kommunikation:
- Bestehen Sie auf persönlichem Treffen: Keine Wohnung ohne echte Besichtigung. Keine Verhandlung darüber
- Verlangen Sie Identitätsnachweis: Echter Vermieter zeigt Personalausweis und Eigentumsnachweis (Grundbuchauszug)
- Kein Geld vor Unterzeichnung: Kaution wird erst nach offiziellem Vertrag gezahlt - und in separates Konto (Kautionskonto) eingezahlt
Bei Besichtigung:
- Bringen Sie einen Freund mit: Zweiter Zeuge reduziert Betrugsrisiko
- Prüfen Sie Versorgungseinrichtungen: Wasserhähne öffnen, Lampen testen, Fenster öffnen - Fake-Wohnungen oft oberflächlich "präsentiert"
- Verlangen Sie Nebenkostenabrechnung: Echter Vermieter hat Nebenkostenabrechnung vom Vorjahr
Was tun bei Betrug?
Falls Sie Opfer wurden (wie Ahmad), folgen Sie sofort diesen Schritten:
- Polizei informieren: Gehen Sie zur nächsten Polizeiwache und erstatten Anzeige. Bringen Sie alle Dokumente: Nachrichten, Überweisungsbelege, Screenshots
- Sofort Bank kontaktieren: Bei Überweisung innerhalb 24 Stunden kann Bank möglicherweise stoppen
- Plattform melden: Bericht an WG-Gesucht oder ImmobilienScout24 senden, um Anzeige zu löschen und neue Opfer zu verhindern
- Anwalt konsultieren: Bei großem Verlust Mietrechtsanwalt konsultieren. Organisationen wie Berliner Mieterverein bieten kostenlose Beratung für Mitglieder
- Community warnen: Teilen Sie Erfahrung in Facebook-Gruppen der arabischen Community - schützen Sie andere
Leider ist die Geld-Rückholquote bei Wohnungsbetrug niedrig - nur etwa 18% laut Berliner Polizei. Aber Anzeige ist wichtig zum Aufbau eines Falls gegen Betrüger und eventuell andere zu schützen.
Sichere Plattformen für Wohnungssuche
Trotz Risiken gibt es sicherere Plattformen als andere:
- ImmobilienScout24: Größte in Deutschland, hat Identitätsprüfung - aber Vorsicht bleibt nötig
- Immowelt: Gute Prüfstandards, Anzeigen meist von offiziellen Immobilienagenturen
- Kommunale Wohnungsgesellschaften: Wie DEGEWO oder GEWOBAG in Berlin - 100% sicher, aber lange Wartelisten
- Lokale Facebook-Gruppen: Wie "Arabs in Berlin" - Profile und Beitrittsdatum prüfen
Vermeiden Sie Craigslist und "Person-zu-Person"-Anzeigen ohne verifizierte Identität.
Fazit
Ahmad bekam sein Geld nicht zurück. Nach vier Monaten Anzeige schloss die Polizei den Fall - Betrüger nutzte gefälschte Identität und polnisches Bankkonto. Aber Ahmad lernte eine teure Lektion, die er mit Dutzenden Freunden teilte: "Wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein in Berlin, ist es das wahrscheinlich."
Berlins Wohnungskrise ist real - durchschnittliche Suchdauer jetzt 4,7 Monate laut Berliner Mieterverein. Aber Verzweiflung rechtfertigt keine Eile. Nehmen Sie sich Zeit, prüfen Sie jedes Detail, und zahlen Sie keinen Cent vor offizieller Vertragsunterzeichnung und persönlicher Besichtigung.
Ihr sicheres Zuhause ist das Warten wert.
Quellen
- Polizei Berlin - Warnungen vor Wohnungsbetrug
- Verbraucherzentrale - Betrug bei der Wohnungssuche erkennen
- Berliner Mieterverein - Informationen zu Mietverträgen und Kaution
- ImmobilienScout24 - Offizielle Wohnungssuche-Plattform
- WG-Gesucht - Sicherheitstipps für Nutzer
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