Spaete Ankunft, kleine Rente? Was zu tun ist
Mit 40 nach Deutschland gekommen? Dann steht eine harte Zahl im Raum: Wer 27 Jahre lang auf Durchschnittsgehalt einzahlt und mit 67 in Rente geht, bekommt rund 1.060 Euro brutto im Monat. Wer keine fuenf Beitragsjahre schafft, bekommt null Euro gesetzliche Rente. So die Regel. Doch drei Hebel bleiben offen, und jeder schliesst sich, je laenger gewartet wird. Welche das sind, in welcher Reihenfolge sie zu ziehen sind, und der eine kostenlose Antrag, der alles entscheidet.
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صورة توضيحية / Symbolbild. Photo: MountainDweller/Pixabay · Pixabay License
Fuenf Beitragsjahre. Diese Zahl entscheidet, ob jemand, der mit 40 oder spaeter nach Deutschland kommt, ueberhaupt eine gesetzliche Rente bekommt. Wer die sogenannte Mindestversicherungszeit von 60 Monaten nicht erreicht, erhaelt Null Euro Altersrente, unabhaengig davon, wie viel waehrend dieser Zeit eingezahlt wurde. Diese Regel gilt fuer alle gleich, so die Deutsche Rentenversicherung.
Fuer Spaeteinsteiger aus arabischen Laendern ist das die erste Hausnummer. Die zweite ist die Rechnung danach. Die dritte sind die Hebel, die offenbleiben.
Was 27 Beitragsjahre tatsaechlich bedeuten
Die gesetzliche Rente wird in Entgeltpunkten gerechnet. Ein Entgeltpunkt entspricht einem Jahr mit dem deutschen Durchschnittsbruttoeinkommen, das laut Deutscher Rentenversicherung 2025 bei 44.732 Euro liegt. Pro Punkt gibt es derzeit rund 39,32 Euro Monatsrente (West, Stand Juli 2025).
Ein rechnerisches Beispiel: Wer mit 40 nach Deutschland kommt und bis zum gesetzlichen Renteneintritt mit 67 durchgaengig auf Durchschnittsniveau verdient, sammelt 27 Entgeltpunkte. Das ergibt etwa 1.060 Euro brutto pro Monat. Wer weniger als den Durchschnitt verdient oder Luecken hat, bekommt entsprechend weniger. Der genaue Betrag steht in der persoenlichen Rentenauskunft, nicht in einer allgemeinen Rechnung.

Die Grundrente, seit 2021 ein Aufschlag fuer kleine Renten, hilft an dieser Stelle vielen Spaeteinsteigern nicht weiter. Sie verlangt mindestens 33 Jahre Grundrentenzeiten, eine Schwelle, die ohne Anrechnung von Zeiten im Ausland selten erreicht wird, so die Voraussetzungen der Deutschen Rentenversicherung.
Auslandszeiten: nicht alle, aber wichtige
Beitragszeiten aus dem Herkunftsland koennen unter Umstaenden auf die Mindestversicherungszeit angerechnet werden. Fuer Personen aus EU- und EFTA-Staaten gilt das automatisch. Fuer Drittstaaten geht es nur, wenn ein bilaterales Sozialversicherungsabkommen mit Deutschland besteht. Tunesien, Marokko und die Tuerkei stehen auf dieser Liste, weitere Laender ebenfalls. Die aktuelle Uebersicht ist direkt bei der Deutschen Rentenversicherung abrufbar.
Drei Bausteine fuer die zusaetzliche Altersvorsorge
Neben der gesetzlichen Rente existieren drei klassische Werkzeuge, die fuer Spaeteinsteiger genauso offen sind wie fuer alle anderen. Die Riester-Rente ist staatlich gefoerdert und lohnt sich vor allem fuer Geringverdiener und Familien mit Kindern, weil die jaehrliche Zulage und mehrere Kinderzulagen die Eigenleistung deutlich aufstocken. Die Ruerup-Rente, auch Basisrente genannt, richtet sich an Selbststaendige und Freiberufler, weil ihr Hauptvorteil ein hoher Steuerabzug der Beitraege ist.
Der dritte Baustein ist fuer angestellte Spaeteinsteiger oft der wichtigste: die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Beitraege gehen aus dem Bruttogehalt, vor Steuer und vor Sozialabgaben. Wenn der Arbeitgeber zusaetzlich einen Zuschuss zahlt, was viele Unternehmen taeglich tun, ist das ein Renditehebel, den keine private Geldanlage erreicht. Wer einen Arbeitgeberzuschuss liegen laesst, verzichtet praktisch jeden Monat auf Geld.
Wer mit 45 eine bAV mit Arbeitgeberzuschuss abschliesst, kann bis zur Rente einen monatlichen Unterschied von 200 bis 400 Euro gegenueber Nichtstun aufbauen, lebenslang.
Welcher Baustein passt, haengt von Familienstand, Einkommen und Beschaeftigungsform ab. Eine Uebersicht der Foerderlogik bietet das Bundesministerium fuer Arbeit und Soziales. Wichtig vor jedem Vertrag: unabhaengige Beratung, nicht das erste Bankprodukt am Schalter.
Die Rentenauskunft: kostenlos, persoenlich, in einer Viertelstunde beantragt
Vor jeder Entscheidung ueber Riester, Ruerup oder bAV steht ein Dokument: die Rentenauskunft. Wer mindestens 60 Beitragsmonate gesammelt hat, hat Anspruch auf diese persoenliche Vorausberechnung. Sie zeigt die bisher erworbenen Entgeltpunkte und den voraussichtlichen Bruttobetrag bei Renteneintritt mit 67.
Die Auskunft kann online ueber das Konto bei der Deutschen Rentenversicherung beantragt werden, postalisch ueber das Formular V0210 oder telefonisch unter der kostenfreien Servicenummer 0800 1000 4800. Notwendig sind die persoenliche Sozialversicherungsnummer, die auf jeder Lohnabrechnung steht, und ein paar Minuten Zeit.
Zwei Schritte fuer diese Woche
Erstens: Rentenauskunft anfordern, jetzt. Auch wer die fuenf Beitragsjahre noch nicht voll hat, sollte den eigenen Stand kennen. Zweitens: in der Personalabteilung nachfragen, ob der Arbeitgeber eine bAV anbietet und einen Zuschuss zahlt. Lautet die Antwort ja, anmelden. Diese eine Entscheidung ist die wirtschaftlich rentabelste Bewegung im Renten-Spielfeld eines Spaeteinsteigers.
Die Zahl auf der Rentenauskunft kann nuechtern ausfallen. Sie ist jedoch der Startpunkt fuer Korrekturen, kein Schlusswort. Jedes Jahr, in dem keiner der Hebel gezogen wird, kostet bares Geld im Alter. Die wichtigste Entscheidung ist, nicht zu warten.
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