Wahljahr und Migrationsdebatte - Was erwartet Einwanderer 2026 in Deutschland?
Mit anstehenden Bundestagswahlen und aufgeheizter Migrationsdebatte steht Einwanderern in Deutschland ein herausforderndes Jahr bevor. Der Aufstieg der AfD und geplante Verschärfungen im Aufenthaltsrecht könnten das Leben in Berlin grundlegend verändern. Khaled, syrischer Ingenieur in Neukölln seit sieben Jahren, verfolgt die Nachrichten mit Sorge: 'Jeden Tag gibt es neue Diskussionen über Gesetze'.
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Lorem Picsum
Khaled Al-Hassan sitzt in einem Café auf der Sonnenallee, nippt an seinem Kaffee und liest die Schlagzeilen auf seinem Handy. Sieben Jahre in Berlin. Anerkannter Hochschulabschluss, feste Stelle bei einem Ingenieurbüro, aber seine Aufenthaltserlaubnis läuft im Juni 2026 aus. 'Jedes Mal, wenn ich zur Ausländerbehörde gehe, fühle ich mich, als würde ich von vorn anfangen', sagt er.
Khaled ist nicht allein.
Wahljahr und Wandel
Laut BAMF-Statistiken gibt es über 2,1 Millionen Menschen in Deutschland mit befristeten Aufenthaltstiteln, die 2026 verlängert werden müssen. Darunter etwa 340.000 aus Syrien, dem Irak, Libanon und anderen arabischen Ländern.
Doch die für September 2026 angesetzte Bundestagswahl könnte die Spielregeln komplett ändern. Umfragen zeigen die AfD bundesweit bei 18-22% - in ostdeutschen Bundesländern deutlich höher.
Bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern im Mai und Sachsen-Anhalt im Juni könnte die AfD stärkste Kraft werden. 'Das ist nicht nur eine Zahl in einer Umfrage', erklärt Dr. Martin Siebert, Migrationsexperte bei der Robert Bosch Stiftung. 'Es prägt den gesamten politischen Diskurs, auch bei anderen Parteien.'
Was könnte sich ändern?
Die aktuelle Koalitionsregierung hat bereits neue Gesetzentwürfe vorgelegt. Einer davon, das Fachkräfteeinwanderungsmodernisierungsgesetz, verspricht schnellere Anerkennungsverfahren - enthält aber auch strengere Voraussetzungen für Verlängerungen.
Wichtigste geplante Änderungen:
- Mindesteinkommensgrenze 2.400 Euro monatlich für Aufenthaltstitel (statt 2.100 Euro)
- Verpflichtender Deutschtest auf B1-Niveau (statt A2) für Einbürgerung
- Längere Wartezeit - 8 statt 6 Jahre - für Einbürgerung ohne Integrationskurs
- Strengere Kontrolle bei Bürgergeld-Empfängern, die Jobangebote ablehnen
'Das Problem sind nicht nur neue Gesetze', sagt Fatima Al-Omari, Anwältin für Migrationsrecht bei einer Beratungsstelle in Kreuzberg. 'Das Problem ist die Auslegung. Wir haben erlebt, wie sich Interpretationen über Nacht geändert haben.'
Fatima bearbeitet etwa 35 Fälle pro Monat. Im November 2025 waren 23 davon Ablehnungen von Verlängerungsanträgen - gegenüber 8 im selben Monat des Vorjahres.
Berlin: Ein Sonderfall?
In Berlin ist die Situation besonders komplex. Die Stadt hat den höchsten Anteil im Ausland geborener Einwohner in Deutschland - 35,7% laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. In Bezirken wie Neukölln erreicht die Zahl 46%.
Doch die behördliche Infrastruktur kämpft. Das Landesamt für Einwanderung auf der Friedrich-Krause-Ufer 24 hat 4.700 verfügbare Termine pro Monat, aber die Nachfrage übersteigt 9.000. Durchschnittliche Wartezeit für einen Termin: 11 Wochen.
Ahmed Abbas, den wir bereits erwähnten, wartete 47 Tage auf seinen Termin. 'Ich kam um 6:30 Uhr morgens. Es standen schon 40 Leute in der Schlange.' Als er endlich an der Reihe war, hieß es, ein Dokument - eine Gehaltsbestätigung vom Arbeitgeber - sei im 'falschen Format'. Zurück zum Warten.
Vorbereitung auf 2026
Was können arabische Einwanderer tun? Fatima Al-Omari gibt klare Ratschläge:
- Verlängerungstermine 4-5 Monate vor Ablauf buchen, nicht zwei
- Alles dokumentieren - Gehaltsabrechnungen, Mietverträge, Sprachzertifikate, auch wenn noch nicht verlangt
- Jetzt für B1-Sprachkurse anmelden - Wartelisten werden länger
- Bei Komplikationen frühzeitig rechtliche Beratung suchen
'Die Leute kommen zu uns, wenn es schon zu spät ist', seufzt sie. 'Dann versuchen wir zu retten, was zu retten ist. Aber Vorbeugen ist viel besser als Heilen.'
Khaled im Café auf der Sonnenallee legt sein Handy beiseite. Morgen wird er einen Anwalt anrufen. Nach sieben Jahren in Berlin will er nichts dem Zufall überlassen.
المصادر / Quellen
- BAMF - Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Aktuelle Migrationszahlen 2025
- Deutsche Welle Arabic - Migrationspolitik Deutschland 2026
- Berliner Landesamt für Einwanderung - Offizielle Informationen
- Amt für Statistik Berlin-Brandenburg - Bevölkerungsstatistik 2025
- Bundesregierung - Aktuelle Migrationspolitik und Gesetzesvorhaben
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