Seit dem 1. Oktober 2026 haben nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) alle gesetzlich versicherten Babys im ersten Lebensjahr Anspruch auf eine RSV-Prophylaxe, und zwar mit einem von zwei Antikörpern. Für viele Eltern ist gerade ein anderes Datum wichtiger: Babys, die zwischen April und September geboren wurden, sollen die Dosis nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) im Herbst bekommen, zwischen September und November. Bis Ende November bleiben gut fünf Wochen.
Das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV, ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) der häufigste Grund, warum Säuglinge ins Krankenhaus aufgenommen werden. Der Schutz davor besteht aus einer einzigen Spritze. Viele Eltern kennen die U-Untersuchungen und die üblichen Babyimpfungen, die RSV-Prophylaxe dagegen oft nicht. Und wer nichts von ihr weiß, fragt auch nicht danach.
Welcher Zeitpunkt für welches Baby gilt
Wann die Dosis empfohlen wird, hängt vom Geburtsmonat ab. Die RSV-Saison läuft in der Regel von Oktober bis März, kann aber auch früher oder später beginnen. Die STIKO empfiehlt die Prophylaxe allen Neugeborenen und Säuglingen in ihrer ersten RSV-Saison. Die Einzelheiten erklärt das RKI in seinen Antworten auf häufige Fragen (Stand: 10. September 2026), ebenso das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) auf infektionsschutz.de.
Geboren zwischen April und September: Diese Babys sollen die Dosis im Herbst bekommen, zwischen September und November und damit vor ihrer ersten RSV-Saison. Für diese Gruppe wird die Zeit knapp. Eltern sollten jetzt in der Kinderarztpraxis anrufen und einen Termin vor Ende November vereinbaren.
Geboren zwischen Oktober und März: Hier gilt: so bald wie möglich nach der Geburt, am besten noch vor der Entlassung aus der Geburtsklinik oder bei der U2, die zwischen dem 3. und 10. Lebenstag stattfindet. Wer in diesem Winter ein Kind erwartet, sollte vor der Entlassung nachfragen, ob das Baby die Dosis bekommen hat, und sie andernfalls bei der U2 ansprechen.
Dosis verpasst: Laut RKI soll sie so schnell wie möglich innerhalb der ersten RSV-Saison nachgeholt werden. Das BIÖG schreibt auf infektionsschutz.de, nach Auffassung der STIKO sei das bis zum ersten Geburtstag möglich. Auch ein Baby, das Anfang 2026 geboren wurde und die Prophylaxe nie bekommen hat, kann also noch infrage kommen. Ob das im Einzelfall passt, klärt die Kinderarztpraxis. Klar ist nur: Der Schutz beginnt mit der Spritze und wirkt nicht rückwirkend.
Antikörper statt Impfstoff
Anders als bei einer Impfung muss der Körper des Babys den Schutz nicht selbst aufbauen. Das Kind bekommt fertige Antikörper gespritzt, Fachleute sprechen von passiver Immunisierung. Deshalb wirkt der Schutz sofort und hält bei rechtzeitiger Gabe in der Regel die ganze erste Saison, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und das BMG erklären. Es reicht eine einzige Dosis.
Nach Angaben der KBV kann die Prophylaxe gleichzeitig mit den Standardimpfungen oder in beliebigem Abstand dazu gegeben werden. Ein ohnehin geplanter Impftermin ist also ein guter Anlass, danach zu fragen. Für Kinder mit bestimmten schweren Erkrankungen wird laut KBV und BMG vor der zweiten RSV-Saison eine zweite Dosis empfohlen. Darüber entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Wer die Kosten trägt
Dass es sich nicht um eine Impfung handelt, hat auch rechtliche Folgen. Der Anspruch ist nicht in der Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geregelt, sondern in einer Verordnung des BMG, der RSV-Prophylaxeverordnung. Darauf wies der G-BA in einer Mitteilung vom 17. September 2026 hin.
Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums gilt die Verordnung seit dem 14. September 2024 und wurde mit Wirkung zum 1. Oktober 2026 geändert. Versicherte, die das erste Lebensjahr noch nicht vollendet haben, haben demnach Anspruch auf eine einmalige Versorgung mit Nirsevimab oder Clesrovimab. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten als Sachleistung, Eltern müssen also nicht in Vorleistung gehen. Die STIKO empfiehlt seit diesem Jahr beide Antikörper gleichermaßen. Welcher gegeben wird, entscheidet die Praxis.
Das gilt für die gesetzliche Krankenversicherung. Ist Ihr Kind privat versichert, klären Sie vor dem Termin mit der Versicherung, was Ihr Tarif abdeckt. Familien ohne Versichertenkarte einer Krankenkasse, die Behandlungen über einen Behandlungsschein abrechnen, fragen bei der Stelle nach, die diesen Schein ausstellt.
Was Eltern jetzt tun können
Am Anfang steht eine einfache Frage: In welchem Monat wurde Ihr Kind geboren? Fällt die Geburt in die Zeit zwischen April und September, rufen Sie am besten noch diese Woche in der Kinderarztpraxis an. Ein Satz am Telefon genügt:
Ich hätte gern einen Termin für die RSV-Prophylaxe. Mein Baby ist im Juli geboren und gesetzlich versichert.
Zum Termin gehören wie bei jedem Praxisbesuch die Versichertenkarte des Kindes und das gelbe U-Heft. Erwarten Sie ein Baby, sprechen Sie das Thema in der Geburtsklinik an, spätestens bei der U2. Wurde die Dosis verpasst, fragen Sie in der Praxis, ob sie sich noch nachholen lässt. Die medizinische Entscheidung trifft in jedem Fall die Praxis oder die Klinik.
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