Kultur

Wird Deutschland unattraktiv?

Jeder fünfte Deutsche denkt ans Auswandern. Eine erschreckende Zahl – aber was bedeutet sie für uns? Wird Deutschland schlechter, oder steckt mehr dahinter?

Redaktioneller BelegAusstehend5 QuellenlinksAktualisiert 17. Januar 2026Methodik

Berlinuna Redaktion

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3 Min. Lesezeit163 Aufrufe

21 Prozent der Deutschen denken ernsthaft ans Auswandern. Keine Tagträumerei – echte Pläne. Die Zahl stammt aus einer Forsa-Umfrage für RTL, veröffentlicht im Januar 2026.

Im arabischen Café an der Sonnenallee las Ahmed die Nachricht seinen Freunden vor. Einer lachte: "Jetzt verstehen sie, wie wir uns fühlen!" Aber ein anderer fragte ernst: "Wenn die Deutschen selbst gehen wollen – was bedeutet das für uns?"

Warum wollen sie weg?

Laut DW-Analyse sind die Gründe vielfältig: wirtschaftlicher Abschwung, erstickende Bürokratie, hohe Steuern, marode Infrastruktur. Aber der Hauptgrund? Sorge um die Zukunft – besonders die Zukunft der Kinder.

Luftaufnahme einer deutschen Stadt
Symbolbild. Photo by Roman Kraft on Unsplash

Das überschneidet sich – überraschenderweise – mit den Sorgen vieler Araber hier. "Ich bin gekommen, um meinen Kindern eine bessere Zukunft zu geben", sagt Huda, Mutter von drei Kindern in Berlin. "Aber jetzt frage ich mich: Sind die Schulen hier wirklich besser? Werden sie gute Jobs finden?"

Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte

Bevor wir schlussfolgern, dass Deutschland "zusammenbricht" – lesen wir die Zahlen genauer. Laut Statistischem Bundesamt verließen 2024 etwa 268.000 deutsche Staatsbürger das Land. Eine große Zahl? Ja. Aber im selben Jahr kehrten 191.000 Deutsche aus dem Ausland zurück.

Die Nettodifferenz: nur 77.000 Menschen. In einem Land mit 84 Millionen Einwohnern sind das weniger als 0,1 Prozent. Zahlen lügen nicht – aber sie erzählen auch nicht die ganze Geschichte.

Und was ist mit den Arabern?

Hier die wichtigere Frage. Denken auch Araber in Deutschland ans Weggehen? Die Antwort ist komplex. In arabischen WhatsApp- und Facebook-Gruppen wird heiß diskutiert. Manche sprechen von Kanada oder dem Golf. Andere sagen: "Wohin? Hier ist es besser als die meisten Alternativen."

Was Araber unterscheidet – besonders Syrer und Iraker – ist, dass viele Deutschland nicht als "ideales" Ziel gewählt haben. Sie kamen, weil es möglich war. Das schafft eine andere Beziehung zum Land: weniger romantisch, aber vielleicht realistischer.

Straßenszene in Berlin-Neukölln
Symbolbild. Photo by Markus Spiske on Unsplash

Die geteilte Frustration

"Ich verstehe, warum Deutsche frustriert sind", sagt Karim, Maschinenbauingenieur in Stuttgart. "Die Bürokratie, unter der ich als Ausländer leide – sie leiden auch darunter, nur anders. Der Unterschied: Sie waren an ein funktionierendes System gewöhnt, wir an Systeme, die nicht funktionieren."

Diese Beobachtung ist wichtig. Die deutsche Frustration entspringt hohen Erwartungen, die nicht erfüllt wurden. Die arabische Frustration – oft – entspringt zusätzlichen Hürden: Sprache, Anerkennung von Abschlüssen, manchmal Diskriminierung. Aber das Ergebnis ist dasselbe: das Gefühl, dass es "besser sein müsste".

Gehen oder bleiben?

Die Frage hat keine einheitliche Antwort. Aber es gibt eine Wahrheit, die viele übersehen: Die, die ans Auswandern denken – ob Deutsche oder Araber – werden es meistens nicht tun. Denken ist eines, Handeln ein anderes. Besonders wenn man Kinder in der Schule hat, einen stabilen Job und ein Netzwerk, das über Jahre aufgebaut wurde.

Wichtiger als die Frage "Gehen wir?" ist die Frage "Wie verbessern wir unser Leben hier?" Ob gebürtiger Deutscher oder vor einem Jahrzehnt angekommen – die Antwort ist dieselbe: politische Teilhabe, Gemeinschaftsaufbau und Forderung nach Veränderung. Flucht ist nicht die einzige Lösung.

Hinweis: Einige Namen und Details in diesem Artikel wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.

Quellen

  1. Statistisches Bundesamt - Wanderungen
  2. Forsa - Meinungsforschungsinstitut
  3. Deutsche Welle - Deutschland

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17. Januar 2026
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