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Ruhestand: Grenzen der Vier-Prozent-Regel

Auf dem Konto liegt ein Polster, doch für den Ruhestand fehlt eine verlässliche Monatsrechnung.

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Ruhestand: Grenzen der Vier-Prozent-Regel

SymbolbildBildquelle: stevepb · Pixabay Content License

Redaktioneller BelegGeprüft1 offizielle LinksAktualisiert 6. Oktober 2026Methodik
Quellenbeleg

Die Miete wird jeden Monat fällig, auch wenn das Depot gerade an Wert verloren hat. Wer seine Rente mit Ersparnissen ergänzt, muss deshalb wissen, welcher Betrag für den Alltag fehlt und wie viel davon unverzichtbar ist. Aus der Höhe des Vermögens allein lässt sich das nicht ablesen.

Für eine erste Rechnung gehören die tatsächlichen Zahlungseingänge aus Rente und anderen regelmäßigen Einkünften neben die Ausgaben für Wohnen, Energie, Lebensmittel, Versicherungen und weitere Verpflichtungen. Jährliche Rechnungen sollten dabei auf die Monate verteilt werden. Sonst sieht ein Monat günstiger aus, als er auf Dauer ist. Hilfreich ist außerdem die Trennung zwischen festen Kosten und Ausgaben, die sich verschieben oder kürzen lassen.

Ein hypothetisches Rechenbeispiel, keine Empfehlung für eine bestimmte Entnahme: Treffen monatlich 1.650 Euro regelmäßige Einnahmen auf 2.100 Euro Ausgaben, fehlen 450 Euro. Über ein Jahr sind das 5.400 Euro. Damit ist die Lücke im Budget beziffert. Ob ein vorhandenes Vermögen diese Lücke während des gesamten Ruhestands tragen kann, bleibt offen.

An dieser Stelle verspricht die Vier-Prozent-Regel Orientierung. Ein tagesschau-Bericht mit Stand vom 20. September 2026 beschreibt das Verfahren und seine Grenzen: Im ersten Ruhestandsjahr werden vier Prozent des Vermögens entnommen. Anschließend wird dieser Eurobetrag jährlich an die Inflation angepasst. Die Regel sieht also nicht vor, jedes Jahr vier Prozent des jeweils verbliebenen Depotwerts abzuheben. Und sie passt dem Bericht zufolge nicht für jeden gleichermaßen.

Wie stark eine Entnahmequote von ihren Voraussetzungen abhängt, zeigen die von tagesschau wiedergegebenen Berechnungen des Analysehauses Morningstar: Rund 3,9 Prozent Anfangsentnahme beziehen sich auf einen Ruhestand von 30 Jahren und eine rechnerische Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent, dass am Ende noch Geld vorhanden ist. Dafür liegt der Aktienanteil des Portfolios bei etwa 30 bis 50 Prozent. Eine solche Modellrechnung gibt keine persönliche Garantie. Sie lässt sich auch nicht ohne Weiteres auf Ersparnisse übertragen, die vollständig als Kontoguthaben liegen.

Der Bericht beschreibt zugleich die andere Seite einer vorsichtigen Planung: Manche Menschen könnten mehr von ihrem Vermögen zu Lebzeiten nutzen. Flexible Entnahmen können dafür Spielraum schaffen, verlangen aber, nach schwachen Börsenjahren weniger auszugeben. Ob das im Alltag möglich ist, hängt auch davon ab, wie weit Rente und andere Einkünfte die laufenden Kosten bereits decken. Eine verschiebbare Reise bietet andere Möglichkeiten als die monatliche Miete.

Auch ein gleichbleibender Eurobetrag kann mit der Zeit knapper werden. Die Europäische Zentralbank erklärt in ihrem Beitrag „What is inflation?“, warum: Steigen die Preise für Waren und Dienstleistungen allgemein, sinkt die Kaufkraft des Geldes. Dabei trifft die Preisentwicklung Haushalte unterschiedlich. Welche Produkte sie kaufen und welchen Anteil einzelne Ausgaben am Budget haben, beeinflusst ihre persönliche Belastung. Der durchschnittliche Warenkorb bildet die eigene Haushaltsrechnung deshalb nicht genau ab.

Für das hypothetische Budget bedeutet das: Werden die Ausgaben teurer und bleiben die regelmäßigen Einnahmen unverändert, wächst die monatliche Lücke. Eine höhere Entnahme kann diese Mehrkosten decken, beansprucht aber zugleich mehr Geld aus dem Vermögen. Die Anpassung an steigende Preise löst damit noch nicht die Frage, wie lange die Ersparnisse reichen.

Vor einem regelmäßigen Übertrag vom Ersparten aufs Girokonto lohnt sich daher eine konkrete Arbeitsunterlage: Kontoauszüge, Rentenbescheid und Rechnungen zusammentragen, Einnahmen und Ausgaben gegenüberstellen und die Differenz notieren. Prüfen Sie anschließend, welche Kosten gestiegen sind und welche Ausgaben Sie bei Bedarf senken könnten. Ändern sich Rentenzahlung oder wichtige Rechnungen, braucht auch diese Rechnung eine Aktualisierung. Sie zeigt Ihren Bedarf und liefert die Grundlage für die weitere Frage, ob die geplante Entnahme langfristig zu Ihrer Situation passt.

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