Gesundheit

Vitamine und Lungenkrebs: Was ist belegt?

Wer wegen einer Krebswarnung sein Vitaminpräparat infrage stellt, braucht mehr als eine Überschrift: Welche Substanz wurde in welcher Menge untersucht, und an wem?

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Vitamine und Lungenkrebs: Was ist belegt?

SymbolbildBildquelle: HeungSoon · Pixabay License

Redaktioneller BelegGeprüft1 offizielle LinksAktualisiert 27. September 2026Methodik
Quellenbeleg

Eine Schlagzeile über Lungenkrebs kann Zweifel an einem verordneten Vitaminpräparat auslösen. Doch für eine Entscheidung über die Einnahme fehlen im arabischsprachigen Bericht der Deutschen Welle wichtige Angaben. Genannt werden die Vitamine B12, C und E. Welche Dosierungen untersucht wurden und auf welcher Art von Forschung die Aussagen beruhen, erklärt der Text nicht ausreichend.

Auch der Blick ins Verkaufsregal beantwortet die Frage nach Nutzen und Risiko nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erläutert in seinen Fragen und Antworten vom 4. Dezember 2018: Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel. Sie durchlaufen kein mit Arzneimitteln vergleichbares Zulassungsverfahren. Die dort beschriebene Registrierung beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist davon zu unterscheiden. Für die Sicherheit und die Einhaltung des Lebensmittelrechts sind Hersteller und Vertreiber verantwortlich.

Auf die Packung gehören laut BfR die Kennzeichnung als Nahrungsergänzungsmittel, die empfohlene tägliche Verzehrmenge und der Hinweis, diese nicht zu überschreiten. Notieren Sie für eine Rückfrage den Stoffnamen, die angegebene Menge samt Einheit, etwa mg oder µg, und Ihre tatsächliche tägliche Einnahme. Nehmen Sie die Packung sowie eine Liste Ihrer übrigen Präparate und Medikamente mit in die Apotheke oder Arztpraxis.

Bei der Krebsfrage lohnt es sich, die Aussagen einzeln zu lesen. Zu Vitamin B12 verweist DW auf eine Studie aus dem Jahr 2019. Hohe Dosen könnten demnach das Wachstum bereits vorhandener Krebszellen fördern. Eine konkrete Dosis oder Angaben zur untersuchten Gruppe nennt der Bericht nicht.

Bei Vitamin C und E geht es in dem Bericht um die Bildung neuer Blutgefäße in Tumoren. DW schreibt einem Beitrag im Journal of Clinical Investigation die Aussage zu, bestimmte Antioxidantien könnten diesen Vorgang unterstützen. Ein Erscheinungsjahr und untersuchte Mengen fehlen.

Entscheidend bleibt die offene Frage nach der Methode. Aus dem DW-Text geht nicht hervor, ob die jeweiligen Aussagen auf Untersuchungen an Menschen, an Tieren oder an Zellen im Labor beruhen. Ebenso fehlt eine ausreichende Grundlage, um einen statistischen Zusammenhang von einem experimentell geprüften Effekt zu unterscheiden.

Tumorwachstum, Gefäßbildung und das erstmalige Auftreten von Lungenkrebs sind unterschiedliche Ergebnisse. Aus dem Bericht allein lässt sich nicht bestimmen, ob und in welchem Ausmaß die genannten Präparate das Lungenkrebsrisiko erhöhen. Dazu müssten die Originalstudien geprüft werden. Aussagen über sämtliche Nahrungsergänzungsmittel oder übliche Mengen aus Lebensmitteln lassen sich daraus ebenfalls nicht ableiten.

Für den Umgang mit der eigenen Packung liefert das BfR konkretere Anhaltspunkte. Der Verkauf eines Produkts belegt nach seiner Darstellung keinen ernährungsphysiologischen Nutzen. Eine Ergänzung kann im Einzelfall sinnvoll sein; eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ersetzt sie nicht. Zudem bedeutet eine Zufuhr unterhalb der Ernährungsempfehlungen nicht automatisch, dass tatsächlich ein Mangel vorliegt.

Die Liste Ihrer Präparate und Medikamente hilft auch bei der Prüfung möglicher Wechselwirkungen. Das BfR weist darauf hin, dass Nahrungsergänzungsmittel die Wirkung bestimmter Arzneimittel abschwächen oder verstärken können. Für eine längerfristige gemeinsame Einnahme empfiehlt es die Absprache mit dem behandelnden Arzt. Die konkrete Frage lautet: Brauche ich diesen Stoff in dieser Dosis, und passt er zu meinen Medikamenten? Ist die Einnahme verordnet, besprechen Sie eine Änderung vorab mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt.

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